Bayern
Marktsicherung durch faire Partnerschaft
BioFach: Siegfried Stocker ein „Bionier“ / Hofpfisterei von Naturland ausgezeichnet

Rege besucht war der Messestand der Hofpfisterei in Nürnberg, vorne links Juniorchef Alexander Stocker. Fotos: Mayer
Auf sechs Kriterien basieren die „Fairen Partnerschaften“, für die Naturland, zweitgrößter Bio-Anbauverband in Deutschland, 2006 drei Bio-Unternehmen (u.a. die Hofpfisterei) ausgezeichnet hat:
– soziale Verantwortung
– langfristige Handelsbeziehungen
– faire Erzeugerpreise
– regionaler Rohstoffbezug
– gemeinsame Qualitätssicherung
– Förderung von Projekten.
Ohne diese besondere Zusammenarbeit funktionierten die Ökobetriebe nicht; sie sei auch ein wichtiges Differenzierungsmittel des biologischen vom konventionellen Markt, betonte Veller. Ohne faire Partnerschaften hätten Bio-Erzeuger langfristig keine Chance. Siegfried Stocker übernahm die Hofpfisterei 1970 von seinem Vater Ludwig, der 1917 die Bäckerei von der königlichen Krongutsverwaltung gepachtet hatte. Nach der Zerstörung 1945 wurde 1948 wieder gebacken. Bis heute wird hier das Brot des Betriebes gebacken, die Feinbackwaren entstehen in „Stocker’s Backstube“ in Lauf. Dieses Zweigunternehmen leitet mit Alexander Stocker ein Enkel des Gründers.
Höchste Qualitätsansprüche an das Getreide stellte Siegfried Stocker schon vor der Umstellung der Traditionsbäckerei auf ökologische Produktion. Als Stocker 1984 die Umstellung seiner Bäckerei auf ökologische Produktion beschloss, brauchte er verlässliche Partner. Erst mit Hilfe von Naturland schaffte er es, genügend Erzeuger ökologischen Getreides zu finden.
1988 übernahm die Hofpfisterei die Anteilsmehrheit an der Landshuter Meyermühle, die inzwischen mit 16.000 t Jahresproduktion die bedeutendste Öko-Mühle in Europa geworden ist. So sind in der Hofpfisterei wie einst Mühle und Bäckerei wieder vereint. Mit 140 Filialen, 900 Mitarbeitern und 700 Einzelhandelspartnern ist der Öko-Betrieb längst eine „bayerischen Institution“ geworden.
Stocker, 1994 von der Umweltorganisation WWF und vom Wirtschaftsmagazin Capital mit dem Titel „Öko-Manager des Jahres“ bedacht, berichtete vor etwa 30-köpfigem Publikum in Nürnberg, durch die enge Zusammenarbeit mit Naturland und deren Erzeugern gelinge es, Probleme im gegenseitigen Einverständnis zu lösen.
Für die Landwirte wurden berechenbare Voraussetzungen geschaffen. Auf dieser Basis lege etwa die Meyermühle Liefermenge und Preise fest. Stocker hat jedoch mit dem Begriff „faire Preise“ ein Problem, denn: „Wir sind nicht in der Lage, eine völlig vom Markt abweichende Preispolitik zu bestreiten.“ Durch die festen Partnerschaften lasse sich zwar besser wirtschaften, aber es gebe auch hier keine heile Welt.
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