Sachsen

Starke Familie mit soliden Finanzen

Sächsische Bäcker bestätigen Michael Wippler in seinem Amt als Landesobermeister / Lob für Ausbildungsbeitrag


Dresden (ad). Auf Kontinuität stehen die Zeichen beim Landesinnungsverband Saxonia des Bäckerhandwerks Sachsen. Mit großer Mehrheit wurde Landesobermeister Michael Wippler in seinem Amt bestätigt. Für eine weitere Wahlperiode sind auch die beiden Mitglieder des Geschäftsführenden sowie fünf der sechs Mitglieder des Gesamtvorstandes wiedergewählt worden.

Kontinuität bescheinigt

In seinen Ausführungen während der 15. ordentlichen Jahresmitgliederversammlung unterstrich Landesobermeister Michael Wippler den besonderen Charakter des Landesinnungsverbandes Saxonia. „Ich begrüße die Mitglieder der Bäckerfamilie“, eröffnete er die Veranstaltung und versäumte es in deren weiterem Verlauf auch nicht, auf die Bedeutung des familiären Miteinanders zu verweisen. „Wir sind eine starke Familie mit soliden Finanzen“, stellte Wippler fest. „Und wir haben die Gewissheit, dass es – wenn wir nichts unternehmen – nicht so bleiben wird.“

Der Einladung zur Jahresmitgliederversammlung waren neben den Vertretern der sächsischen Bäckerinnungen auch zahlreiche Gäste aus Handwerk, Politik und Wirtschaft gefolgt. Nur zu gern folgte LOM Michael Wippler der angenehmen Pflicht, zwei Vertretern des Bäckernachwuchses zu ihren Leistungen zu gratulieren. Als Sächsische Landessieger wurden Verkäuferin Doreen Krebs sowie als Bäcker Danilo Streit geehrt.

Frank Liebsch erhielt den Titel des Ehrenobermeisters. Aus gesundheitlichen Gründen konnte er die Auszeichnung nicht selbst entgegen nehmen. LOM Michael Wippler und Vorstandsmitglied Matthias Brade werden die Ehrung demnächst persönlich an Frank Liebsch übergeben, der seit den 70er Jahren im Handwerk aktiv ist.

Goldene Ehrennadel an Wippler

Mit einem Tagesordnungspunkt, von dem der Michael Wippler gar nichts wusste, überraschte Roland Ermer den Landesobermeister. „Ihr schafft es ja beinahe, mich aus dem Tritt zu bringen“, kommentierte dieser die überraschende Auszeichnung mit der Goldenen Ehrennadel des Landesinnungsverbandes. Seine ehrenamtliche Tätigkeit sei ein Geben und Nehmen und mache ihm auch nach vielen Jahren des Engagements noch immer Spaß, sagte Wippler sichtlich gerührt.

Kritische Formulierungen fand Klaus Hottum, Vizepräsident des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks, bei seinem Grußwort an die sächsischen Bäcker. „Unser Erfolg ist die Voraussetzung für alles Soziale. Doch erfolgreiche Unternehmen müssen sich mittlerweile fast schon rechtfertigen“, fasste er seine Eindrücke zusammen. Zudem seien in Deutschland unter dem Kuschelbegriff sozial ökonomische Gesetze ausgehebelt worden. „Ökonomische Gesetze sind Naturgesetze – und wer dagegen verstößt, produziert Katastrophen“, warnte Hottum.

Joachim Dirschka, der Präsident des Sächsischen Handwerkstages, sprach sich für Wettbewerbsbedingungen aus, die den Betrieben die Luft zum Atmen wiedergeben. Für die sächsischen Bäcker war er angesichts einer neunprozentigen Zunahme der Ausbildungsplätze binnen Jahresfrist voll des Lobes. „Das sächsische Bäckerhandwerk realisiert eine Ausbildungsleistung, die sich sehen lassen kann“, betonte er.

Zufrieden vermerkte Dirschka, dass die Meisterbetriebe des sächsischen Bäckerhandwerks die wachsende Gunst der Verbraucher genießen. „Wegen ihres höheren Preises sind die Produkte der Bäcker aber keine Selbstläufer, sondern verlangen täglich den vollen Einsatz des Meisters und seiner Familie.“

In seinem Jahresbericht ging Landesobermeister Michael Wippler auf die Heuschreckendebatte ein, die er als „mit normalem Handwerkerverstand nicht nachvollziehbar“ einschätzte. Angesichts einer Vielzahl neuer Gesetze und Verordnungen – Wippler nannte als Beispiele das Antidiskriminierungsgesetz und die Einstufung von Mehl als Gefahrstoff – kam der LOM zu dem Schluss, das diejenigen, die den Karren aus dem Dreck ziehen sollen, mit immer mehr Vorschriften behindert werden. „Sterbende Gesellschaften häufen Gesetze an wie sterbende Menschen die Heilmittel“, resümierte er.

