Bayern

Heinrich Traublinger bleibt Landesinnungsmeister

Landesverbandstag des LIV Bayern 2007 mit Vorstandswahlen / Festredner Staatssekretär Otmar Bernhard: Auf Umweltmanagement setzen


Regensburg (ke). Bereits zum 3. Mal fand der Verbandstag des bayerischen Bäckerhandwerks in Regensburg statt. Erstmals allerdings fungierte die im vergangenen Jahr fusionierte Bäckerinnung Regensburg-Kelheim als Gastgeber. Obermeister Josef Magerl aus Neutraubling konnte am vergangenen Wochenende mehr als 250 Delegierte, Meisterfrauen und Gäste aus allen sieben bayerischen Bezirken in der Donaustadt begrüßen. Die Bäckerinnung Regensburg-Kehlheim zählt zu den traditionsreichsten und aktivsten Innungen des Freistaates und die ehemalige Freie Reichsstadt darf sich seit neuestem mit dem Titel „Weltkulturerbe“ der Unesco schmücken. Eine Kombination, die ein gelungenes Wochenende mit interessantem Rahmenprogramm versprach.

Bereits am Samstagvormittag fanden die Sitzungen des geschäftsführenden Vorstands und des Landesvorstandes statt. Das Kulturprogramm begann mit einem Konzert in der Stiftskirche zur Alten Kapelle, in der seit gut einem halben Jahr die von Papst Benedikt geweihte Orgel steht. Bei der Altstadtführung zeigte die „Stadtmaus“ ein lebendiges, junges Regensburg in ehrwürdiger mittelalterlicher Kulisse.

Den Höhepunkt des Tages bildete der Festabend im Kongresszentrum Kolpinghaus, wo am Sonntag die Mitglieder mit einem Standkonzert zur Versammlung begrüßt wurden.

Zur Eröffnung sangen die Bäckerchöre aus Fürth und Nürnberg. Obermeister Magerl begrüßte die Kollegen und Meisterfrauen: „Auch wenn es die Bäcker gegen die Industrie nicht leicht haben, das bayerische Bäckerhandwerk bleibt stark“. Regensburgs Oberbürgermeister Hans Schaidinger warb in seiner Begrüßungsansprache für die Stadt und für eine neue Kongresshalle.

Die Durststrecke ist überwunden

Der Bericht von Landesinnungsmeister Heinrich Traublinger begann mit hoffnungsvollen Meldungen: „Das Jahr 2006 schloss gesamtwirtschaftlich mit einem positiven Ergebnis ab. Und mit dem vorgezogenem Beginn des Frühlings dürfen wir auch für unsere Branche feststellen, dass der Konjunkturmotor rund läuft.“ Damit sei nicht zu rechnen gewesen, wenn man an die Mehrwertsteuererhöhung und die immensen Kostensteigerungen für Energie und Rohstoffe berücksichtigt. Dass die Forschungsinstitute eine Fortsetzung der positiven Wirtschaftsentwicklung sogar für den Binnenmarkt voraussagen, sei besonders erfreulich. Das Ende der Durststrecke zeige sich auch in den Branchendaten. So hätten die statistisch registrierten 16.280 produzierenden Handwerksbäckereien in Deutschland zum Jahresende 2006 einen Gesamtumsatz von 11,9 Mrd. Euro erzielt. Davon erwirtschafteten die 3.340 bayerischen Bäckereien nicht ganz 2,2 Mrd. Euro Jahresumsatz und schlossen mit diesem Wert an das Vorjahresergebnis an.

