Niedersachsen

Lehensemmel verteilt

Tradition wird von der Bäckerei Licht gepflegt


Bad Münder (lic). Ein Handwerksbrauch, der sich zwischen Deister und Süntel, in Bad Münder seit 1353 gehalten hat, ist die Vergabe von Lehensemmel an die Kinder alter münderscher Stammfamilien. Seit nunmehr 14 Jahren pflegt Bäckermeister Karl-Friedrich Licht dieses Brauchtum und stellt in seiner Backstube das Gebäck aus Weizenmehl und Rosinen her.

„Wir haben 100 Semmel hergestellt“, erzählt Sigrid Licht. Nach einem alten Rezept, dessen Zutaten streng geheim gehalten werden, produziert ausschließlich diese Bäckerei die begehrte Ware. Die Repräsentanten des Sankt Annen- und Sankt Bartholomäi-Lehen kontrollieren Geburts- und Familiendaten, ehe sie die Semmel überreichen. Im Jahr 1353 gründeten die Brüder Theodor, Hans und Hermann Ading diese Stiftung, die 1484 neu von Diederich Ading als „St. Bartholomäi-Lehen“ urkundlich geführt wurde. Am 22. August 1460 kam dann das St. Annen-Lehen hinzu, Stifter waren Dietrich Langehans und Heinrich Lüder, gerufen „Korteslippe“. Die Stiftung hat rund 200 Morgen Land und aus den Pachtgeldern werden die Lehensemmel bezahlt, wobei die eine Hälfte der Summe an die evangelische Kirchengemeinde, die andere für Stipendien und Beköstigung der Kinder gedacht ist.

Auch an dieser Stiftung nagte der Zahn der Zeit und so war es nötig, nach dem 2. Weltkrieg eine Neuorganisation vorzunehmen. Die Stadtverwaltung als Vertreterin beider Lehen in Zusammenarbeit mit der Kirche sowie dem Verein Lehensfreundschaft erließ eine neue Satzung. Dabei wurden alle alten Statuten einbezogen und speziell auf die Handwerkertradition eingegangen. Dazu gehört es auch, dass die Lehensemmel ausschließlich von einer münderschen Bäckerei hergestellt werden. Karl-Friedrich Licht pflegt die lebendige Tradition als letzte der drei ehemals in der Badestadt etablierten Bäckereien.


Artikel vom 19.04.2007
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