Trotz dieser finsteren Vision hielt Wippler für seine Meisterkollegen auch positive Aussagen bereit. In der Branche sei nach den Schreckensmeldungen des Jahres 2003, als der Umsatz um zehn Prozent einbrach, eine deutliche Konsolidierung zu bemerken. „Zudem ist die Filialitis vorbei, die Kollegen legen Wert auf inneres Wachstum“, betonte er. „Wer sich intensiv um seinen Betrieb kümmert, ist auch in schwierigem wirtschaftlichen Umfeld nicht erfolglos.“

LIV als Problemlöser

Kommt es zu Problemen, sei der Landesinnungsverband zur Hilfe bereit. „Mit Schule, Bäkos und anderen Partnern zusammen ist der Landesinnungsverband eine starke Organisation“, machte Wippler deutlich. Den anwesenden Meistern stellte er in diesem Zusammenhang Sven Bretschneider vor, der für den LIV seit kurzem als Betriebsberater tätig ist. Bretschneider arbeitet zurzeit an der Erweiterung der Angebote der Betriebsberatung für die Innungsmitglieder. So soll die Möglichkeit zu Testeinkäufen geschaffen werden, um den Umgang des Verlaufspersonals mit den Kunden neutral testen zu können.

Im Zusammenhang mit den Gesellenprüfungen, die im Sommer 2007 erstmals auf Basis der neuen Ausbildungsverordnung abgenommen werden, mahnte LOM Wippler schon jetzt die Nutzung der bundeseinheitlichen Prüfungsaufgaben für ganz Sachsen an. Nur so lasse sich ein einheitliches Prüfungsniveau für ganz Sachsen erreichen, begründete er dieses Engagement.

Gemeinsame Werbung mit mdr

Saxonia-Geschäftsführer Wolfgang Hesse verwies ins seinen Ausführungen während der Jahresmitgliederversammlungen unter anderem auf das große Interesse, dass die in diesem Jahr erneut gemeinsam mit dem Mitteldeutschen Rundfunk (mdr) geplanten Bäckerglückswochen bei den Innungsmitgliedern gefunden haben. „Wir haben die 20 Betriebe, aus denen live gesendet werden wird, bereits gefunden“, sagte Hesse. Er trat zugleich dem Alte-Leute-Image entgegen, welches das Landesprogramm Sachsen des mrd hat. „Die aktuellen Mediaanalysen beweisen, dass wir bei keinem anderen Sender so viele Hörer zu einem so günstigen Preis erreichen könnten.“ Für den Erfolg des Landesinnungsverbandes Saxonia spricht die personelle Kontinuität in der Verbandsführung, für welche die meisten Mitglieder votierten. LOM Michael Wippler wurde mit 83 von 85 möglichen Stimmen in seinem Ehrenamt an der Verbandsspitze bestätigt.

Wiedergewählt wurden auch Roland Ermer und Dietmar Möbius als Stellvertreter des LOM. Dietmar Möbius hatte seine ehrenamtliche Tätigkeit zunächst einstellen wollen, sich aber „für eine letzte Amtsperiode“ bereiterklärt. Als Mitglieder des Geschäftsführenden Innungsvorstandes wurden zudem Lutz Dittes und Gunter Weißbach bestätigt.

Eine personelle Veränderung gab es lediglich bei den sechs Mitgliedern des Innungsvorstandes. Diesem gehören wie bisher Matthias Brade, Jens Hennig, Jens Herzog, Gert Kolbe und Wolfgang Meyer an. Die durch das Ausscheiden Eberhard Rißmanns aus dem Vorstand entstandene Lücke schließt Martina Hübner aus Annaberg-Buchholz. Die Lebensmitteltechnologin ist Geschäftsführende Gesellschafterin der Erzgebirgischen Backwaren GmbH.

Sachsen tagen 2006 in Chemnitz

Die nächste Jahresmitgliederversammlung des LIV Saxonia des Bäckerhandwerks wird 2006 im Regierungsbezirk Chemnitz stattfinden. Das beschlossen die Delegierten des Verbandstages 2005 in Dresden. Der Veranstaltungsort steht noch nicht fest.


Artikel vom 16.06.2005
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