Rheinland-Pfalz

Steigende Kosten und gefestigte Marktanteile

Bäckerinnungs-Verbands Südwest: LIM Gögelein sieht gut Chancen für das Bäckerhandwerk, wenn es sich auf seine Stärken besinnt


Bad Dürkheim (dtp). LIM Volker Gögelein machte auf der Mitgliederversammlung des Bäckerinnungsverbands Südwest in seinem Bericht zur wirtschaftlichen Lage und zur Situation des Bäckerhandwerks deutlich, dass die steigenden Kosten fast alle Bereiche betreffen – vom Einkaufsverhalten der Konsumenten bis hin zum Investitionsverhalten der Betriebsinhaber. Er forderte daher, „es müssen die hohen, politisch bedingten Kosten auf den deutschen Energiepreisen, wie die Ökosteuer, die Förderung erneuerbarer Energie, die Kraft-Wärmekopplung und der Emissionszertifikate-Handel reduziert beziehungsweise ganz abgeschafft werden.“

Die Discounter haben 2005 ein Wachstum von 5,4 Prozent und die großen Verbrauchermärkte eine Zunahme von drei Prozent erreicht, während die SB-Warenhäuser 3,3 Prozent verloren. Nach neueren Angaben habe das Bäckerhandwerk einen Marktanteil von 49,9 Prozent, Backstationen 5 und Bio-Super-Märkte samt Naturkostläden gerade mal 0,8 Prozent.

Mit Qualität und Service

Marktstellung gefestigt

LIM Gögelein hatte auch Lob parat. Die Handwerksbetriebe hätten sich unter dem harten Wettbewerbsdruck wieder auf ihre Tugenden und Stärken besonnen. Mittels einer verstärkten Konzentration auf die Qualität der Backwaren, freundlicher und gezielter Kundenansprache der Verkäuferinnen und einzelner Marketingaktionen haben die Betriebe ihre Marktstellung festigen oder weiter ausbauen können.

Es gebe aber auch Betriebe, die es nicht geschafft haben, erfolgreich zu agieren, was sich in den Mitglieds-Zahlen ausdrücke. 2005 sei die Zahl der Mitglieder beim BIV Südwest von 308 auf 283 zurück gegangen.

Die Zukunft sah Gögelein besser. Der von der EU-Kommission monatliche ermittelte Verbraucherindex sei im Mai von minus sechs auf minus drei gestiegen. Das sei der höchste Stand seit fünf Jahren. Das Konsumklima habe sich in den letzten Monaten spürbar verbessert und auch von der Fußball-WM scheinen positive Impulse auszugehen.

Es gebe Gründe, optimistisch in die Zukunft zu schauen, meinte der Landesinnungsmeister. Das Bäckerhandwerk habe sich durch den harten Wettbewerb mit Billiganbietern und Discountern sowie über den anhaltenden Strukturwandel einige Vorteile erworben. Der Wettbewerb habe bei den Meisterbetrieben für eine kontinuierliche Steigerung der Produktqualität gesorgt, für eine Konzentration auf regionale Spezialitäten und Produkt-Vielfalt sowie für eine stetige und serviceorientierte Weiterbildung des Verkaufspersonals. Die Rückbesinnung auf traditionelle Produktionsverfahren, wie der Einsatz von Vorteigen und Natursauerteigen habe die Qualität der Backwaren weiter verbessert. LIM Gögelein unterstrich: „Es gibt genügend Beispiele, zu zeigen, dass auch in Zeiten knapper Kassen Premium-Backwaren zu einem fairen Preis-Leistungs-Verhältnis ihre Käufer finden.“ Zum Schluss meinte LIM Gögelein, „Die Innungen und Verbände wurden gegründet, nicht weil es den Bäckern zu gut ging, sondern weil so – gemeinsam – die Probleme besser gelöst werden konnten. Interessen, die nicht organisiert sind, fallen durch die Maschen des Pluralismus.“

Landeslehrlingswart Helmut Seither gab bekannt, dass 2005 insgesamt 437 Bäcker- und 443 Verkaufslehrlinge in den Betrieben ausgebildet wurden. Es habe bei den Bäckerlehrlingen eine Steigerung um sechs und bei den Verkaufslehrlingen um zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr erreicht werden können. Auch im laufenden Jahr werde „gut ausgebildet“, Seither dankte allen Betrieben, die sich mit Ausbildung befassen.

