Regional

Kostenanstieg auf allen Ebenen begegnen

Kernthemen der Regionalversammlung des LIV Württemberg: Rohstoffsituation, Energiekosten, Verpackungs-VO


Baden & WürttembergÖhringen (pgö). Die diesjährigen Regionalversammlungen des Landesinnungsverband Württemberg fanden in Ravensburg und Öhringen in den jeweiligen Bäko-Niederlassungen statt. Landesinnungsmeister Johannes Schultheiß ging auf die aktuelle Situation des Bäckerhandwerks ein. Die Bankenkrise bewirke, dass „auch unsere Kunden Geldausfälle haben“. Die Rohstoffmärkte befinden im Wandel und unterliegen einer Entwicklung, „wie wir sie noch nie erlebt haben“.

Viele Kollegen haben mit Preisanpassungen im Verkauf reagiert, viele haben ihre Preise aber zu spät oder in zu geringem Maß angepasst, weil sie Nichtakzeptanz beim Verbraucher befürchteten. Das Bäckerhandwerk kann die Marktanteile der Discounter nicht leugnen und mit deren Preisen nicht konkurrieren. „Wir müssen dem Kunden mehr Wert bieten als die Discounter, sonst hat das Bäckerhandwerk keine Zukunft.“

Die Bäko-Einkäufer, Jörg Beck und Claus Jegarth, gaben der Versammlung Einblick in die Situation auf dem Rohstoffmarkt. Im Bereich Nüsse gebe es noch günstige Anbieter, Mandeln seien preislich relativ hoch, die Ernten von Erdbeeren, Sauerkirsche, Himbeeren und Zwetschgen bezeichneten sie als gut und teilweise preisgünstig. Bei den Mühlenprodukten sagt die Prognose, Weizen sollte günstiger werden, da weltweit hohe Ernteerträge erzielt wurden. Bei Bio-Land-Getreide schwanken die Erntemengen regional und damit auch die Preise. Bei EU-Bio-Weizen und -Bio-Dinkel sei eine moderate Preissenkung zu erwarten. Auch eine Hefepreiserhöhung stehe im nächsten Jahr im Raum. Grund dafür sind die erhöhten Energiekosten und ein Mangel an Melasse. Insgesamt entspanne sich die Rohstoffpreissituation also etwas und Rohstoffe werden, soweit absehbar, alle beschaffbar sein, fassten Jörg Beck und Claus Jegarth zusammen.

Mehr Umsatz und Kosten

Zum Thema Personalkosten nahm Josef A. Hartmayer Stellung. Ende 2007 verzeichneten die Bäckereibetriebe in Gesamtdeutschland ein Umsatzplus in Höhe von 3,6 Prozent, im ersten Halbjahr 2008 hat sich dieser Trend bundesweit fortgesetzt. Erklärbar ist der Aufwärtstrend durch die Preiserhöhungen bei den Backwaren. Besonders innovative Betriebe, so Hartmayer, hätten ein überdurchschnittliches Wachstum erzielt, Insolvenzen sind rückläufig.

Die Anzahl der SB-Discount-Bäckereien stagniere, diese nehmen sich nun auch der Vorkassenzonen an und plane mancherorts offensichtlich den Aufbau eines Frühstücksdienstes. Das Bäckerhandwerk versuche sich verstärkt als „Bäcker-Gastronomie“, doch dieses Modell müsse man gut durchkalkulieren, riet Josef Hartmayer, es rechne sich nicht an jedem Standort. Grundsätzlich stelle man fest, dass Standard-Backwarenkonzepte rückläufig sind und „wer keine Schwerpunkte und Spezialisierung hat, wird vom Markt gefegt werden“.

Der spezialisierte Bäcker habe die besten Chancen auf Umsatzsteigerung, die klassische Bäckerei schließe künftig Null-auf-Null ab.

Die Personalkosten, ohne Geschäftsführergehalt, in der Produktion waren in Baden-Württemberg im Jahr 2007, relativ zum Umsatz, rückläufig. Im Verkauf sind die Personalkosten dagegen leicht angestiegen, da Verkaufsmitarbeiter mehr Aufgaben zu erfüllen haben, wie das Café herrichten, Snacks vorbereiten und Ladenbacken, erklärte Josef Hartmayer. Mit Ausnahme der familiär geführten Kleinbetriebe, müssen 2009 alle Bäckereien einen Anstieg der Personalkosten verkraften.

Energiekosten im Visier

Diplomkaufmann Franz E. Kunkel nahm sich des Themas Energiekosten an. Die Heizölpreise, die teilweise 60 Prozent über dem Vorjahresniveau lagen, haben sich etwas stabilisiert, ein weiterer Rückgang werde nicht erwartet. Gas liegt jetzt rund 25 Prozent über dem Vorjahresvergleichszeitraum, die Situation bei Strom sei fast identisch. Franz Kunkel riet, mit dem Stromlieferanten Verträge mit langer Laufzeit zu schließen, um einen günstigen Preis festzuschreiben. Der Landesinnungsverband kann die Betriebe dabei unterstützen: Er prüft vorliegende Angebote, holt alternative Angebote ein, vergleicht sie, wertet sie aus, unterstützt Vertragsverhandlungen, Nachverhandlungen und gegebenenfalls Anbieterwechsel.

Der Landesinnungsverband hilft auch beim Energiemanagement und ermittelt den tatsächlichen Energiebedarf sowie Einsparungspotenziale. Ein neues Förderprogramm des Bundeswirtschaftsministeriums und der KfW-Förderbank finanziert die ermittelten Energieeinsparmaßnahmen. Informationen gibt es unter www.kfw-beraterboerse.de. Abschließend riet Diplomkaufmann Kunkel, den Antrag auf Ermäßigung und Erstattungen der Strom- und Energiesteuer abzugeben. Der Landesinnungsverband helfe bei der Antragstellung, die bis 31. 12. 2008 erfolgt sein muss.

Verpackungs-Verordnung

Anna Lena Bauer, Juristin des Landesinnungsverbandes, fasste die nunmehr 5. Novelle der Verpackungs-Verordnung zusammen, die seit April in Kraft getreten und ab Januar 2009 bindend ist. Danach müssen alle, die Verkaufsverpackungen in Umlauf bringen, die beim privaten Endverbraucher anfallen, am dualen System beteiligt sein und Lizenzgebühren bezahlen. Unter „privater Endverbraucher“ versteht man nicht nur Endkunden, sondern auch Kantinen, Krankenhäuser, Gaststätten, welche beliefert werden. Es gibt keine gesetzliche Kennzeichnungspflicht mehr für die Teilnahme an einem dualem System (kein Grüner Punkt mehr). Bundesweit existieren acht anerkannte duale Entsorger, mit einem von ihnen ist ein Vertrag zu schließen und nachzuweisen. „Wir rechnen mit drei bis fünf Prozent Kosten von den Verkaufsverpackungen, im Bereich Folien rechnen wir mit 15 Prozent“, so Juristin Bauer. Die Vertragsmodalitäten sind mit dem dualen Anbieter frei verhandelbar.

Die Juristin riet, sich vom Hersteller oder Lieferanten von Verpackungen schriftlich bestätigen zu lassen, dass dieser einem dualen System angeschlossen ist. Landesinnungsverband Geschäftsführer Kofler merkte an, es fallen zusätzliche Kosten an, die durch die Herstellerfirmen in die Verkaufsverpackungen einkalkuliert werden. Entsprechend müsse das Verpackungsmaterial auch in die betriebliche Kalkulation einfließen.


Artikel vom 20.11.2008
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