Optimistisch in die Zukunft

Die aktuelle Konjunkturumfrage des Verbandes zeige, dass der Anteil der Betriebe, die im letzten Jahr im positiven Ertragsbereich lagen, um 5 Punkte auf 69 Prozent stieg. Zudem erwarten fast 27 Prozent der befragten Unternehmen (2006: 21 Prozent), dass es mit der wirtschaftlichen Entwicklung weiter bergauf geht. Die Zahl derer, die eine negative Erwartungshaltung haben, ging von 13,5 auf 10,5 Prozent zurück. Positiv auch die Nachfrageentwicklung, der beim Backwaren-Absatz von 82 Prozent der Betriebe gesehen wird. 25 Prozent der Befragten hätten ihre Preise anpassen können. Nicht nur der iba in München wegen legten die Investitionen – vorrangig im Bereich der Maschinen und Ladeneinrichtungen – zu.

Trotz all der guten Nachrichten stellte der Landesinnungsmeister Forderungen an die Tarifpartner und die Politik, damit die Kostenbelastung der Betriebe nicht ausufert. Vor allem im Energiesektor bleibe noch viel zu tun. Breiten Raum nahm dann die Verpackungsverordnung ein. Traublinger sprach sich vehement gegen eine Zwangslizenzierung von Bäckereien, Konditoreien und Metzgereien als „wirtschafts- und umweltpolitischen Unsinn“ aus, weil deren „Verbrauchsverpackungen ohnehin vom Verbraucher überwiegend über den Restmüll entsorgt werden“. Trotzdem schließe die jetzt anstehenden 5. Novelle zur Verpackungsverordnung jegliche weitere Ausnahmeregelung aus. Dabei gehen „die Beiträge, die unserer Betriebe in den vergangenen 15 Jahren gespart haben, weit in den dreistelligen Millionenbereich“.

Jeder Einzelne könne die Belastung für sich leicht ausrechnen, indem er zu seinem jährlichen Verpackungskostenetat etwa 15 Prozent als Lizenzgebühr hinzurechnet – und das 15 Jahre lang. „Das wiegt jeden Innungsbeitrag auf“. Mit dem Dualen Entsorgungssystem ging der Landesinnungsmeister hart ins Gericht. Niemand solle sagen, dass damit kein Geschäft gemacht werde. Warum sonst wären US-amerikanische Investoren eingestiegen.

Beim Thema Bürokratieabbau hofft Traublinger auf die Unterstützung aus Europa. Er kritisierte, dass die politisch Verantwortlichen immer versuchen, alles mit Gesetzen zu regeln. „Es wird immer schwarze Schafe geben, und es darf nicht sein, dass man dann mit immer mehr Gesetzen denen, die ordentlich arbeiten, das Leben immer schwerer macht.“ Beim HACCP-System sollte die Leitlinie des Bäckerhandwerks ausreichen. Sie gewährleistet ein die betrieblichen Verhältnisse berücksichtigendes System von effizienten Eigenmaßnahmen zum Hygienemanagement. Eine Verschärfung der Maßnahmen zur Lebensmittelsicherheit mit Meldepflicht oder gar Denunzierungen hält er für ebenso überflüssig, wie eine Änderung bei den Mindesthaltbarkeitsregelungen.

Qualitätsgarant im Nahrungsmittelhandwerk sei die Meisterprüfung als Großer Befähigungsnachweis.

Energie und Kosten sparen

Die Festrede hielt Otmar Bernhard, Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz. Er versicherte, dass sein Ministerium den Dialog mit den Verbänden der Ernährungshandwerke auch in Zukunft intensiv weiterführen werden. Das Bäckerhandwerk sei dabei ein wichtiger Partner. Der Staatssekretär verwies darauf, dass kleine Handwerksbetriebe mit Hilfe des Umwelt-Leitfadens „Die umweltbewusste Bäckerei'', den das Umweltministerium gemeinsam mit dem Landesinnungsverband für das bayerische Bäckerhandwerk erarbeitet hat, und einem Umweltmanagementsystem mehrere tausend Euro pro Jahr einsparen und zugleich zur Klimaentlastung beitragen können. Bernhard forderte die Bäckereien auf, zukünftig verstärkt Umweltmanagementsysteme einzuführen. Ein Forschungsprojekt mit mehreren Hundert beteiligten Firmen habe gezeigt, dass eine umweltbewusste Betriebsführung Hand in Hand geht mit Qualitäts-, Produkt- und Kostenoptimierung.

