Thüringen

Mit Freude und Frust

Innung Ilmkreis: Wenige Kollegen auf der Versammlung


Heyda (eta). Dass „ganz viele Gäste“ zur jüngsten Mitgliederversammlung der Bäckerinnung Ilmkreis gekommen waren, schien Innungsobermeister Torsten Mann nicht so recht glücklich zu machen, weil ansonsten zu wenige Innungsmitgliedern anwesend waren.

Deren ehrendes Gedenken galt zu Beginn ihrem kürzlich verstorbenen Kollegen Gerhard Oßwald aus Martinroda. Bei den Gästen handelte es sich vor allem um Altmeister, denen anlässlich ihres 50-jährigen Meisterjubiläums in diesem Jahr der Goldene Meisterbrief der Handwerkskammer Erfurt überreicht wurde. Solche Ehre kam Siegfried Berlet, Rolf Meusinger und Horst Mosch aus Ilmenau zu, zu ihnen gesellte sich Harald Fischer aus Arnstadt.

Die Tagesordnung sah auch die Begrüßung der neuen Junggesellen in der Zunft vor. Doch das Thema war wiederum nicht so erfreulich. Denn von sieben 2005-er Prüflingen hatten das Ziel lediglich drei erreicht.

Zu den inhaltlichen Schwerpunkten der Veranstaltung gehörten die neuen Bestimmungen der Zahlung von Beiträgen an die IKK und der Rahmentarifvertrag des Bäckerhandwerks mit der Signal-Iduna-Versicherung zur Altersversorgung der Mitarbeiter, mithelfenden Ehepartner und Betriebsinhaber. Auch was die Bäckermeister aus dem Ilmkreis hier hörten, rief wenig Frohsinn hervor, insbesondere die Folgen der Vorverlegung der Pflicht zur Zahlung der Krankenkassenbeiträge. Dass die Versicherer damit die Liquidität erhöhen wollen, wie IKK-Kundenberater Bernd Münch erklärte, änderte am Unmut darüber nichts, dass „auf uns alles abgewälzt“ werde, wie ein Bäckermeister meinte.

Schließlich kam das Gespräch auf den vor ein paar Monaten gegründeten Schutzverband Thüringer Weihnachtsstollen und Erfurter Schittchen. Wer Stollen mit diesen Namen produzieren und verkaufen will, müsse Mitglied dieses Verbands werden, mussten die Zuhörer von Torsten Mann vernehmen. Dessen Mitgliedsbeitrag betrage 100 Euro pro Jahr und Betrieb plus 50 Euro je Beschäftigten. Dies rief wieder Protest von der Ilmkreis-Innungsbasis hervor. Wohl zu unrecht: Eine Pflichtmitgliedschaft gebe es nicht, sagte Verbandsvorsitzender Konditormeister Wolfgang Enders unserer Redaktion auf Nachfrage. Es gehe „nur“ darum, dass Stollen mit dieser Bezeichnung bestimmte Kriterien erfüllen sollen und deren Produzenten quasi vor Stars mit fremden Federn geschützt werden. Aus dem Ilmkreis selbst kam vor einiger Zeit eine dazu passende Kritik an „Stollen aus dem Baumarkt“. Damit der Schutz funktionieren kann, müsse sich spätestens in einem Jahr nur jeder beim Innungsverband melden, der „richtige“ Thüringer Stollen anbiete. Was den Mitgliedsbeitrag betrifft: Pro Beschäftigten seien lediglich 20 Euro zu zahlen. Bedenke man die Gegenleistung – zum Beispiel die Werbung – mache sich diese Ausgabe gewiss bezahlt, so Enders in der Hoffnung, dass die Botschaft ankommt.


Artikel vom 18.11.2005
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