Bayern
Mieter hat Innung in Finanzkrise gestürzt
Bäckerinnung Fürth hat den Etat 2006 kurzerhand um 20.000 Euro gekürzt
Fürth (buc). Der Ausfall eines Mieters im Innungshaus hat die Bäckerinnung Fürth in eine Finanzkrise gestürzt. Um existenzfähig zu bleiben, hat man jetzt den Rotstift angesetzt und den Etat für 2006 um 20.000 Euro reduziert. So sollen die Aufwandsentschädigungen für den Vorstand um 20 Prozent gekürzt, das Innungsbüro vermietet, nur noch fünf Sitzungen pro Jahr abgehalten und sechs statt zwölf Rundschreiben versandt werden. Geld in die Kasse spülen soll eine öffentliche Brotprüfung mit Verkauf zugunsten der Innung. Auslöser der Finanzmisere ist die Pleite des Zierfischhändlers, der über Jahre das Erdgeschoss des Gebäudes an der Theresienstraße 12 belegt hatte. Dieser stand für eine Jahresmiete von 18.000 Euro, zahlte aber zuletzt nur noch unregelmäßig und ist nun ins Ausland verschwunden. Seine Hinterlassenschaft: Eine Bruchbude, die vor einer Neuvermietung mit einem Aufwand von gut 200.000 Euro renoviert werden müsste.
Obermeister Hans Jürgen Hartmann erklärte in der Innungshauptversammlung im Gasthaus Kirchberger in Fürth-Sack, man hoffe die marode Fläche künftig vielleicht als Lagerraum an den Mann zu bringen. Aber jetzt fehle das Geld. Im Vorjahr brauchte die Innung über 20.000 Euro ihrer Rücklagen auf. So könne es nicht weitergehen. Eine Erhöhung der Beiträge komme angesichts sinkender Mitgliederzahl (aktuell 33) nicht in Frage; derzeit bleibe von dieser Einnahme nach Umlage zum LIV gar nichts übrig. Einzige Alternative: Reduzierung des Haushaltes von über 60- auf 48.000 Euro, was eine Rücklagenentnahme von nur 5000 Euro nötig machen würde. Dies beschlossen die 15 anwesenden Mitglieder einstimmig – wobei auch Kritik an einzelnen Maßnahmen laut wurde. So will die Innung in Zukunft auch nicht mehr an der repräsentativen Lehrlingsfreisprechung des Gesamthandwerks in der Stadthalle teilnehmen, was etwa 1000 Euro einspart. Das sei für viele Lehrlinge sicher eine Enttäuschung, hieß es. Stattdessen will man die Azubis selbst in der Kreishandwerkerschaft verabschieden.
Innungsgeschäftsführer Karl-Heinz Tiefel sagte zu den Kürzungen, man habe „die Bremse ziehen“ müssen. Das Ziel sollte sein, vom Sparbuch gar nichts abheben zu müssen. Mit der Idee einer Fusion mit einer Nachbarinnung konnte er sich nicht anfreunden. Für stellv. Obermeister Harald Witte wäre dies aber durchaus ein Thema. OM Hartmann sieht da noch keinen Handlungsbedarf; und infolge des hohen Organisationsgrades der Fürther Innung von 75 Prozent mache auch der LIV keinen Druck in dieser Richtung. Harald Witte teilte in seiner Funktion als Lehrlingswart mit, dass derzeit 20 Betriebe der Innung 92 junge Leute (46 im Beruf des Bäckers, 46 im Fachverkauf) ausbilden. Eine tolle Quote mit 15 Azubis mehr als 2005 und sogar 36 mehr als 2003!
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