Gerade im Bäckerhandwerk sei zum Backen und Kühlen sehr viel Energie nötig. „Da sind bereits mit kleinen Tricks und Verhaltensregeln in der Arbeitsorganisation sowie effizientere Technik enorme Einsparungen möglich“, so Bernhard. Im Zuge der Evaluation zur Einführung von Umweltmanagementsystemen hätten fast 90 Prozent der antwortenden Unternehmen bestätigt, dass ein solches System zu einer kontinuierlichen Verbesserung der Umweltleistung führt. 61 Prozent bescheinigten dauerhafte Kostenersparnisse. So kann eine Bäckerei mit einem Jahresdurchsatz von rund 120 Tonnen Mehl allein durch Effizienzmaßnahmen im Bereich Energie jährlich zwischen 4600 und 12.000 Euro einsparen. Ähnliches gilt beim Kraftstoffverbrauch: Allein durch Routenplanung und Fahrertraining sind ohne Investitionen Ersparnisse von rund 2500 Euro im Jahr möglich.

Für die Meisterfrauen gab es statt der Regularien einen Workshop. Torsten Schröter, der schon auf den Unternehmensführungstagen des LIV überzeugt hatte, informierte die Unternehmerinnen über Mitarbeiterführung und Motivation.

Auf der Mitgliederversammlung fanden derweil die turnusmäßigen Wahlen des Landesvorstandes statt. Zuvor aber wurden stellv. LIM Otto Wirth, OM der Bäckerinnung Schweinfurt (Unterfranken) und EOM Wilhelm Gräf, bis 2005 OM der Bäckerinnung Fürth (Mittelfranken) die aus dem Vorstand ausgeschieden sind, einstimmig zu Ehrenmitgliedern des Landesverbandes gewählt. „Eine seltene Auszeichnung, die nicht vergeben wird, sondern die sich der Geehrte ehrlich erarbeiten muss“, bestätigte der Landesinnungsmeister, bevor er den beiden neuen Titelträgern gratulierte. Die Geehrten hätten sich neben ihrem Engagement für den Berufsstand auch ehrenamtlich für die Gesellschaft eingesetzt.

Ebenfalls verabschiedet wurden OM Manfred Kerschbaum, Bäckerinnung Nürnberg EOM Wilhelm Oswald, bis 2006 OM Berchtesgadener Land und Horst Wiesner, ehemaliger OM der Bäckerinnung Rottal-Inn.

Starkes Führungsteam gewählt

Die 138 stimmberechtigten Delegierten wählten ihren neuen Vorstand nahezu einstimmig:

Mit 131 Ja-Stimmen bleibt der Präsident des Bayerischen Handwerkstages und der Handwerkkammer für München und Oberbayern, Heinrich Traublinger, im Amt des Landesinnungsmeisters. Stellvertretende Landesinnungsmeister wurden Manfred Gebel und Karl-Heinz Hoffmann.

Der neue geschäftsführende Vorstand setzt sich aus OM Wolfgang Rhein, Bäckerinnung (BI) Mittelfranken-Süd, Josef Magerl, Joachim Grosch, OM Kurt Held, BI Westmittelfranken, und Ludwig J. Schuster zusammen. Dem Landesvorstand gehören außerdem an: OM Klaus Schneider, BI Traunstein, OM Thomas Spindler, BI Rottal-Inn, OM Fritz Berg, BI Cham, OM Alois Schmittinger, BI Bamberg, OM Jochen Meyer, BI Erlangen, Erich Stappel, ehemalige OM der BI Miltenberg-Obernburg, und OM Hans Gotzler, BI Sonthofen.


Artikel vom 10.05.2007
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