Baden-Württemberg
Nichts Neues in Sachen Hygiene-Praxis
Referat auf der Versammlung der Bäckerinnung Sigmaringen zur Lebensmittel-VO
Sigmaringen (gt). Rückblick auf ein ereignisreiches Jahr mit zahlreichen Aktivitäten hielt die Bäckerinnung Sigmaringen bei ihrer Jahreshauptversammlung im Soldatenheim „Haus am Riedbaum“ in Sigmaringen. Im Mittelpunkt der Versammlung stand ein brandaktuelles Referat des Diplom-Oecotrophologen Heino Scharfscheer vom Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks über die neue EU-Lebensmittel-Hygiene-Verordnung (EU-LMHV). Der Technische Berater vom Zentralverband stellte der Versammlung noch einmal die „Leitlinie für eine gute Lebensmittel-Hygiene-Praxis“ vor und brachte dabei klar und deutlich zum Ausdruck: „Wer sich bisher daran gehalten hat, ist schon auf der sicheren Seite, weil die neue Verordnung der EU nichts wesentlich Neues enthält“. Zugleich erinnerte er noch einmal an die EU-Hygiene-Richtlinie von 1997, die seinerzeit in den Ländern in eine Hygiene-Verordnung umgesetzt wurde. Doch dann habe sich die EU für eine eigene Verordnung entschieden, die in allen Mitgliedsstaaten 1:1 umgesetzt werden musste. Die seit der Veröffentlichung der Leitlinien im Jahr 2000 eingeführte Dokumentationspflicht sei nichts Neues. „Dies bedeute heute, es gibt überall den gleichen Verordnungstext“, so Heino Scharfscheer. Diese Verordnung habe inhaltlich nichts Neues gebracht und sei lediglich anders gegliedert. Weiterhin habe man die Leitlinien. Um ihre Anwendbarkeit zu erleichtern, habe man beim Zentralverband eine redaktionelle Anpassung erarbeitet, damit die Betriebe damit umgehen und arbeiten können. Zum Inhalt der redaktionell überarbeiteten Leitlinie gehöre die neue EU-LMHV, der Veordnungstext, Hinweise und Erläuterungen zur Umsetzung der EU-LMHV im Bäcker- und Konditorenhandwerk, die Betriebshygiene (Produkt- und Produktionshygiene, Personalhygiene, Arbeitsblätter zur Gewährleistung einer guten Lebensmittel-Hygiene-Praxis) und die Mitarbeiter-Hygieneschulung gemäß Anhang II Kapitel XII der EU-LMHV. Dem Referat von Heino Scharfscheer schloss sich noch eine sehr lebhaft geführte Diskussion an. Dabei kam auch das Problem zur Sprache, dass der Betriebsinhaber nach wie vor grundsätzlich für alle Verstöße seiner Mitarbeiter hafte. Dies gelte auch dann, wenn beispielsweise Mitarbeiter in größeren Betrieben ausdrücklich für einen bestimmten Bereich (Sauberkeit) verantwortlich seien und dies durch einen entsprechenden Aushang im Betrieb dokumentiert werde. Scharfscheer berichtete darüber hinaus aus eigener Erfahrung, wonach er in einer Bäckerei im Ladengeschäft um die Benützung der Toilette gebeten habe. Die Verkäuferin habe dies konsequent mit dem Hinweis abgelehnt, sie habe einmal 20 Mark dafür berappen müssen, dass sie einen Schüler erlaubt habe, die Personal-Toilette zu benutzen. Heino Scharfscheer schloss seine Ausführungen mit dem Hinweis: „Die hat nur nicht gewusst, dass „Sie“ das gar nicht hätte bezahlen müssen“. Starke Beachtung fand der Bericht von OM Julius Neher über die Zwischen- und Gesellenprüfungen im vergangenen Jahr. Das Ergebnis sei recht zufrieden stellend gewesen, die Spitze sei zwar nicht mehr so stark, aber der Durchschnitt sei besser geworden. Ein voller Erfolg sei die PfundsFit-Aktion in Zusammenarbeit mit der AOK Sigmaringen gewesen. Zum Auftakt der Aktion habe man in den 6 AOK-Kunden-Centern den Besuchern Proben zum Verkosten gereicht. Den Lehrerbericht erstattete der Theorie-Lehrer Ulrich Baderschneider von der Gewerblichen Schule Sigmaringen, wo derzeit 63 Auszubildende im Bäckerhandwerk und 59 zukünftige Bäckerei-Fachverkäuferinnen ihre Berufsausbildung erhalten. Zugleich gab der Pädagoge bekannt, dass die Zwischenprüfungen am 20., 21. und 22. Juni 2006 stattfinden. Die Sommergesellenprüfung mit 18 Teilnehmern finde am 11., 12. und 13. Juli 2006 statt. Die von Geschäftsführer Karl Griener vorgelegte Jahresrechnung 2005 fand die ungeteilte Zustimmung der Versammlung. Die von ihm beantragte Entlastung erfolgte einstimmig per Akklamation. Grünes Licht erhielt auch der von GF Karl Griener vorgelegte Haushaltsplan 2006 mit Einnahmen und Ausgaben in Höhe von jeweils 20.000 Euro. Die Innung hat derzeit 23 Mitgliedsbetriebe. Der Innungsbeitrag bleibt unverändert.
Artikel vom 10.04.2006
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