Sachsen

Mit durchaus beachtlicher Werbewirkung

Leipziger Brotprüfung mit „Weiterbildung“ für Zeitungsschreiberin


Leipzig (ad). Ein wenig könnte sich Brotprüfer Michael Isensee manchmal wie die griechische Sagengestalt Sisyphus vorkommen. Kaum hat er ein Brot der Prüfung auf Farbe, Form, Elastizität sowie Duft geprüft und auch einem abschließenden Geschmackstest unterzogen, liegt prompt der nächste Laib vor ihm, der der Begutachtung harrt. Bei der Brotprüfung der Bäckerinnung Leipzig umfasste die Parade der zu untersuchenden Brote immerhin 47 Kandidaten. Hinzu kamen zehn Brötchensorten, die es ebenfalls zu prüfen galt.

Für Michael Isensee war das ein stattliches Tagesprogramm. Dabei hatte er noch Glück, denn schließlich hatten „nur“ 13 Meister aus der 60 Mitglieder umfassenden Innung ihre Brote zur Prüfung eingereicht. Da er mit steigendem Interesse rechnet, hat Obermeister Jens Herzog für die Prüfung im kommenden Jahr sicherheitshalber schon zwei Tage eingeplant.

Die Bandbreite der von den Betrieben aus Leipzig und Umgebung zur Prüfung vorgelegten Brote ließ eine große Vielfalt der Rezepturen und Verarbeitungen erkennen. Angefangen bei Klassikern wie dem Misch- oder Malfabrot reichte die Palette bis hin zu Zwiebel-, Sauerkraut- und Gemüsebroten. Mit von der Partie waren außerdem Neuentwicklungen wie das Herbstbrot, für das sich Obermeister Jens Herzog eine Einschätzung des Prüfers holen wollte. Erstmals bei der Prüfung dabei war die Bäckerei Wendl, die mit dem Roggenbrot „Roggstar“ und dem zu Ehren der aus Leipzig stammenden Deutschen Handballmeisterinnen kreierten „Meisterstück“ antrat.

Zwar wurde die Brotprüfung im stillen Kämmerlein der Kreishandwerkerschaft durchgeführt, doch erfreute sie sich eines beachtlichen Medieninteresses. Zwei Kamerateams wetteiferten um die originellsten Bilder und O-Töne, eine Lokalzeitung hatte Redakteurin und Fotograf geschickt, um am kommenden Tag an prominenter Stelle über die Prüfung zu berichten. Obermeister Jens Herzog erläuterte den Medienvertretern geduldig Sinn und Zweck der Prüfung. „Zum einen haben die Urkunden im Geschäft natürlich eine beachtliche Werbewirkung, zum anderen gibt uns das Urteil des Prüfers auch wichtige Anhaltspunkte, wo im Herstellungsprozess Verbesserungen möglich sind“, erklärte er. Gerald Hofmann, stellvertretender Obermeister der Innung, nutzte die Gelegenheit, um der neugierigen Redakteurin eine Portion Grundwissen in punkto handwerklicher Bäckerei zu vermitteln.

Erst am Nachmittag präsentierte er dem Vorstand der Bäckerinnung Leipzig sein Prüfungsergebnis. Immerhin elf der 47 vorgelegten Brotproben erhielten die Bewertung „sehr gut“, für 19 weitere gab es das Prädikat „gut“.


Artikel vom 30.11.2006
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