Baden & Württemberg

Im Zeichen von Tradition und Information

Bruderschaft der Bäcker, Müller und Brauer feierte 280-jähriges Bestehen


Ravensburg (me). Die Ravensburger Bruderschaft der Bäcker, Müller und Brauer hat ihr 280-jähriges Bestehen gefeiert. Nach einem ökumenischen Gottesdienst wurden die Mitglieder der Bruderschaft durch Ravensburgs Oberbürgermeister Hermann Vogler empfangen. Der Ulmer Bäckerchor sang beim Gottesdienst und beim Empfang.

„Die Erhaltung der Tradition ist eine Basis für unsere Stadt“, betonte Stadtoberhaupt Hermann Vogler beim Empfang im Rathaus. Er appellierte darüber hinaus auch an die Bürger, beim Einkauf genauer hinzuschauen, was im Einkaufsladen landet: „Wir leben davon, dass es bei den Lebensmitteln eine gute Kette von der Landwirtschaft bis zum Verbraucher gibt.“

Die Ravensburger Bruderschaft der Bäcker, Müller und Brauer kann in der Tat auf eine lange Tradition zurückschauen: Sie wurde im Jahr 1725 ins Leben gerufen. Das originale Stifterbuch ist erhalten geblieben und wird bis heute geführt.

Schon immer diente die Bruderschaft dem Informationsaustausch untereinander, man kam zu Mahlzeiten, Trinkgelagen sowie religiösen Verrichtungen zusammen. Die Gottesdienste dienten insbesondere dem Totengedächtnis.

Ursprünglich erfüllte die Bruderschaften darüber hinaus einen sozialen Zweck: Mitglieder oder deren Angehörige, die in Not gerieten, wurden aus der Bruderschaftskasse unterstützt.

In Ravensburg existierten einst zahlreiche weitere Bruderschaften. Sie hatten sich parallel zu den Zünften gebildet, waren unabhängig von diesen und nicht so starren Beschränkungen unterworfen.

Ravensburgs Stadtarchivar Dr. Andreas Schmauder erinnerte an die enorme Bedeutung der Zünfte über viele Jahrhunderte hinweg, die in der Zunftverfassung festgeschrieben war: „Jeder Zunftmeister hatte einen festen Sitz im Rat der Stadt.“ Grob lässt sich sagen: Während die Zünfte fürs Geschäft zuständig waren, hatten die Bruderschaften eine soziale Funktion: Die ersten Mitglieder der Bruderschaft der Bäcker, Müller und Brauer zahlten einen Beitrag von zwölf Kreuzern pro Jahr.

Heute gehören ihr noch um die 60 Personen an, die Zahl der Betriebe hat allerdings rasant abgenommen: Nur eine Mühle hat überlebt, von rund 20 Brauereien existiert nur noch Leibinger, die Zahl der Bäckereien ist von über 50 auf unter 10 zurückgegangen.

Die Bäcker, Müller und Brauer bilden eine der Ravensburger Bruderschaften, die es geschafft haben, bis heute als Gemeinschaft zu existieren.


Artikel vom 25.08.2005
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