Regional
Handwerklichkeit und Hygiene sind Trumpf
Prof. Dr. Walter Freund bei Innung Stuttgart: Vorteile eines kleinen Betriebes besser nutzen / Innungsgeschäftsführer in Ruhestand verabschiedet

Haben die internationalen Kontakte der südback aufgebaut: Die Ehren-OM Gerhard Sailer (l.), Rudolf Frank (r.) und GF Günter Semmig. Fotos: Kauffmann Fotos: Kauffmann
Bei den jährlichen Zusammenkünften ist es mittlerweile schon Tradition, dass die Innung sich in der Backstube eines Mitglieds trifft, in diesem Jahr in der neuen Bäckerei von Jochen und Martina Sauter in Stuttgart-Weilimdorf. Zusätzlich wird von der Innung auch ein regelmäßiger Stammtisch angeboten, der „sehr erfolgreich ist, aber leider immer nur die gleichen Gesichter zeigt“, so Obermeister Siegel.
Er plädiert dafür, dass die Kollegen noch enger zusammenrücken und mehr Engagement für die Mitgliederinteressen zum Wohle Aller zeigen. Er habe hier noch viele Ideen, wie man sich gemeinsam aktiv gegen den Wettbewerbsdruck von außen stemmen könne. Den einzelnen Kollegen empfiehlt er besonders, stärker auf die Gastro-Schiene zu setzen. Hier gebe es für jeden noch Potenzial, das genutzt werden sollte: „Wer nur Backwaren anbietet, verkauft auch nur Backwaren.“
Mit der in den letzten zwei Jahren durchgeführten Eingliederung der Innungsgeschäftsstelle in die Räume und die administrativen Abläufe des Landesinnungsverbands konnte nun auch der langjährige und verdiente Innungsgeschäftsführer Günter Semmig (GF) in den Ruhestand verabschiedet werden. Semmig führte seit 1983 die Geschäfte der Innung und auch der Fördergesellschaft des Stuttgarter Bäckerhandwerks, in deren Diensten er 17 Mal die südback mitgestaltet hat. In seiner Laudatio bedankte sich Ehrenobermeister Gerhard Sailer: „Ich habe gerne mit Ihnen zusammengearbeitet“ und wies auf den gemeinsamen Aufbau der internationalen Kontakte für die südback hin, bei der sie gemeinsam sie mit Ehren-OM Rudolf Frank im Dreigestirn die Verbindungen gepflegt haben.
Den seit 2005 neu organisierten Aufbau der Lebensmittelüberwachung in Stuttgart skizzierte deren Leiter, Dr. Thomas Stegmanns und warb bei den Stuttgarter Bäckern für Verständnis bzgl. der Kontrollbesuche. Begleitend zeigte er aktuelle Fotos von Betriebskontrollen, die keine Diskussion über eine andere als eine negative Bewertung zuließen. Die Stuttgarter Kontrolleure seien alle aus dem Handwerk und sehen genau, was in der täglichen Produktion entstehe oder was schon länger danebengehe. „Über kleine Mängel kann man reden, doch bestimmte Dinge müssen eben eingehalten werden“, so Dr. Stegmanns Fazit.
Die Handwerklichkeit der Backwaren stärker herauszustellen, dabei aber gleichmäßige Spitzenqualität zu liefern – das riet Prof. Dr. Walter Freund den Bäckern in seinem Vortrag „Bäcker werden an ihren Produkten gemessen“. Die Verbraucher seien durch die immer weiter fortschreitende Filialisierung verunsichert und könnten handwerkliche nicht mehr von industriell hergestellten Produkten unterscheiden.
Hier gelte es, eingefahrene Wege zu verlassen und die Vorteile eines kleinen Betriebes konsequent zu nutzen. Dazu gehören Backwaren, wie handgeformtes Brot, die es so nur beim Handwerker gibt – aber alles in Top-Qualität.
Voraussetzung ist die volle Identifikation des Bäckers mit seinen Produkten und Rohstoffen sowie eine ausführliche Kommunikation: „Der Kunde muss beim Verzehr der Backwaren das Gefühl haben, eine besondere Köstlichkeit zu essen.“
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