Baden & Württemberg

Japanerinnen pflegen deutsche Backkultur

In Deutschland ausgebildete Töchter Nippons heizen Kuppinger Backhäuschen ein


Herrenberg/Kuppingen (rs). In beschaulicher Umgebung schickt das Kuppinger Backhäuschen nahe Herrenberg seinen Rauch in den strahlenden Herbsthimmel. Neugierige wundern sich beim Blick in das Innere, denn dort haben sich 12 japanische Bäckerinnen an die Arbeit gemacht. Nicht nur um Brot, Apfel,- Zwetschgen,- und Flammkuchen zu backen, sondern auch um berufliche und private Erlebnisse auszutauschen.

Yuko Shimbara, Dipl. Mathematikerin, Bäckereitechnikerin und Bäckermeisterin hat die Fäden zu ihren backenden Kolleginnen über das Internet geknüpft und das Treffen der in ganz Deutschland verteilten Bäcker- und Konditorinnen organisiert. Alle haben in Deutschland ihren Beruf erlernt. Sie kamen aus Berlin, Brandenburg, Oranienbaum, Hannover, Essen, Frankfurt, Tübingen, Ravensburg, München und sonst wo, ins malerisch gelegene Kuppingen angereist.

Wie kommen Japanerinnen auf die Idee, in Deutschland den Bäcker- und Konditorenberuf zu erlernen? Aufklärung gibt die aus Tokio stammende Doktorandin Satsuki Sakuragi, die seit acht Jahren in Deutschland lebt. Sie studierte in Tübingen Kulturwissenschaften. Mit ihrer wissenschaftlichen Arbeit zur „Tradition des häuslichen Kuchenbackens“ machte Sie schon vor einigen Jahren in Detmold auf sich aufmerksam.

Über Inwent, die frühere Karl Duisberg Gesellschaft, werden in den verschiedensten Handwerksberufen Lehrstellenplätze für Ausländer angeboten, und durch diesen Umstand sind die wissbegierigen Japanerinnen nach Deutschland gekommen. Alle haben mit überdurchschittlichen Noten nicht nur Gesellen- und Meisterprüfung bestanden, sondern auch ausgezeichnet die deutsche Sprache erlernt. Ihre Meisterprüfung legten einige in Weinheim, Heidelberg, Hannover, Dresden und Ulm ab und viele sind inzwischen mit deutschen Partnern verheiratet.

Hoch gelobt wurde von den Töchtern Nippons vor allem die duale Ausbildung, die sie als die „Beste in der Welt“ bezeichnen. Auch die vielseitige deutsche Backkultur schätzen sie im Gespräch sehr hoch ein. In Japan mit seinen 127 Mio. Einwohnern dominieren zwar große Bäckereiketten den Markt, noch stärker als bei uns, doch kleine Bäckereien, mit ihren besonderen Angeboten gewinnen mehr und mehr an Boden. Weit verbreitet ist die Bäckerei nach französischer Art, wobei die deutsche Bäckerei dort immer mehr geschätzt wird.

Vielleicht können wir sogar in einigen Jahren von den wissbegierigen Japanern lernen, wie man Backwaren zu höchsten Vollendung optimiert und verkauft..


Artikel vom 22.11.2007
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