Schleswig-Holstein

Mit bedenklich hoher Durchfallquote

Freisprechung der Bäckerinnung Holstein: 7 Bäcker und 19 Verkäuferinnen bestanden


Kiel (uho). Die Bäckerinnung Holstein hat weder Arbeit noch Kosten gescheut, um den Prüflingen aus Kiel eine würdige Entlassungsfeier zu spendieren. Petrus beteiligte sich daran mit viel Sonne und verlieh dem historische Drathenhof in Kiel-Molfsee einen angemessenen Rahmen.

Für sieben Bäckergesellen und 17 Fachverkäuferinnen gilt ab sofort kein Auszubildendenschutz mehr – sie müssen jetzt ran an die Arbeit. Der Kieler Bäckerchor von 1887 ist mit Verstärkung angetreten, um den jungen Menschen deutsches Liedgut mit auf den Weg zu geben.

Die folgende Multi-Media-Show war dann schon mehr für den Geschmack der Junggesellen und Fachverkäuferinnen. Die Lehrer der Berufsschule Kiel hatten den dreijährigen Werdegang ihrer Schützlinge fotografisch dokumentiert und mit musikalischer Untermalung auf CD-ROM gepresst. Auch als Geschenk für ihre ehemaligen Schüler. Ein nettes Andenken.

Obermeister Gustav Baumgarten setzte noch einen drauf und überreichte jedem noch einen Sekt im Seidl und ein Stück Backwerk, das es so nicht zu kaufen gibt.

Nicht alle haben die diesjährige Prüfung bestanden. Eine bittere Wahrheit, die aber nicht unter den Tisch fallen darf. Schließlich war während der gesamten Freisprechung die „Lade“ geöffnet – und dann darf – wie jeder weiß – nur noch die Wahrheit gesprochen werden.

Und die sieht in Zahlen wie folgt aus: Von den Bäckern sind fünf von 12 durchgefallen. Das sind knapp 42 Prozent. Bei den Fachverkäuferinnen sind von 27 Prüflingen acht durchgefallen und zwei nicht angetreten. Das ergibt eine Quote von 37 Prozent.

Bäckermeister Thomas Leefen, Stellvertreter des Obermeisters, sieht diese Zahlen eher unbekümmert:

„Die Durchfallrate ist in diesem Jahr schon hoch. Ich sehe das aber als Ausnahme. Das hatten wir im letzten Jahr nicht, und das werden wir im nächsten Jahr auch nicht mehr haben. Normalerweise fallen im Schnitt bei den Kielern ein bis zwei Prüflinge durch – genau so, wie woanders auch.“ Das relativ schlechte Ergebnis würde auch nicht an der Ausbildung selbst liegen: „Die Ausbilder im Betrieb und in der Schule machen alles richtig – da sehe ich keinen Handlungsbedarf. Der Ausbildungsplan ist auch nicht zu schwierig gestaltet – wenn überhaupt, dann müssten die Lehrlinge mal bei sich selbst nachfragen – ob die Leistung reicht, die sie bringen.“

So ganz tatenlos blieb die Bäckerinnung Holstein dann aber doch nicht und zog die Motivationsspritze auf. Zum ersten Mal in der Innungsgeschichte wurde während der Freisprechung auch ein Zwischenprüfungsbester geehrt. Nicht nur mit einer Urkunde, auch mit einem Scheck über 100 Euro.

Die frisch gebackenen Bäckergesellen: Jessica Horl Bäckerei Hitze; Jan Langfeldt, Bäckerei Halver; Christian Köpke, Bäckerei Koll; Alexander Lindenau, Bäckerei Rönnau; Thomas Perez Sanchez, Bäckerei Lyck; Musab Güngör, Bäckerei Reesdorfer Hof; Marco Bebensee, Bäckerei Steiskal.


Artikel vom 23.09.2005
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