Baden & Württemberg
Handwerk vor neuen Herausforderungen
Landesverbandstagung der Baden-Württembergischen Unternehmerfrauen

Bringen das Handwerk mit ihren Ideen voran: Joachim Möhrle (von links), Brigitte Kreisinger, Oswald Metzger, Horst Schurr und Ulrich Lutz. Foto: ufh
Für ihre Lebendigkeit sind die ufh-Tage der Südwest-Frauen bekannt. Der diesjährige fand im Überlinger Hotel St. Leonhard statt. Engagiert hatte die querdenkenden Referenten ufh-Landespräsidentin Brigitte Kreisinger. Im Beisein von viel politischer Prominenz hielt die Ebersbacherin eine kämpferische Rede, in der sie von „GEZ-Verhörpraktiken im Mittelstand“ bis zur Dokumentation von Lkw-Betriebsfahrten an vielen Einzelbeispielen süffisant aufzeigte, dass Entbürokratisierung noch immer nur eine Phrase ist.
Obwohl selbst CDU-Kommunalpolitikerin, bereitete Kreisinger dem früheren haushaltspolitischen Sprecher der Grünen im Bundestag, Oswald Metzger, die Bühne, auf der er seine wertkonservativen Thesen in freier Rede, aber gespickt mit vielen Fakten, entfalten konnte. Demnach müssten die politischen Reformen, die die Eigenverantwortung des Einzelnen stärken, weitergehen. Am Beispiel der Pflegeversicherung machte der Landtagsabgeordnete aber deutlich, dass das Gegenteil der Fall ist.
Dass Veränderung Chancen bietet, zeigte der Waiblinger Zukunftsforscher Oliver W. Schwarzmann auf. Der Klimawandel werde das Handwerk vor ganz neue Herausforderungen stellen, weil Energie zum teuren Gut wird. Da gelte es, durch gedämmte Fassaden und gläserne Fronten Energie zu sparen oder diese regenerativ zu erzeugen. Weil heute zwei Prozent der Weltbevölkerung in den zehn größten Städten der Welt ein Fünftel des internationalen Bruttosozialproduktes erwirtschaften, sei klar, dass die ökonomische Zukunft in der Urbanisierung liegt. Handwerker, die solche Fakten zu interpretieren wüssten, könnten daraus Kundenlösungen entwickeln, die nicht mehr dem Preisdiktat unterliegen.
Der Präsident des Baden-Württembergischen Handwerkstags, Joachim Möhrle, attestierte dem ufh, das Handwerk mit seinen vielen Impulsen zu beleben. Zwar seien die Ideen gelegentlich auch unbequem, aber „einschlafen will das Handwerk ja schließlich auch nicht.“ Angesichts der Tatsache, dass im Handwerk fast zwei Drittel aller Lehrlinge Hauptschulabschluss haben, forderte der Reutlinger, die Grundschüler bis zur sechsten Klasse gemeinsam zu unterrichten.
Der baden-württembergische ufh hat in 34 Arbeitskreisen 2300 Mitglieder. Diese stehen für 10.000 Arbeitsplätze und 0,5 Mrd. Euro Umsatz pro Jahr. Bei ihren monatlichen AK-Treffen befassen sich die oft branchenfremd ausgebildeten Mitglieder mit Betriebswirtschaft, Marketing oder Mitarbeiterführung. www.ufh-bw.de
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