Regional

Positionierung statt Preisschlacht

LIM Heribert Kamm auf dem Bäcker-Kongress des Verbandes Westfalen-Lippe: Qualifizierung und Alleinstellung bieten Perspektive


Nordrhein-WestfalenWerl (rh). In Zeiten, in denen viele Wirtschaftsbosse von Krisen reden, sieht der Landesinnungsmeister des westfälisch-lippischen Bäckerinnungsverbandes gute Perspektiven für die eigene Branche. Heribert Kamm drückte dies zum Auftakt des Westfälischen Bäcker-Kongresses in Werl aus. Viele gute Ansätze seien bereits vorhanden. So gehe es beispielsweise in der Bäckerfachschule um die Qualifizierung und damit um eine der wichtigsten Aufgaben für den Bestand des Bäckerhandwerks. Zwei Meisterkurse in diesem Jahr seien voll ausgebucht gewesen, von 40 möglichen Plätzen sind bereits die ersten 26 für 2010 belegt. Weiterhin sieht er es als besonders positiv an, dass im letzten Jahr 2500 Auszubildende in Olpe im Rahmen der betrieblichen Unterweisung unterrichtet wurden.

Sein Appell an die Mitglieder des Verbandes lautete daher: „Es wäre Augenwischerei, alle Missstände auf die Politik zu schieben; das ist zu einfach!“ Eigenes Engagement sei dagegen gefragt wie nie zuvor. Er sieht die Verpflichtung, selbst dazu beizutragen, etwas zu ändern. „Backen wir das Richtige und das, was der Markt braucht?“, stellte er in den Raum. Daher sieht er es als besonders wichtig an, ab und zu das Sortiment unter die Lupe zu nehmen und auszubauen oder zu bereinigen. Auch wies er auf das Beratungsangebot des Verbandes hin. Wer bereit sei, dieses anzunehmen, habe riesige Vorteile davon. Das Geheimnis des Erfolges liege jedoch darin, die Betriebsberater anzufordern, wenn der Betrieb noch gut laufe und nicht etwa, wenn das Wasser bereits bis zum Hals stehe.

Gerade in diesem Jahr zeigen die aktuellen Zahlen gute Perspektiven für die handwerklichen Bäcker. Ein Umsatzwachs von vier Prozent sei keine Seltenheit. Angesichts sinkender Rohstoffpreise könne man auf gute Erlöse hoffen.

Preisnachlass ist keine Lösung

Diese positiven Vorzeichen müssten jedoch auch richtig umgesetzt werden, appellierte er an die Kollegen. Es dürfe nicht dazu führen, sich zu Preisnachlässen verleiten zu lassen oder mit den Preisen für Bestseller herunter zu gehen. Jetzt sei es wichtig, das Betriebsergebnis zu steigern und das Eigenkapital zu bilden. Wider Erwarten habe die allgemeine Wirtschaftskrise nicht zu einer Umsatzsteigerung bei den Discountern geführt, so Kamm. Dies zeigt seiner Ansicht nach, dass der Preis nicht das allein relevante Kriterium für den Erfolg ist. „Der Kunde erkennt den fairen Gegenwert“, erläuterte er. Qualität, so seine Definition, sei nun einmal, wenn der Kunde mit einem guten Gefühl das Geschäft verlasse. Und anschließend auch wiederkomme.

Die Kompetenz gut zu backen, müsse ergänzt werden durch Beratung und persönliche Bedienung. Allerdings neigten viele Bäcker dazu, Investitionen in Sachwerten ohne weiteres zu tätigen, aber die Investition in Schulung und Weiterbildung zu vernachlässigen. Hier herrsche Nachholbedarf, so der Landesinnungsmeister.

Wie man eine Marke im Bäckerhandwerk schaffen kann und sich von anderen abgrenzen, stellte Steffen Grabe dar. Der Bäckermeister, Verkaufscoach und Verkaufsleiter der Heidebäckerei Meyer machte deutlich, wie eine strategische Ausrichtung gefunden und konsequent umgesetzt werden kann. Sein Credo: „Der günstige Preis als Verkaufsargument hat ausgedient!“ Wichtig sei es, eine Alleinstellung beim Sortiment, Preis und den Mitarbeitern zu erringen. Wer seinen Betrieb zur Marke machen wolle, müsse authentisch und glaubhaft sein.


Artikel vom 16.10.2009
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