Regional

Kollegen helfen selbstlos wie die Feuerwehr

Großbrand in der Bäckerei Maurer Dank des Einsatzes und der Unterstützung von Betrieben der Region (fast) überstanden


Baden & WürttembergWinnenden (pgö). Wenn Tobias Maurer vom Großbrand in seinem Betrieb erzählt, ist der Gänsehautfaktor garantiert. Von glücklichen Fügungen, menschlicher Größe, kollegialer Hilfe und selbstloser Bereitschaft ist da die Rede. Und davon, dass es selbst in rabenschwarzen Nächten Menschen gibt, die bereit sind, für andere aufzustehen und sich wie selbstverständlich zu engagieren, ohne nach ihrem Lohn zu fragen. Bis Mai dieses Jahres liest sich die Entwicklung der Bäckerei Maurer in den letzten 77 Jahren als Erfolgsgeschichte wie aus dem Bilderbuch (siehe www.baecker-maurer.de). Fast reibungslos entwickelte sich die Bäckerei zu einer der Großen im Ländle, mit 310 Mitarbeiter, 34 Fachgeschäften und vielfach prämierten Produkten.

Am 15. Mai um kurz nach 21.00 Uhr wurde Tobias Maurer vom Feueralarm überrascht. „Erst denkt man noch nichts Schlimmes“, erinnert er sich. Doch dass es sich um einen Ernstfall handelte, wurde ihm rasch klar, als er an der Brandmeldeanlage ablas, dass der alarmierende Brandmelder im Lagerbereich der Bäckerei saß. Gegen Mitternacht stand fest, dass in absehbarer Zeit in dem Gebäude nicht mehr produziert werden kann. Maurer griff zum Handy und startete einen Rundruf.

Adolf Katz und Gerd Sehne konfrontierte er zu nachtschlafender Zeit mit seinem Ansinnen: „Morgen früh brauche ich 4000 Brote, könnt ihr mir helfen?“ So verdutzt die Kollegen auch waren, sie erklärten sich sofort bereit, in die Bresche zu springen und sagten Hilfe zu. Als die Backstubenmitarbeiter um zwei Uhr zu ihrem Nachtdienst antreten wollten, sahen sie sich vor den Trümmern ihres Arbeitsplatzes – und reagierten sofort. Sie organisierten in ihrem persönlichen Bekanntenkreis eine große Zahl an Navigationssystemen, planten Touren und starteten im Morgengrauen in Richtung Vaihingen/Enz und Ehningen, um die aus den intakten Kühlzellen geretteten Kleingebäcke vor Ort abzubacken und die bei den Kollegenbetrieben für Maurer gebackenen Brote zu holen. In den Folgewochen backte auch Kollege Michael Grimminger in Mannheim für Maurer, von Familie Trölsch in Korntal-Münchingen stammte das Konditorei-Sortiment. Doch schon nach wenigen Tagen wurde klar, dass die Kunden es zwar schätzten, in den Maurer-Verkaufsstellen einkaufen zu können, aber bedauerten, nicht die Maurer-typischen Produkte dort vorzufinden.

Zu diesem Zeitpunkt lernten sich Willy Holzwarth, Oberer Beck in Erdmannhausen, und Tobias Maurer kennen. Willy Holzwarth hatte vom Unglück der Winnender Bäckerei erfahren und wollte spontan helfen. Er handelte ohne Wenn und Aber und ohne nach Lohn und Preis zu fragen. Er bot an, dass die Bäckerei Maurer seine Produktion nützen könnte. Er arbeitet im Ein-Schicht-Betrieb, damit sind die Bäckereiräume an einigen Stunden des Tages ungenützt. Diese Zeiten, bot Willy Holzwarth an, kann Maurer zur Herstellung seiner Backwaren in eigener Regie nützen. Damit war gewährleistet, dass die Maurer-Kunden wieder „ihre“ Maurer-Produkte erhalten. Seit Juni kann die Konditorei in Winnenden wieder arbeiten. In den nächsten Wochen soll die gesamte Produktion wieder unter eigenem Dach abgewickelt werden, hofft Tobias Maurer.


Artikel vom 24.09.2008
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