Delegiertentagung des Bäcker- und Konditorenverbands Berlin-Brandenburg

Mit Premiumqualität und Service in die Zukunft

Erstmals seit Jahren wieder eine positive Umsatzentwicklung / Mitgliederschwund vorerst gestoppt / Über den eigenen Bedarf hinaus ausbilden


Berlin (schl). Zu ihrer jährlichen Versammlung trafen sich die Delegierten des Bäcker- und Konditoren-Landesverbandes Berlin und Brandenburg im Hotel Best Western Steglitz International. Landesinnungsmeister Hans-Joachim Blauert freute sich über das rege Interesse an der Tagung und begrüßte zu Veranstaltungsauftakt auch die Ehrengäste, darunter den Landesobermeister des Landesinnungsverbandes Saxonia, Michael Wippler und Matthias Wiemers vom Zentralverband.

Der stellv. Stadtbezirksbürgermeister von Steglitz-Zehlendorf, Uwe Stäglien, betonte in seiner Begrüßungsansprache, dass das Handwerk im Bezirk gut aufgestellt sei. Als verantwortlicher Bezirksstadtrat für die Abteilung Bauen, Stadtplanung und Naturschutz, falle auch die Entwicklung der Handelsflächen in seinen Zuständigkeitsbereich. Die Kommunalpolitik sei bestrebt, neben Einkaufszentren mit integrierten Back-Shops auch traditionelles Nahrungsmittelbetriebe wie Bäcker und Konditoren, die häufig auch als kommunikative Treffpunkte der Kunden agierten, zu erhalten.

Der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer zu Berlin, Thomas Dohmen, lobte die bereits realisierte, länderübergreifende Zusammenarbeit der Brandenburger und Berliner Bäcker in einem Verband. Bezüglich der Branchenentwicklung konnte er für die Spreemetropole erstmals nach zehn Jahren ein leichtes Umsatzplus konstatieren. Obwohl sich Preisdruck und Konkurrenz weiter verschärft hätten, äußerte er sich optimistisch ob der Zukunft der Zünfte: „Handwerk ist immer Premiumqualität und steht für innovative Produkte!“

Michael Wippler, Landesobermeister des Landesinnungsverbandes Saxonia mit rund 1000 Mitgliedern, appellierte an die Innungen und den Zentralverband, die „kleinteilige Struktur des Bäckerhandwerks als seinen besten Schutz“ zu erhalten. Trotz aller gegenteiligen Beteuerungen, werde die lang versprochene Entbürokratisierung in der Praxis, vor allem in den unteren Verwaltungsbehörden kaum wirksam umgesetzt. Als besondere Vorzüge des Backhandwerks nannte der engagierte Bäckermeister den individuellen Kundenservice. „Wir verkaufen nicht nur Backwaren und Kuchen, sondern sorgen auch für ein bestimmtes Lebensgefühl!“

Verbandsaktivitäten im Blick

Im anschließenden Rechenschaftsbericht mahnte Landesinnungsmeister Hans-Joachim Blauert ebenfalls bessere Rahmenbedingungen und den Abbau bürokratischer Verordnungen an. Bezüglich der exorbitanten Preissteigerungen bei Energie, Wasser, Kraftstoffen und anderer Ressourcen, forderte er von den zuständigen Politikern, die Monopolstellung der Konzerne, die einen echten Wettbewerb nicht möglich machten, zu begrenzen. In diesem Zusammenhang empfahl er den Verbandsmitgliedern, Betriebsberatungen zu nutzen, um insbesondere unter energetischen Gesichtspunkten kostenmindernde Maßnahmen ergreifen zu können. Im letzten Jahr hatten von diesem fast kostenlosen Innungsservice 105 Unternehmen Gebrauch gemacht. Hinsichtlich des Konsumentenverhaltens konstatierte er einen „sortierten Markt“. Zwar sei durch die weiter anhaltende Arbeitslosigkeit der Trend zum Billigkauf weiterhin ausgeprägt, demgegenüber sei aber auch die Gruppe qualitätsbewusster Kunden, die auf Vielfalt, Innovation und Beratung setze, gewachsen. Derzeit verzeichnet der Verband 406 Unternehmen. Erstmals konnte der Mitte der 90-er Jahre einsetzende, teilweise drastische Mitgliederschwund gestoppt werden. In Berlin wurden sogar vier Neuzugänge registriert und auch in Brandenburg erhöhte sich der Organisationsgrad der Handwerksbäckereien. Die Zahl der Auszubildenden blieb insgesamt konstant.

Positive Umsatzentwicklung

Laut Blauert hat sich die Umsatzentwicklung im Backhandwerk der Region durch zahlreiche Produktinnovationen, Mitarbeiterschulungen und effiziente Werbemaßnahmen stabilisiert. Einzelne Betriebe in Brandenburg konnten sogar Erhöhungen im zweistelligen Bereich erzielen. Durch die Einführung neuer Inhalte für die Berufsbilder der Bäcker, Konditoren und Fachverkäuferinnen konnte die Qualität der Ausbildung verbessert werden. Insbesondere in der Praxis sind die Azubis durch Rezeptherstellungen und Mengenberechnungen mehr gefordert. Ausdrücklich appellierte der Landesinnungsmeister an die Betriebe, auch weiterhin über den eigenen Bedarf hinaus auszubilden, da durch die demographische Entwicklung in spätestens fünf Jahren zu wenig Lehrlinge zur Verfügung stünden. Vehement kritisierte der Redner zudem die Zwangsmitgliedschaft in der Berufsgenossenschaft als ein „Überbleibsel“. Die dafür aufzuwendenden und stetig steigenden Kosten würden den Unternehmen die Mittel für wirtschaftlich notwendige Investitionen entziehen.

Im Anschluss informierte Ministerialdirigent Rolf Schulze-Roloff vom Brandenburger Wirtschaftsministerium über verbesserte Rahmenbedingungen für Handwerksbetriebe durch mögliche Finanzmittel aus dem europäischen Strukturfonds. Die Förderstrategie des Landes ab 2006 basiert sowohl auf der absehbaren rückläufigen demographischen Bevölkerungsentwicklung mit einem drastischen Mangel von rund 100.000 Fachkräfte ab 2010 als auch auf dem wirtschaftlichen Wachstumspotential bestimmter Ballungsgebiete.


Artikel vom 24.05.2006
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