Baden & Württemberg
Gute Lebensmittel schmackhaft machen
Bäckerei Berroth bringt Verbraucher und Politiker in seiner Backstube ins Gespräch

Bundestagsabgeordneter Norbert Barthle, Harald Berroth, die Staatssekretäre Friedlinde Gurr-Hirsch und Dr. Stefan Scheffold (von links) stellten sich dem Gespräch mit den Verbrauchern. Foto: Götz
Harald Berroth startete die Veranstaltung mit einem Rundgang durch den Betrieb. Ausführlich erklärte er die Abläufe in einer modernen Backstube. Trotz ausgereifter Technik sei vieles Handarbeit und erfordere Können und Geschick der Bäcker. Die Verbraucher erfuhren, welche Rolle Natursauer und regionale Produkte im Hause Berroth spielen, dass Fertigmischungen bei Berroths nicht in den Teig kommen und dass in den 10 Filialen der Bäckerei bis abends gebacken wird.
Zum individuellen Profil des Hauses gehört der konsequente Einsatz von Rohstoffen aus der Region, das Motivieren und Schulen der rund 85 Mitarbeiter sowie eine Vielzahl attraktiver Aktionen. Eine davon war der Tag der offenen Türe, an dem bis zu 10.000 Besucher in der Backstube gezählt wurden, andere luden Kinder zum Backen ein, wieder eine andere bescherten Blutspendern Gratis-Brot und -Brötchen.
Im Anschluss an die Betriebsbesichtigung fanden sich die rund 80 Besucher im Aufenthaltsraum der Bäckerei zusammen, um sich mit den Politikern auszutauschen. Staatssekretärin Gurr-Hirsch zeigte sich nicht nur politisch als kompetente Gesprächspartnerin, sondern auch durch ihre persönlichen Wurzeln dem Nahrungsmittelhandwerk verbunden. Ein Bruder ist Bäckermeister, einer Metzgermeister, berichtete sie und bewies interne Kenntnis beider Branchen.
Das Ministerium Ländlicher Raum hat ein breites Zuständigkeitsspektrum, das von Ernährung, über Tierschutz bis zum Verbraucherschutz aus gesundheitlicher Sicht reicht. In Baden-Württemberg werden 60 Prozent der Fläche landwirtschaftlich genützt und 40 Prozent der Bevölkerung arbeitet in diesem Bereich, was jedem neunten Arbeitsplatz entspricht. Die Staatssekretärin bemängelte, die Menschen sollten den Wert von Lebensmitteln wieder mehr schätzen und nicht nur Billigwaren kaufen.
Landesinnungsverband-Geschäftsführer, Andreas Kofler, legte Zahlen über das Bäckerhandwerk vor. Er bedauerte, nirgends werde so viel Geld für Kücheneinrichtungen ausgegeben wie in Deutschland, „aber an den Lebensmitteln, die darin zubereitet werden sollen, sparen wir“.
Die Staatssekretärin griff den Gedanken auf und erklärte: „Wenn an Lebensmitteln gespart wird, müssen die Produzierenden an Rohmaterial, Verarbeitung, Frische und Qualität sparen“. Der Verbraucher müsse lernen darüber nachzudenken, was in dem „Zeug“ überhaupt noch drin sein könne, wenn es so billig verkauft wird. Hinter einem Lebensmittel stehen Rohstoffe, Landwirte, Verarbeiter, Verpackung und Transport, all das kostet Geld und muss bezahlt werden. Aufklärung über den Wert von Lebensmitteln, über den Umgang damit, über die richtige Zubereitung und gesunde Ernährung soll künftig verstärkt bereits Kindern vermittelt werden. Zum einen erreicht man Kinder durch die Ganztagsverpflegung an den Schulen, zum anderen über kindgerechte Kochkurse und Ernährungsinfos. Weitere Verbraucheraufklärung leisten Aktionen wie die Gläserne Produktion und der Blickpunkt Ernährung, der jeweils einzelne Lebensmittel und ihre Erzeugung beleuchtet und öffentlichkeitswirksam präsentiert. Schwerpunkt der Botschaft ist stets die Aussage, dass richtige Ernährung gesunde Ernährung ist und gesund sowohl „regional“ als auch „saisonal“ bedeutet.
Harald Berroth warf ein, dass es nicht einfach sei, den Kunden den Wert regionaler Rohstoffe zu vermitteln. Dafür, dass beispielsweise HQZ-Getreide mehr kostet als konventionelles, zeigen sie wenig Verständnis. Zur Kostensituation der Betriebe erklärte er, 23 Prozent der Produktionskosten würden für Material eingesetzt, rund 44 Prozent für Personal, rechne man die stets ansteigenden Allgemeinkosten hinzu, könne man abschätzen, wie sich der Erlös für den Betrieb gestaltet.
In der Fragerunde wandten sich Verbraucher an die Staatssekretärin und machten deutlich, dass große Familien mit geringem Einkommen an jedem Cent sparen müssen. Der Einkauf beim Discounter gehe nunmal schnell und sei billig. Friedlinde Gurr-Hirsch warf ein, Sparen sei leider Volkssport und Hobby geworden.
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