Hessen

Im Dialog mit der Politik

Patricia Lips (MdB) zu Besuch in der Bäckerei Schäfer


Hainhausen (dtp). Hin und wieder gibt es doch Politiker, für die Mittelstand nicht nur eine Vokabel, sondern eine feste und vor allem wichtige Größe ist. So hatte Patricia Lips (MdB) in der Bäckerei Wolfgang Schäfer im Landkreis Offenbach einen Besuch abgestattet, der mehr als nur höfliches „Guten-Tag-sagen“ zum Inhalt hatte. Es solle der Kontakt mit handwerklich und mittelständisch strukturierten Betrieben intensiviert und dadurch diesem Bereich eine Stimme gegeben werden. Weiter sei interessant festzustellen, wie sich der Stand der Ausbildung darstelle.

Begleitet von HWK-Vize und Bäckermeister Klaus Nennhuber von der HWK Rhein-Main sowie von Kreishandwerksmeister Wolfgang Kramwinkel und Geschäftsführer Helmut Geyer von der Kreishandwerkerschaft Offenbach nahm sich Patricia Lips gute drei Stunden Zeit, um sich zu informieren. Behandelt wurden sehr ausführlich Ausbildungsfragen; Standortfragen in Bezug auf den Wettbewerb sowie die aktuelle wirtschaftliche Situation wurden erörtert und EU wie BGN, Mindestlohn und Schwarzarbeit lieferten Stoff zum kritischen Dialog und zur Diskussionen.

Der Besuch von Patricia Lips in der Bäckerei Schäfer finde zwar im Wahlkreis statt, sei jedoch nicht allein speziell auf den Wahlkreis festzumachen, betonte Klaus Nennhuber als Antwort auf eine entsprechende Frage. Frau Lips, auch Mitglied im Finanzausschuss des Bundestages, sei zum Beispiel für die HWK ein wichtiger Ansprechpartner in Fragen des Handwerks. Etwa um gleiche Basisbedingungen zu schaffen.

Azubis über Praktika gewonnen

Cornelia und Wolfgang Schäfer machten zum Beispiel deutlich, dass kontinuierlich junge Menschen ausgebildet werden. Die Mehrzahl der Lehrlinge würden über Praktika gewonnen. Diese Art der Einführung in den Beruf sei gut geeignet, schnell festzustellen, ob der- oder diejenige wirklich Interesse zeige und auch wie das familiäre und soziale Umfeld aussehe. Bei aufgeschlossenen Jugendlichen habe in der Regel die zu anderen Berufen unterschiedliche Arbeitszeit nicht den Stellenwert, wie sie leider häufig als Begründung für Desinteresse dargestellt werde. Nennhuber ergänzte mit der Darstellung, wie sich die HWK darum bemühe, den Lehrstellensuchenden zu helfen. Er meinte dazu, „aber die jungen Leute müssen auch sich helfen lassen.“ Im Rahmen des Themas Ausbildung kamen zusätzlich die häufig schlechten oder unbrauchbaren Verbindungen des öffentliche Personen-Nahverkehrs (ÖPNV) zur Sprache. Dies führe zum Beispiel bei der Bäckerei Schäfer dazu, dass mit einer Ausnahme alle Lehrlinge aus dem Stadtgebiet Rodgau stammen, wozu auch Hainhausen gehört. Und die eine Ausnahme sei nur befristet, weil die Betroffene sich in Rodgau nach einer passenden Bleibe umsehe.

Nennhuber und Geyer stellten für den Bereich der HWK Rhein-Main und des Einzugsgebietes der KH Offenbach mit Zahlen dar, dass in diesem Jahr 2007 erneut ein deutlicher Zuwachs an Lehrstellen vorhanden ist. Die letzte Erhöhung des HWK-Beitrages um 30 Euro komme ohne jede Ausnahme allein den Ausbildungsstätten zugute, sagte Nennhuber an dieser Stelle.

Anstöße aus der Praxis gegeben

Während der Betriebsführung erläuterten Wolfgang und Sohn Sascha Schäfer die Funktion und Arbeitsweise von Öfen, Maschinen und Geräten. Ebenso die Abläufe vom Abwiegen des benötigten Mehles für eine Sorte Brot über Teigbereitung, Gärung und Teigruhe bis hin zum Abbacken. In diesem Zusammenhang erfuhr Patricia Lips, welche Werte an Technik in einer Bäckerei stecken und dass sie, um den Anschluss an den Fortschritt nicht zu versäumen, mit zum Teil hohen Investitionen ersetzt oder ergänzt werden müssen. Patricia Lips machte deutlich, in Berlin seien eigentlich überall nur Spezialisten am Werk. Darum sei es ungeheuer wichtig, Anstöße und Impulse aus den Regionen zu erhalten, darauf sei man richtig angewiesen. Oft gebe es erst dann die richtigen Hinweise und Informationen, um bei Diskussionen die richtigen Argumente zu finden.

Gegen heizen mit Weizen

Nach einiger Diskussion über „heizen mit Weizen“ wurde Frau Lips gebeten, wenn sie etwas dafür tun könne, möge sie sich dafür einsetzen, dass Getreide nicht zur Gewinnung von Energie herangezogen oder gar noch subventioniert werde.

Auch die Subventionen für etwa Bio-Gas- und Photovoltaik-Anlagen sollten gestrichen werden, forderte Nennhuber. „Mühlen müssen schließen, weil sie von Landwirten gar nicht mehr mit Getreide beliefert werden“, sagte Nennhuber dazu.

Eine provozierende Frage, ob Politiker endlich Handwerk und Mittelstand – spät genug – entdeckt haben, beantwortete Patricia Lips, indem sie meinte, es gehöre doch zur Arbeit eines jeden Abgeordneten, sich an der Basis kundig zu machen. Sie plädiere dafür, nicht unbedingt in Einzelaktionen, jedoch in Zusammenarbeit mit den Gremien und Verbänden des Mittelstandes, nach Verbesserungen zu suchen.


Artikel vom 05.11.2007
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