Regional
Kritisches Auge auf neue Verordnung
Berufsbildungstagung des BIV Baden / Praktikablere Umsetzung der Prüfungen und stärkere Gewichtung des Handwerklichen gefordert
Karlsruhe (rs). Auf der gut besuchten Berufsbildungstagung in der Badischen Bäckerfachschule gab es genügend Gesprächsbedarf über Erfahrungen mit der neuen, handlungsorientierten Ausbildung, der neuen Ausbildungsverordnung für Verkäuferinnen und deren Umsetzung sowie der geplanten Meisterprüfungsverordnung.
Studiendirektor Wolfgang Heinz von der Gewerbeschule Durlach legte die Abläufe der Abschlussprüfung der Verkäuferinnen in Baden-Württemberg am Beispiel der Gewerbeschule Durlach dar. Der neue Prüfungsansatz beinhaltet die selbstständige Planung und Durchführung der vier praktischen Aufgaben inklusive der Dokumentation von maximal 15 Seiten in acht Stunden: 1.Verkaufsgespräch; 2. Buffet mit Kuchen und Backwaren; 3.Kuchen verpacken; 4. Warme Snacks präsentieren. Diese Aufgaben müssen nach der neuen Verordnung in der Bewertung gleich gewichtet werden. Hier zeigte sich in der Diskussion, dass die neuen Vorgaben der Verordnung revidiert werden müssten. So wird gefordert, das Verkaufsgespräch doppelt zu gewichten oder als Sperrfach zu gestalten.
Praxisbezug verbessern
Leo Trumm, Mitglied des Berufsbildungsausschusses des Zentralverbandes, führte gleichfalls aus, dass er die Gewichtungsregelung in der neuen Ausbildungsverordnung nicht mittrage und seine Umfrage im Verband Westfalen-Lippe ergeben habe, dass auch dort die Verbandsvertreter die gleiche Gewichtung aller vier Prüfungsteile in der praktischen Verkäuferinnen-Prüfung ablehne. Hier müssten die Landesinnungsverbände beim Zentralverband geschlossen intervenieren.
LIM Augenstein bat die Anwesenden daraufhin um Abstimmung bezüglich eines entsprechenden Antrages an den Zentralverband. Einstimmig gaben die Delegierten durch Handzeichen diesem Vorhaben ihr Votum.
Leo Trumm, Bäckermeister, Dipl.-Pädagoge und Leiter der Ersten Deutschen Bäckerfachschule Olpe, stellte als Referent seine Erfahrungen mit der handlungsorientierten Ausbildung und Prüfung sowie den aktuellen Stand der geplanten Meisterprüfungsverordnung aus seiner Sicht dar. Da die Betriebe immer größer werden, wird die Spezialisierung größer und das praktische Universalwissen kleiner. Vor diesem Hintergrund muss die traditionelle Ausbildung gestärkt werden, um den Anforderungen zur Meisterprüfung gerecht zu werden, stellte Leo Trumm fest.
In der Planung überfordert
So seien etwa bei Aufgaben wie Zeitplan für Teigruhe, Zwischengare, Stückgare, Backzeit, Angabe zur Ofentemperatur und -steuerung sowie der Koordination aller weiteren Arbeitsabläufe die meisten Prüflinge oftmals überfordert und auf Hilfestellung angewiesen. Grundsätzlich waren sich die Tagungsteilnehmer einig, die Prüfungen so zu gestalten, dass sie jungen Leuten eine gute praxis- und theoriebezogene Ausbildung ermöglicht.
Bei der geplanten neuen Meisterprüfungsverordnung sind nach den Vorstellungen des Wirtschaftsministeriums die Entwurfs-, Planungs- und Kalkulationsunterlagen mit 30, die durchgeführten Arbeiten mit 60 und die Dokumentationsarbeiten mit 10 Prozent zu gewichten. Diese Vorgabe habe beim ZV- Berufsbildungsausschuss Ärger ausgelöst, erläuterte Leo Trumm. Der Vorschlag des Zentralverbandes für die Gewichtung lautete 20, 70 und 10 Prozent. Sinngemäß lautete die Begründung aus dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie: „Die Durchführungsarbeiten werden mit 60 Prozent berücksichtigt – also immer noch mit absoluter Mehrheitsgewichtung, weil die Herstellung der Erzeugnisse bereits Inhalt der Gesellenprüfung ist.“ Diese Aussage zeigt, dass die Problematik in der praktischen Ausbildung vom Ministerium nicht genügend erkannt wird.
Alle an einem Strang ziehen
Referent Trumm stellte dabei klar, dass der ZV eher von einer neuen Meisterprüfungsordnung Abstand nimmt als von seiner Position, handwerkliche Fertigkeiten zu stärken. LIM Augenstein fügte an, dass die aktuelle Handwerksordnung eigentliche fehlerhaft sei, weil sie die Meisterprüfung sofort nach der Gesellenprüfung ermögliche. „Wir müssen alle an einem Strang ziehen“, forderte der Redner. In der Diskussion waren sich die Teilnehmer einig, dass der Schlüssel zum Erfolg ein guter Lehrplan ist, der auf der praktischen Seite nicht abgeflacht werden darf. Allerdings wurde von den Teilnehmern darauf hingewiesen, dass es bei Nichteinhaltung der Prüfungsverordnung zu Einsprüchen der sich benachteiligt fühlenden Meisterprüfungskandidaten kommen könnte.
Geschäftsführerin Ute Sagebiel-Hannich gab den Termin zum Leistungswettbewerb der Bäckerjugend bekannt. Aus dem Teilnehmerkreis wurde auf die Notwendigkeit der Durchführung von Kammerentscheiden hingewiesen. Der Tendenz der Handwerkskammern, diese nicht mehr durchzuführen, wurde eine klare Absage erteilt.
Gabriela Bartholdus von der IKK zeigte außerdem vielfältige Angebote für Jugendliche und Azubis in den beruflichen Bildungszentren auf, die unter dem Motto „Fit ins Leben“ stehen.
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