Regional

Konkurrenz durch „Backesfeste“ kritisiert

Versammlung der Innung Rhein-Lahn / Verbands-GF Dohr: Preise maßvoll erhöhen


Rheinland-PfalzMiehlen (wot). Sein eigenes Brot zu backen scheint „in“ zu sein. In vielen Dörfern schon wird gemeinsam Brot gebacken, „Backesfeste“ garantieren Besucher und Kurse vermitteln entsprechende Grundkenntnisse. Doch diese Entwicklung hat eine Kehrseite: Die im ländlichen Raum ohnehin immer seltener werdenden Bäckereien beklagen Umsatzeinbußen, die ihr Überleben zusätzlich gefährden.

Ein Thema, das unter anderem auf der Versammlung der Bäckerinnung Rhein-Lahn zur Sprache kam. Die Fachleute beklagten dabei auch, dass die für sie so strengen hygienischen Auflagen für Hobbybäcker nicht zu gelten scheinen. Ein Bäcker berichtete sogar, man habe ihm die bei einem „Backesfest“ hergestellten Brote mit harter Kruste zum Aufschneiden ins Geschäft bringen wollen.

Nach der Begrüßung berichtete Obermeister Heinz Kugel über die gelungene gemeinsame Werbeaktion mit den Fleischern im April: „Flottes Würstchen sucht knackiges Brötchen“. Die Verbandstagung in Trier, eine erfolgreiche Brot- und Brötchenprüfung, der „Bäcker-Sterne-Lauf“ in Bonn, die letzte Gesellenprüfung, das Backen von Erntedankbrot beim Kollegen Zorn in Katzenelnbogen, die neue Verpackungsordnung und steigende Produktionskosten brachte der Obermeister ebenso zur Sprache wie die Schulsituation: Die zuständige Berufsschule Lahnstein sei die „weit und breit am schlechtesten ausgestattete“ und damit ein Standortnachteil für das heimische Bäckerhandwerk. „Sind Sie richtig vorbereitet auf einen plötzlichen Ausfall des Betriebsleiters?“, so fragte Steuerberater Walter Schupp in einem aufschlussreichen Referat, in dem er einen selbst entwickelten Entwurf mit notwendigen Vorsichtsmaßnahmen ausführlich vorstellte und erläuterte. Als Geschäftsführer des Verbandes des Rheinischen Bäckerhandwerks nannte Walter Dohr mehrere gute Gründe, trotz der aktuellen Finanzkrise über eine maßvolle Preiserhöhung im Bäckerhandwerk nachzudenken: u. a. Lohnerhöhungen, gestiegene Energiekosten und eine wahre Kostenexplosion im Rohstoffbereich.

Die Lebensmittelüberwachung habe „stark aufgerüstet“: Allein in Rheinland-Pfalz seien 70 neue Prüfer eingestellt worden, gab Dohr zu bedenken.


Artikel vom 24.11.2008
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