Hessen

Miteinander kommt man besser voran

Bruder Paulus liest den Kollegen der Bäckerinnung Untermain die Leviten


Heusenstamm (dtp). Kurzer Rückblick auf das fast abgelaufene Jahr, Ehrungen und ein ganz spezieller Vortrag bestimmten den Verlauf des offiziellen Teiles der Herbstversammlung der Bäckerinnung Untermain.

„Die gemeinsame Herbstversammlung hat gute Tradition und sie findet heute erstmals in der fusionierten Form statt,“ sagte Obermeister Wolfgang Schäfer nach der Begrüßung. Er hoffe, dass seit der Fusion zu Anfang des Jahres 2006 für die Betriebe keine großen Veränderungen eingetreten sind. Gut präsent, Mitglieder mit aktuellen Informationen versorgend und wie bei der Brotprüfung sowie ähnlichen Aktivitäten vor Ort mithelfend, habe sich die Geschäftsführung in Königstein bewährt.

Zum Thema Cumarin im Zimt, siehe auch ABZ-Titelbeitrag vom 21. 10. 06, empfahl OM Schäfer den Kollegen eventuelle Anfragen regionaler Medien an den BIV Hessen oder ihn persönlich zur Beantwortung und Erläuterung weiter zu leiten.

Nachfragen bei Veterinärämtern haben bis jetzt zu keinen greifbaren Ergebnissen geführt. Sobald klare Richtlinien vorhanden sind, werden die Betriebe umgehend informiert.

Geschäftsführer Alexander Kraus von der Bäko Untermain sagte, die Genossenschaft bemühe sich darum, nur den – allerdings teureren – Ceylon-Zimt zu erhalten. Derzeit könne zwar der Gehalt von Cumarin je Kilo Zimt genannt werden, doch es gebe bis jetzt keine genaueren Richtlinien und letztlich hänge ja die Menge im Gebäck vom Rezeptanteil ab.

OM Schäfer würdigte den ehrenamtlichen Einsatz von Adam Heinz, der als Bäckerrentner seit vielen Jahren zusammen mit seiner Frau die Innungsarbeit unterstützt. Er wurde zum Ehrenmitglied der Innung ernannt, seine Frau Ilse erhielt einen Blumenstrauß.

Den Goldenen Meisterbrief überreichte Schäfer dem Kollegen Heinz Kimmel. Der sich, obwohl im Ruhestand, noch häufig als Bäckermeister am altdeutschen, von vorn beheizten Ofen in der Abtei zu Seligenstadt betätigt. Dort backt er Brot nach überliefertem Rezept und verkauft es an Touristen (siehe auch ABZ vom 17.10.2003).

„Billig macht hungrig“

OM Wolfgang Schäfer stellte den Kapuziner Paulus Terwitte als „Manager im Namen des Herrn“ vor. Er ist regelmäßig im Fernsehen zu sehen (N24 und SAT 1), im Radio zu hören (HR) und seit Jahren Kolumnist der (Bild-)Zeitung. In der Einladung war über ihn zu lesen: „Er nimmt kein Blatt vor den Mund, kritisiert Missstände, nimmt Partei für die Schwachen und legt sich mit Banken an.“

Sein Thema für den Abend lautete „Billig macht hungrig. Über den Geiz, und wie wir anders leben können.“ Von sich selber meinte Bruder Paulus, er kenne keine Probleme, nur Herausforderungen.

Ständig zwischen den Reihen in Bewegung beschrieb er Geiz als die Krankheit, vieles haben zu wollen, um in den Augen der anderen als „richtiger Mensch“ zu gelten. Früher sei man eine Stunde lang in die Kirche gegangen, heute gehe man vier Stunden ins Fitness-Studio. Viel zu oft drehe sich alles um den „Event“ und nicht um die Ware, sagte er mit Blick auf laufende Sonderangebote. Bei der Sucht, immer alles haben zu müssen, mache billig hungrig – doch man werde nie satt davon. Weil die Gesellschaft alles zu Götzen mache, werde alles schlimmer und schlechter. „Wer billig einkauft, wird selber billig,“ machte Bruder Paulus deutlich. Er verurteilte den sich breit machenden Egoismus.

Die Gemeinschaft der Innung zeige aber, dass man glaube, miteinander besser voran zu kommen und den Kollegen nicht als Gegner sehe.


Artikel vom 02.11.2006
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