Baden & Württemberg

Regelrecht zum Wachstum verdammt

Bäkos Südwürttemberg und Ulm-Oberschwaben fusionieren / 17 Prozent Dividende


Reutlingen (rgb). „Wir sind für den Fortbestand des Unternehmens zum Wachstum verdammt“, stellte Winfried Wiedmann, Direktor der Bäko Südwürttemberg anlässlich der Generalversammlung fest. Dieses Wachstum sei nur durch Fusion erreichbar. Im letzten Jahre stimmten die Mitglieder der Fusion mit der Bäko Zollern-Alb zu, in diesem Jahr gaben sie der Fusion mit der Bäko Ulm-Oberschwaben mit Niederlassungen in Ravensburg und Ulm ihr Plazet. Aber nicht zwei kränkelnde Unternehmen fusionierten miteinander, sondern es handele sich laut Wiedmann um zwei wirtschaftlich gesunde Unternehmen. Durch die Fusion entsteht ein geschlossenes Verkaufsgebiet von Reutlingen bis zum Bodensee, von Ulm bis Villingen-Schwenningen.

„Die Verschmelzung mit der Bäko Ulm-Oberschwaben ist somit eine Maßnahme, sich gemeinsam im Markt zu behaupten und sich gemeinsam weiterentwickeln zu können.“ Bei einer Dividende von 17 Prozent scheint die Bäko Südwürttemberg sehr gesund zu sein. Es wurden die Planwerte und Zielvorgaben mit einem Umsatz von 38 Millionen Euro erreicht, und Wiedmann zeigte sich mit der gesamten Umsatzentwicklung zufrieden, aber „in dem angestammten Genossenschaftsgebiet mit stark rückläufigen Betriebszahlen und zunehmender Ertragsschwäche der Mitgliedsbetriebe ist es eine Illusion, die erreichte Umsatzgröße halten zu können.“ Unter Berücksichtigung der Vorjahresumsätze der Bäko Zollern-Alb eG errechnet sich jedoch ein leichter Umsatzrückgang von 0,9 Prozent. Bei den württembergischen Bäko Genossenschaften bewegte sich der Umsatzrückgang zwischen eins und drei Prozent. Die Grenzen des Marktes lassen auch kein Umsatz- und Ertragswachstum auf den angestammten Märkten zu, weil:

– die regionalen Märkte für die Bäkos schrumpfen (jährlich 3 bis 5 Prozent), – verstärkter Wettbewerb sich zunehmend auf die Erträge auswirken wird, – Umsatzrisiken durch Insolvenzen Liquiditätsengpässe und Zahlungsverzug der Kunden steigen,

– sinnvolle Marktpotenziale ausgeschöpft sind und eine Umsatzausweitung nur mit Dumpingpreisen und hohen Risiken möglich ist,

– längerfristig, nachhaltige Kostenreduzierung nicht mehr machbar ist,

– das z. Zt. noch vorhandenen Potenzial von ca. 100.000 Euro in den nächsten Jahren durch steigende Logistikkosten, Gebühren, Versicherungen, Personalkosten kompensiert wird.

Als Ziel für 2006 habe man sich zwar vorgenommen, die letztjährigen Ergebnisse zu erreichen, „aber auf Basis des Zahlenmaterials und dem Kenntnisstand der ersten fünf Monate des laufenden Geschäftsjahres müssen wir von rückläufigen Umsätzen ausgehen“, fuhr Wiedmann in seinem Rechenschaftsbericht fort.

Die Bäko Ulm-Oberschwaben hat für 2004 5,9 Mio. Euro als Bilanzsumme ausgewiesen und ein Ergebnis vor Steuern und Warenrückvergütung in Höhe von 0,234 Mio. Euro erwirtschaftet.

Die Bäko Südwürttemberg weist eine Bilanzsumme von 10,5 Mio. Euro aus und 457.000 Euro als Ergebnis vor Steuern und Warenrückvergütung. Der Bilanzgewinn beträgt 0,240 Mio. Euro (2003 0,159 Mio. Euro), von denen 14.000 in die gesetzliche Rücklage und 58.000 Euro in die betriebliche Rücklage eingestellt werden. 117.000 werden als Dividende ausgeschüttet und 50.000 als Vortrag auf neue Rechnung übernommen.

Neben der bereits erfolgten Bonuszahlung mit netto 593.000 Euro (2003 518.000 Euro) und der Warenrückvergütung mit 134.000 Euro (2003 90.000 Euro) und der Dividende in Höhe von 118.000 Euro (2003 61.000 Euro) fließen den Mitgliedern der Genossenschaft 845.000 Euro zu. Wiedmann: „Gegenüber dem Vorjahr haben sich damit die Ausschüttungen um 176.000 Euro, bzw. 26 Prozent, erhöht.“ Der Genossenschaft gehören 350 Mitglieder an, davon sind 281 aktive Bäcker. Die Versammlung beschloss die Erhöhung des Geschäftsanteils von 2.000 auf 2.500 Euro. Die Eigenkapitalquote erreichte 41,5 Prozent.

Eine Steigerung um 2,6 Prozent auf 24,2 Mio. Euro erzielte die Bäko Südwürttemberg im Handel mit Rohstoffen, also in ihrem Kerngeschäft. Auch die Entwicklung im Frischebereich Molkereiprodukte/Obst war mit 3,1 Mio. Euro zufrieden stellend, aber der Bereich Handelswaren bleib dagegen ein Sorgenkind.

Insbesondere bei Süßwaren mit einem Minus von 226.000 Euro war mit 14,2 Prozent ein starker Rückgang zu verzeichnen. Ebenso zeigte sich das Maschinengeschäft, insbesondere der Bereich Großanlagen, schwach. Wiedmann: „Mit einem Umsatz von knapp drei Mio. Euro haben wir zwar die Vorjahresgröße erreicht, liegen jedoch 25 Prozent unter dem Spitzenwert der Jahre 2000 und 2001.“

Die Mitgliederversammlung erteilte sowohl dem Vorstand als auch dem Aufsichtsrat ohne Gegenstimmen Entlastung. Wolfgang Beller, Mengen, Heinz Gaub, Münsingen, und Axel Schneck, Tübingen, wurden als Aufsichtsräte wiedergewählt, während Gottfried Gehr, Tübingen, aus Altersgründen ausschied.

Aus der Bäko Ulm-Oberschwaben wurden in den Aufsichtsrat Georg Heim, Kurt Wiedenmeyer, Herbert Bader, Karl-Josef Schumacher, Tobias Metzler und Raimund Meindel entsandt.


Artikel vom 22.06.2005
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