Baden & Württemberg

Innungsbeitrag kann gesenkt werden

Bäckerinnung Stuttgart: Vorträge über Online-Controlling und Ausbildungsordnung


Stuttgart (pgö). Die Versammlung der Bäckerinnung Stuttgart fand in den Räumen der Bäko in Weilimdorf statt. Obermeister Sailer legte Bericht über die Aktivitäten des letzten Jahres ab. Diese reichten von den Azubi-Tagen und dem Brotmarkt über die Südback, vom Vollwertstammtisch bis zur Gutsles-Aktion. Man habe wichtige Imagearbeit geleistet, lobte er die Teilnehmer und unterstrich: „Wir müssen Flagge für das Handwerk zeigen!“ Zur aktuellen Situation der Branche meinte Sailer, der Backwarenmarkt sei heiß umkämpft, doch die Discounter nehmen nicht in dem Maß zu, wie befürchtet. Die Backe-off-Stationen in Supermärkten machen den Bäcker in den Vorkassenzonen aber Sorgen, denn dort kosten frische Brötchen 11 Cent. Dagegen könne sich das Handwerk nur durch gleiche Frische, aber deutlich bessere Qualität absetzen.

Keine leichte Aufgabe, denn Tests haben bewiesen: „Die Qualität der Fabrikbrötchen ist deutlich besser als ihr Ruf“. Bessere Qualität lasse sich nur durch lange weiche Teigführung, Vorteige und Führung über Nacht erzielen, erinnerte der Obermeister. Zur Kundenbindung riet er, der Bäckermeister solle sich auch im Laden sehen lassen, den Kunden Rede und Antwort stehen und Schmeckmuster ausgeben. Eine weitere Empfehlung galt dem Ausbau des Frühstücksangebotes und natürlich die freundliche und kompetente Beratung. Laut eigener Erfahrung geht ein Teil der Kunden zum Discounter, weil er dort nicht bedient wird, also „keine muffige Verkäuferin sehen muss“.

„Neue“ Geschäftsführung

Als Innungsinterna erinnerte der Obermeister daran, dass die Geschäftsführung der Bäckerinnung Stuttgart nun wieder in der Wilhelmstraße, in den Räumen des Landesinnungsverbandes, beheimatet ist. Der Vorstand hat diesem Schritt einstimmig zugestimmt, da er den veränderten Rahmenbedingungen Rechnung trägt. „Jetzt sind wir gerade mal 47 Mitglieder“ erklärte der Obermeister, da waren 240 Quadratmeter Büroräume und die Gehälter für zwei Beschäftigte „einfach eine Nummer zu groß“. Ein positiver Effekt ist, dass der Beitrag zur Lohnsumme von zwei auf ein Promille gesenkt werden konnte.

Geschäftsführer Günter Semmig ist weiterhin der Ansprechpartner für die Innungsmitglieder. Er hilft bei juristischen Fragen und versicherte lachend: „ich bin immer noch Ihr Geschäftsführer“ auch wenn er nun durch Frank Sautter und das Landesinnungsverband-Team Unterstützung erfährt. Semmig ging auf aktuelle Gesetzesänderungen ein, so das neue Gaststättengesetz. Es erlaubt Sitzplätze ohne Gaststättenerlaubnis, auch wenn keine Gästetoiletten vorhanden sind. Semmig und Sailer nannten das Gesetz eine „Umsatzchance für unsere Betriebe“, denn Menschen die eingekauft haben und ältere Menschen nützen gerne das Angebot eines Bistrotisches mit ein paar Stühlen. Ob in jedem Fall die Ladenöffnungszeiten oder in welchen Fällen die Öffnungszeiten des Gaststättengesetzes gelten, werde von den Behörden unterschiedlich beurteilt. Wer damit Probleme habe, möge sich an die Geschäftsstelle um Hilfe wenden.

Eine Belastung für die Betriebe stelle die Dokumentationspflicht nach der neuen Lebensmittelhygieneverordnung dar. Wenn Kontrollen kommen, müssen HACCP-Pläne vorgelegt werden. Umfangreiche Informationen und Checklisten dazu liefert der Verband den Betrieben als Hilfestellung. Auch die Auszeichnung nach neuer Lebensmittel-Kennzeichnungsverordnung ist kompliziert. Deklariert werden müssen alle allergenen Stoffe auf verpackten Waren. Es genügt dort nicht mehr auszuweisen „Hefezopf mit xy-Backmittel“, sondern die Nennung aller Zutaten und Zusatzstoffe ist vorgeschrieben. „Bitten Sie“, riet Semmig, „Ihre Lieferanten um Inhaltslisten und übernehmen Sie diese für verpackte Produkte.“ Informationen über effizientes Online-Controlling gab den Versammlungsteilnehmern Franz Kunkel vom Landesinnungsverband. In seinem Referat erläuterte der Betriebsberater die Möglichkeiten, die ein online-geführtes Controllingsystem bietet. Die Produktentwicklung des Landesinnungsverbands soll Betriebsinhabern helfen, „ihr eigener Betriebsberater zu werden“. Durch das Programm „Back-on“ können wichtige, betriebswirtschaftliche Zahlen rasch erfasst und ausgewertet werden, Bildschirmkonferenz mit Steuerberater und Hausbank sparen Geld und Zeit und eröffnen Freiräume für neue Ideen und Aktionen. Wenn die Daten eingepflegt sind, sei das Routinearbeit und gehe minutenschnell, bestätigten Innungsmitglieder, die bereits mit dem Programm arbeiten. Ab Juli, so Franz Kunkel, soll eine Schnittstelle vorliegen, damit die Tageseinnahmen von den Kassen direkt ins Back-on-Programm übertragen werden können.

Ein weiteres Referat galt der neuen Ausbildungsordnung, die seit nunmehr eineinhalb Jahren Praxis in Betrieben und an den Schulen ist. Rudolf Küchlin und zwei seiner Lehrerkollegen an der Stuttgarter Hoppenlau Schule berichteten von den Erfahrungen mit den Lernfeldern, die von Handwerk, Industrie und Handel gewollt waren. Lerninhalte wie Snacks, kleine Küche und Marketing sind neu und entsprechen den Anforderungen im Betriebsalltag. Überfachliche Kompetenzen werden nach der neuen Ausbildungsordnung unterrichtet und bewertet. Vom Nachwuchs gefordert sind Selbstständigkeit und Eigenverantwortung sowie das ganzheitlich Behandeln von Aufgaben wie Herstellung, Berechnung, Werbung und Präsentation und Verkauf eines Produktes. „Das wollen wir doch in den Betrieben auch, nur solche Leute können wir in der Praxis brauchen“ unterstrich Küchlin. Die Betriebsinhaber gaben ihm Recht, bemängelten aber, die Zeugnisbeurteilung sei nicht mehr einfach.


Artikel vom 13.04.2006
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