Rheinland-Pfalz

Seit 125 Jahren im Dienst der Mitglieder

Wechselvolle Geschichte der Bäckerinnung Worms / Auch künftig die Branche fördern


Worms (dtp). Die Bäckerinnung Worms hat sich seit 125 Jahren durch alle Schwierigkeiten hindurch als Organisation für den Berufsstand erhalten. Eine Vereinigung, die in wechselvoller Zeit ihre Mitglieder durch alle Fährnisse geführt hat.

Als „Freiwillige Innung“ wurde am 1. Januar 1880 die Bäckerinnung Worms gegründet. Später war es erforderlich, die Freiwilligkeit aufzugeben, ab dem 1. 4. 1899 wurde eine Zwangsinnung daraus. Beschluss und Anwesenheit von Vertretern des Großherzogtum Hessen und der Stadt Worms waren Teil der gesamten Maßnahme. Durch die Regierung wurde ein Gesetz geschaffen, das den deutschen Handwerksstand verbinden sollte und ihm Gelegenheit gebe, durch die jetzt ins Leben gerufenen Handwerkskammern für das Wohl des Gewerbestandes Sorge zu tragen.

In den Jahren 1934/35 wurden auf Grund gesetzlicher Vorgaben die freien und Zwangsinnungen in Pflicht-inungen umgewandelt. Sie bildeten die Grundlagen der damaligen neuen Handwerksorganisation.

Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges 1939 hat auch das Innungsleben Einschnitte erfahren. In der Bombennacht vom 20. zum 21. Februar 1945 wurde das Haus der Bäckerinnung an der Krämer-Straße restlos zerstört. Eine Notunterkunft fand die Innung im ruhenden Betrieb eines Kollegen und wurde zuerst kommissarisch geleitet. Anno 1946 wurde Willi Kunkel Obermeister. Hinderlich waren hier Schwierigkeiten bei der Mehl- und Brennstoffversorgung sowie ungerechte Hefeverteilung durch die französische Militärregierung. Sie machten Leben und Betriebsführung nicht leichter, Verstöße gegen Verordnungen wurden mit schweren Strafen belegt.

Sehr problematisch geworden war die Nachwuchsfrage. Ausbildung konnte nur in einfachster Form geboten werden weil das zur Verfügung stehend Rohmaterial nur einfachste Backformen zuließ. Die verfügbaren Jugendlichen hatten mangelhafte Schulbildung und mit ihrem Arbeits- und Leistungswillen war es auch schlecht bestellt.

Ein einschneidendes Ereignis war die Währungsreform 1948. Erst ab dem Jahr 1949 ging es in den Bäckereien wieder leicht aufwärts. Gleichzeitig stieg die Zahl backender Betriebe mit ständiger Erhöhung der Technisierung. So gab es im April 1947 im Bereich der Innung Stadt und Land Worms 136, im April 1949 sogar 179 backende Betriebe. Bei einem Rückgang des Brotverzehrs um 30 Prozent war damit der Innungsbezirk überbesetzt. Im Bundes-Gebiet kamen damals 860 Einwohner auf eine Bäckerei, im Gebiet Worms waren es vergleichsweise nur 500 Einwohner.

Da Brotfabriken zunehmend auf den Markt drängten, waren Rationalisierung und Technisierung im Bäcker-handwerk notwendig. Nicht nur um konkurrenzfähig zu bleiben. Auch die Abwanderung von Gesellen aus dem Beruf wurde ständig größer und der Neuzugang an Lehrlingen war rückläufig.

Neben dem harten Existenzkampf vergaß die Innung die Pflege der Geselligkeit nicht.

In den folgenden Jahren waren keine besonderen Ereignisse zu verzeichnen. Die schon gewohnten Schwierigkeiten und Probleme mit den Schwerpunkten Brot- und Mehlpreise, Lohnerhöhungen sowie sonstige Personalfragen haben die Tätigkeit der Innung bestimmt. Als ein Zeichen von Kontinuität sieht man in der Innung, dass seit 1946 bis jetzt lediglich drei Obermeister im Amt und die Führung der Geschäfte von der Gründung an immer in eigener Regie lag. OM Willi Kunkel stand von 1946 bis 1963 an der Spitze, ihm folgten Willi Spieß bis 1989 und Otto Keller aktuell. Auch die Geschäftsführung der Innung war im Zeitraum ab 1946 mit nur drei Geschäftsführern besetzt. Seit 1990 ist es der Betriebswirt HWL Peter Putz.

Die Aktivitäten unter dem relativ jungen Vorstand samt Obermeister berücksichtigen nicht allein die beruflichen Belange der Bäcker und die gesellige Seite. Verstärkt wurde die Image-Werbung für die Bäcker und den Beruf des Bäckers in der Region.

Was die Zukunft dem Bäckerhandwerk noch bringen wird ist nicht vorher zu sehen. Der Vorstand ist jedoch darum bemüht, mit seinen Aktivitäten den Berufsstand zu fördern und hoch zu halten, die Qualität der individuellen Produktion zu steigern und den im Beruf tätigen Mitarbeitern Zufriedenheit zu geben. Das wird auch als Auftrag der Innung verstanden. So will die Bäckerinnung Worms, die im Ablauf ihrer Geschichte viel Lebenskraft zeigte, weiter hin tätig sein.


Artikel vom 15.09.2005
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