Niedersachsen

Mehr Dienstleistung, weniger Stammtisch

Johannes Schultheiß, LIM in Württemberg, mit einem Plädoyer für Innungsfusionen


Soltau (wk). Wenn einzelne Innungen Stammtischniveau erreichen und bestenfalls den Teilnehmern noch Unterhaltung bieten, ist das eigentliche Ziel der Organisation verfehlt. Der Nutzen für die angeschlossenen Handwerksbetriebe bleibt auf der Strecke. Mehr denn je hat das organisierte Bäckerhandwerk schlagkräftige Strukturen nötig, die die Interessen wirkungsvoll umsetzen, wichtige Informationen bieten, Hilfestellung leisten und politisches Gewicht haben.

Der Landesinnungsmeister von Württemberg, Johannes Schultheiß, brachte es als Gastredner der Obermeistertagung des BIV Niedersachsen/Bremen in Soltau auf den Punkt. Der Innungsarbeit mangelt es vielerorts an Transparenz, schnellen Entscheidungen und qualifizierter Beratungskompetenz. Sein Credo: Die Innungen müssen fusionieren. Die Ziele sind: Mehr Kostentransparenz, eine effektivere Einbindung lokaler Mitgliedsbetriebe und eine verstärkte Mitgliederbindung. Dadurch können die personellen Ressourcen besser genutzt und die Beratungsleistung effizienter werden. Werden diese Ziele auf Dauer nicht erreicht, droht nach Schultheiß der Innungsarbeit bald das Aus. Zudem haben große Innungen weitaus bessere finanzielle Möglichkeiten. Sie können einen Austritt besser verkraften als kleine. Auch könne man sich qualifiziertere Referenten leisten und sei nicht auf Werbevorträge von Vertretern der Zulieferindustrie angewiesen.

Wie dringend die Notwendigkeit von mehr Qualität ist, ergab eine Umfrage bei der 50 Prozent aller Befragten angaben schon einmal mit dem Gedanken gespielt zu haben, aus der Innung auszutreten. Der Süden zeigt, dass Fusionen möglich sind. Bei nahezu gleicher Mitgliederzahl – in Württemberg 988 und in Niedersachsen/Bremen 1163, gibt es in Württemberg aktuell 18 Innungen, dagegen in Niedersachsen/Bremen noch 49.

Heinrich Kolls, BKV Nord, bestätigte die Thesen und wies darauf hin, dass man bereits vor 12 Jahren das wachsende Bedürfnis nach mehr Service erkannt habe und Zusammenschlüsse vornahm. Dabei gab es auch Widerstände. Viele der Älteren klebten an ihren Posten und verhinderten den nötigen frischen Wind. Ebenso manche Innungsgeschäftsführer, die auch Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaften sind. Sie überschritten nicht selten ihre Kompetenzen und stellten sich quer. Dennoch habe man bei der BKV Nord den Weg weiter verfolgt und wesentlich mehr Zufriedenheit vor allem bei Jungmitgliedern erreicht. Zudem sei seit 12 Jahren keine Beitragserhöhung mehr notwendig gewesen.

Auch für das Verbandgebiet Niedersachsen/Bremen sah LIM Klaus Borchers gute Möglichkeiten für Innungsfusionen. Es sei notwendig sich über die künftige Struktur des Landesverbandes Gedanken zu machen. Eine Verbandsorganisation müsse solide finanziert sein. Wer sonst solle qualifizierten Beratungsaufgaben übernehmen und sich um die Interessen der Bäcker kümmern.


Artikel vom 01.12.2005
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