Bayern
Hoffnung in neuen Jahrgang gesetzt
Aufdingungsfeier der Bäckerinnung München / die Chancen im Handwerk nutzen
München (ke). „Wer den Beruf des Bäckers oder der Bäckerei-Fachverkäuferin nur gewählt hat, weil er keinen anderen Ausbildungsplatz bekam, hatte das Glück unerwartet auf seiner Seite“, sagte Heinz Hoffman kürzlich auf der Aufdingungsfeier im Saal der Bäckerinnung München. Der Obermeister gratulierte den anwesenden Lehrlingen, die im Herbst vergangenen Jahres in einem der Mitgliedsbetriebe ihre Ausbildung begannen und die nun bereits ihre Probezeit erfolgreich bestanden haben. Sie hätten nicht nur die richtige Entscheidung für einen zukunftssicheren Arbeitsplatz getroffen sondern gleichzeitig auch die Möglichkeit, überdurchschnittliches zu erreichen.
Bäcker bzw. Fachverkäuferin zu sein sei mehr, als nur einen schönen Beruf ausüben zu dürfen. Für diejenigen, die wollen, könnten die Aktivitäten weit über die Arbeitszeit hinaus gehen, denn das Bäckerhandwerk verfügt über ein traditionell gewachsenes soziales Netzwerk, das sich – bedingt durch die besonderen Arbeitszeiten – gebildet und bewährt hat. Hoffmann verwies auf den Fachverein, in dem sich junge Bäcker fortbilden und gemeinsame Freizeitaktivitäten entwickeln können: „Sprechen Sie Ihren Meister an, vielleicht zahlt er sogar den Mitgliedsbeitrag.“
Denn der Fachverein kann die Jugendlichen auf ein berufliches Ehrenamt vorbereiten. Möglichkeiten einer interessanten Freizeitgestaltung gibt es auch bei den Bäckerkeglern, Fußballern oder in der Sängerrunde. Annähernd 80 neue Auszubildende ihrer Mitgliedsbetriebe hatte die Innung zur Aufdingung eingeladen. Musikalisch umrahmt wurde die Feier von vier Bläsern des Orchesters „Blinde Musiker München“. Sie sind, so Hoffmann, das beste Beispiel dafür, dass selbst Menschen mit Behinderung durch gemeinsames Engagement Besonderes leisten können. Leistungsstarke Jugendliche könnten die Ausbildung im Handwerk über Geselle und Meister heute sogar als Basis für ein Fachhochschulstudium nutzen. Eltern müssen also nicht schon ab der dritten Grundschulklasse die Hoffnung auf eine Karriere mit Studium für ihre Kinder begraben, nur weil diese nicht aufs Gymnasium wechseln. In Bayern bestehen jährlich durchschnittlich 4500 Handwerker ihre Meisterprüfung. Und nach der gerade vom Kabinett beschlossenen Neuregelung zum Zugang zur Hochschule dürfen künftig alle Meister ohne Aufnahmeprüfung an Fachhochschulen studieren. Bislang galt dies nur für die jeweils besten 20 Prozent eines Jahrgangs, was pro Jahr immerhin 500 Meister nutzten. Doch das Handwerks braucht vor allem praxisstarke Vertreter: „Ich gehöre zu denen, die mit Hauptschulabschluss die Bäckerlehre begonnen haben“, sagte Bäckermeister Hoffmann, „und aus mir ist auch etwas geworden“.
An den Münchner Berufsschulen besuchen aktuell 87 Bäcker- und Konditorenlehrlinge den Unterricht, davon werden zwölf in der Adolf-Kolping-Berufschule ausgebildet. In der Städtischen Berufsschule lernen rund 200 Mädchen in sieben Klassen den Beruf der Fachverkäuferin im Nahrungsmittelhandwerk, 19 werden in der Kolpingschule besonders gefördert.
Die Zahlen geben nur eine Momentaufnahme, denn die Abbrecherquote ist noch relativ hoch. Das galt zu Beginn auch für die Lehrlinge in den Innungsbetrieben, deren Zahl sich jetzt nach der Probezeit stabilisiert. Obermeister Heinz Hoffmann hatte im Herbst einen Verkaufslehrling sowie drei junge Leute, die Konditor und vier die Bäcker werden wollten, doch teilweise die Probezeit nicht bestanden und nun sucht er wieder jemanden für den Verkauf. Alle Jugendlichen, die sich zur Aufdingungsfeier eingefunden hatten, forderte Lehrlingswart Christian Zerlin auf, die Ausbildung ernst zu nehmen. Und er empfahl sich ihnen bei eventuellen Unstimmigkeiten, die im Laufe der Lehrzeit mit Schule oder Ausbildern auftreten könnten, als Ansprechpartner.
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