Sachsen

Natalie schwingt das Stollenmesser

12. Dresdner Stollenfest mit Stollenprüfung belegte hohe Qualität der Spezialitäten


Dresden (ps). Es ist vollbracht: Der größte Christstollen der Welt ist pünktlich fertig geworden und ist natürlich auch in diesem Jahr in Dresden zu bewundern. Beim traditionellen Stollenfestumzug durch die Dresdner Altstadt im Rahmen des 12. Stollenfestes am 3. Dezember wird der aus 340 Teilstücken bestehende süße Gigant der Öffentlichkeit vorgestellt und auf dem traditionellen Striezelmarkt bis auf den letzten Krümel verkauft. Zum Umzug und Stollenanschnitt, wo wiederum Zehntausende Besucher erwartet werden, geben sich auch August der Starke und Gräfin Cosel die Ehre.

In den Wochen zuvor glühten in mehr als fünf Dutzend handwerklichen Bäckereien der sächsischen Landeshauptstadt nahezu die Öfen: In den Backstuben wurden für das leckere Kunstwerk insgesamt rund 1,3 Tonnen Mehl, 1.200 Kilogramm Butter und 280 Kilogram m Zucker verknetet und zum leckeren Naschwerk verbacken. „Doch nicht jeder Bäckermeister durfte einfach so mitmachen“, betont Hans-Jürgen Matzker, Obermeister der Bäckerinnung Dresden und zugleich Chef des Schutzverbandes Dresdner Stollen. „Bei insgesamt zehn Prüfungen, bei denen die Stollenkreationen aus den 150 Mitgliedsbetrieben des Verbandes bewertet wurden, haben erfahrene Handwerksmeister und Lebensmitteltechniker die Stollen begutachtet und dabei vor allem deren innere und äußere Beschaffenheit sowie ihren Geruch und Geschmack begutachtet.“ Nur die sehr guten und guten Exemplare bekamen das begehrte Qualitätssiegel und ihre Produzenten eine individuelle Kontrollnummer. An diesen charakteristischen Symbolen erkennt der Verbraucher in der Vorweihnachtszeit den weltberühmten Dresdner Stollen, der in diesen Wochen an vielen Kaffeetafeln als besondere Köstlichkeit zu finden ist. Nur jene Betriebe, denen ein solches Qualitätssiegel zuerkannt worden war, durften am Riesenstollen mitwirken.

Bei der öffentlichen Stollenprüfung in der Filiale der Sparkasse Dresden am Altmarkt der sächsischen Landeshauptstadt präsentierten Obermeister Matzker und sein Stellvertreter Harald Hinkel der interessierten Öffentlichkeit auch den „Stollen-Zacharias“, den die Bäckerinnung während der Fachmesse „Südback“ in Stuttgart für eine besonders aktive Marketing-Kampagne in der Stollensaison 2004 verliehen bekam. „Dieser Preis stellt für uns alle natürlich eine besondere Verpflichtung dar, gerade in diesem Jahr die Stollenqualität besonders hoch zu halten“, bekräftigte Hans-Jürgen Matzker. „Denn nur eine gute und bessere Stollenqualität, die wir in handwerklicher Arbeit in den Backstuben herstellen, können wir auch gut präsentieren und vermarkten.“

Dennoch werde es auch in diesem Jahr keinen einzigen Stollen geben, der die Höchstpunktzahl 20 erhalten kann, stellte der erfahrene Bäckermeister und Jurychef Siegfried Heller sachlich-nüchtern fest. „Die Geschmäcker sind nun einmal verschieden, und somit ist es kaum vorstellbar, dass ein Stollen den Geschmack aller vier Juroren, die die Proben begutachten, gleich gut treffen kann. Deshalb kann es niemals einen solchen absoluten Super-Stollen geben.“ Nur jene Stollen, die mindestens 16 Punkte erzielen, dürfen das begehrte Gütesiegel tragen und sich Dresdner Christstollen nennen. „Das heißt jedoch nicht, dass ein Weihnachtsstollen mit ‚nur’ 15 Punkten nicht schmecken würde“, ergänzte Jurorin Sylke Ziller, im „Hauptberuf“ Lebensmitteltechnikerin in der Dresdner Mühlen GmbH. „Doch gerade bei unseren Dresdner Stollen legen wir besonders hohe Maßstäbe an.

Ihre Feuertaufe bei der öffentlichen Stollenprüfung musste auch Natalie Liwadnich bestehen: Die angehende Bäckerei-Fachverkäuferin aus der Bäckerei Tilo Graf in Freital bei Dresden wurde erst wenige Tage zuvor unter mehreren Bewerberinnen als Dresdner Stollenmädchen des Jahres 2005 gekürt. „Es ist toll, die Traditionen des Dresdner Christstollens, die sich nachweislich bis in das Jahr 1400 zurückverfolgen lassen, fortführen und einen kleinen Beitrag zum Gelingen des diesjährigen Stollenfestes leisten zu können“, meinte die junge Frau und wandte sich ihren Berufsschulkollegen zu, die im Rahmen einer Exkursion das Treiben bei der öffentlichen Stollenprüfung betrachteten und natürlich auch einzelne Proben verkosteten.

Eine besondere Ehre wird es für die angehende Verkäuferin im 3. Lehrjahr sein, am Sonnabend vor dem 2. Advent den Riesenstollen auf dem Striezelmarkt vor den Augen Zehntausender Besucher und der Weltöffentlichkeit anzuschneiden. Die größte Hürde wird für Natalie vermutlich das überdimensionale und mehrere Kilogramm schwere Stollenmesser darstellen, das das Stollenmädchen 2005 möglichst grazil schwingen will.


Artikel vom 01.12.2005
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