Hans-Wilhelm Strub erläuterte die Maßnahmen des ZV. Es meinte, es sollte eine Werbung um Nachwuchs durchgeführt werden, ein Konzept dafür müsste allerdings noch zu erarbeiten sein. Damit könne man auch Sympathiewerbung für das Bäcker-Handwerk verbinden. Verbands-Geschäftsführer Helmut Münch ging in seinem Bericht zum Teil auf rechtliche Fragen ein. Die Umsetzung des neuen Gaststätten-Gesetzes, das den Bäckern erweiterte Chancen zur Kundenbedienung bietet, sei fast ohne Probleme vor sich gegangen. Die neuen Leitlinien nach der Lebensmittelhygiene-Verordnung seien auch für die Betriebsüberwachung bindend, hob er hervor und empfahl im Sektor Snacks sich von Vorlieferanten wichtige Daten zur Kennzeichnung geben zu lassen.

Auf individuelle Produkte und stetige Schulung setzen

Josef Bünger hielt einen Vortrag, der mit dem Titel „Existenz- und Markt-Behauptung handwerklicher Bäckereien“ angekündigt war. In seinen Angaben hielt der Referent in polemischer Art und Weise den Betriebsinhabern einen Spiegel vor. Er gab Hinweise darauf, was zu tun und was zu lassen sei, um am Markt bestehen zu können. Dabei kamen Themenbereiche wie Umgang mit Banken, Aktivitäten und Aktionen, Reduzierung des Sortiments, die Diebstahls-Quote, Preis-histerie als Startchance für Discounter sowie Veränderungen des Einkaufs-Verhaltens zur Sprache. So sei die „Happy-Hour“ mit halben Preisen völliger Unsinn, und drei Mal Bio sei zu viel, einmal reiche auch aus. Bünger plädierte für absolute Ehrlichkeit gegenüber den Kunden, es dürften keine „uniformierten“ Backwaren angeboten werden, sondern eigene Entwicklungen. Wer verkaufe, müsse mehr Ahnung von Menschen haben als von der Ware. Der Chef, die Verkäuferinnen sowie andere Mitarbeiter sollten wenigstens einmal im Jahr extern trainiert und motiviert werden.


Artikel vom 20.07.2006
Drucken 

Weitere Nachrichten aus Regional vom 20.07.2006:

Kein neuer OM gefunden
Positive Verbraucherstimmung registriert
Informationen und Anmeldungen: Bäckerinnungsverband Baden, Tel. (0721) 9323220, Fax 9323232, E-Mail: info@biv-baden.de, Konto-Nr.: 20753, BLZ 661900000 Voba Karlsruhe Schulungsort: Badische Bäckerfach
Für gehobene Stimmung gesorgt
Es haben alle bestanden
Brotprüfung begeistert auch Urlauber
Den Umsatz um 7 Prozent gesteigert
Erfolgreich abgeschlossen
Ein spannendes Heimspiel
Neue Fachkräfte hat das Land

Kommentare

Aktuelle Meldungen aus Regional


Abonnenten Bereich



Hilfe




Rezept der Woche

Dinkel-Hirse-Brot
Rezept der Woche Ballaststoffreiches Brot mit langer Frischhaltung mehr ...




ABZ Newsletter

Nutzen Sie als Abonnent kostenlos unseren wöchentlichen Informationsdienst per E-Mail.

Jetzt anmelden!