Bayern
Gesucht: Bayerns schnellster Bäcker
Medienwirksamer Wettbewerb von LIV Bayern und BR: In Schwaben machte Gisela Reisacher das Rennen

Mit der Siegerin Gisela Reisacher (3.v.l.) freuen sich (v.l.) Jochen Walter, Reinhold Regenbogen, Karin Schuster, OM Peter Schuster, Hubert Wipper und Dr. Wolfgang Betz (Münchener Verein). OM Ludwig Schuster (v.) verteilte die Trostpreise: je ein Bäc
„Bayern schnellster Bäcker ist“, so die Pressemitteilung des LIV, „ein öffentlicher Geschicklichkeitswettbewerb, bei dem die Teilnehmer zeigen müssen, dass sie bayerische Traditionsgebäcke wie Brezn, Mohnzöpfe und Knopfsemmeln schnell und dennoch in guter Qualität herstellen können. Gefragt sind dabei flinke Finger und – da der Wettstreit vor Publikum stattfindet – auch gute Nerven.“ Was aus dem Pressetext nicht hervorgeht: Die Kandidaten müssen außerdem kälte- und wasserresistent sein – jedenfalls in Kempten. Hier fand der Wettbewerb am BR-Stand bei strömendem Regen und 12°C statt. Die sieben Kandidaten mussten schon schnell arbeiten, um selbst auf Betriebstemperatur zu kommen. Die Teilnehmer:
Hannes Fohry (38) aus der Bäckerei Posselt in Kaufbeuren, Reinhold Regenbogen (27), Vöhringen, der zurzeit in CH-Arosa arbeitet und beim Neu-Ulmer OM Kurt Wiedenmayer gelernt hatte. Gisela Reisacher (26) aus Legau arbeitet in der Bäckerei Rothach in Hawangen, ist im Lehrlings-Prüfungsausschuss tätig und wurde vom Memminger Lehrlingswart Günther Landerer auf den Wettbewerb angesprochen. Petra Schmalholz (31) aus Altusried – die erst vier Tage vorher die Wettbewerbsaufgaben studieren konnte und sich dann schnell wieder mit der Flechtreihenfolge der mehrsträngigen Zöpfe vertraut machen musste. Jonasz Szyczyglinki (27) aus Kempten, Bäckerei Trunzer in Dietmannsried, machte aus Spaß mit und war einer der wenigen, die sich noch nicht zum Meisterkurs in Lochham angemeldet hatten. Das traf auch für Herbert Wagner (30) aus Oberstaufen aus der Sonthofener Bäckerei Münzel zu. Jochen Walter (24), Geselle in der Landbäckerei Sinz in Durach, kommt aus einer Bäckerfamilie und will im Februar auf die Akademie gehen.
Die Aufgabe der Kandidaten war es, in möglichst kurzer Zeit Kleingebäcke mit der Hand herzustellen. Im Wettbewerb, bei dem sowohl die Geschwindigkeit als auch die Form der hergestellten Gebäcke bewertet wurde, mussten 25 Brezeln geschlungen, 25 Mohnzöpfe und ebenso viele Knopfsemmeln sowie drei mehrsträngige Zöpfe geflochten werden. Dabei waren die vorbereiteten Teigstücke aus der Bäckerei Hubert Wipper von Hand zu einem Vier-Strang-Zopf, einem Fünf-Strang-Zopf und einem Sechs-Strang-Zopf zu formen – eine Arbeit, die nicht mehr in vielen Bäckereien zum Tagesgeschäft gehört. Trotzdem schlugen sich alle Kandidaten bravourös. Angefeuert von Kollegen und Messebesuchern, die trotz Dauerregen den BR-Stand umlagerten, legten alle Gesellen hervorragende Zeiten vor und brachten damit die Jury ins Schwitzen. Bezirkslehrlingswart Michael Stadtmüller, Kemptens ehem. OM Heinz Grünwald, OM Hans Gotzler von der Bäcker-Innung Oberallgäu-Sonthofen, Augsburgs Lehrlingswart Andreas Gleich und OM Kurt Wiedemayer stoppten die Sekunden. Die Schnellsten schafften die Knopfsemmeln in knapp einer Minute und brauchten bis zu drei Minuten für die Brezeln. Aufgegeben hat niemand.
Während dessen informierte Augsburgs OM Ludwig J. Schuster im Interview mit BR-Moderator Hajo Schröder die Rundfunkhörer live im Radio über das Bäckerhandwerk. Er warb für den Beruf, für handwerkliche Backwaren und sprach über die Nachwuchskampagne „Au backe – Zukunft?“. Und damit es nicht zu theoretisch wurde, verteilten die Kemptner Kollegen, allen voran OM Peter Schuster und seine Frau Karin, die auch die Standorganisation voll im Griff hatten, frische Brezen an die Zuschauer. Übrigens: „Schwabens schnellster Bäcker“ wurde eine Bäckerin: Gisela Reisacher schlug mit 660 Punkten Jochen Walter, der 623 Punkte erreichte. Dritter wurde mit 587 Punkten Jonasz Szczyglinsky.
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