Hessen

Gegen Zwangsmitgliedschaft

Versammlung der Bäckerinnung Schwalm-Eder


Homberg-Efze (dtp). Während der Versammlung der Bäckerinnung Schwalm-Eder war über Aussagen von ZV-Präsidenten Peter Becker diskutiert worden. Er ist auch Präsident der Handwerkskammer Hamburg. Becker hatte auf dem letzten Verbandstag in Schleswig-Holstein die Forderung erhoben, die Mitgliedschaft in den Innungen solle Pflicht werden.

Aus Sicht der Innungsmitglieder wurde dieser Vorschlag als kontraproduktiv eingeschätzt. Der Zwang als Instrument um Selbstverwaltung sicher zustellen entspreche nicht der heutigen Zeit, meinte OM Günter Gronowski. „Wir brauchen leistungsstarke Partner vor Ort, die den Betrieben helfen, ihre Probleme zu lösen.” Die Innung sehe sich als Dienstleister an der Basis, in der die Betriebe freiwillig Mitglied sind. Mit Blick auf die vermehrte öffentliche Diskussion zur Abschaffung der Pflichtmitgliedschaft bei den Kammern meinte OM Gronowski: „Es stimmt nachdenklich, wenn ein Kammerpräsident genau das fordert, was öffentlich zur Disposition steht.”

Auch Bäckermeister Klaus Schott, Kreishandwerksmeister und vor der Fusion selbst OM im Schwalm-Eder-Kreis, sprach sich deutlich gegen die Forderung Beckers aus. Innungen und Verbände müssten sich als Dienstleister bewähren. Wenn der Organisationsgrad in einigen Innungen nicht den Vorstellungen entspreche, dann müssten Verband und Innung ihr Angebot überdenken. „Wenn ein Bäcker seine Produkte nicht mehr verkaufen kann, dann muss er über seine Arbeit nachdenken, und nicht den Kunden mit Kaufzwang drohen,” sagte Schott.

Gute Marktchancen sieht OM Günter Gronowski für handwerklich gefertigte Backwaren und damit für die Betriebe im Schwalm-Eder-Kreis. Zwar sei der Markt weiterhin unter Druck, aber das mittelständische Bäckerhandwerk könne sich gut behaupten. Besonders die Frische und Qualität schätzten die Kunden. Hier gelte es auch für die Betriebe anzusetzen. Die Sicherung und Steigerung der Qualität sollte bei den Innungsmitgliedern an erster Stelle stehen. „Die Qualität ist der Schlüssel zum Erfolg,” sagte OM Gronowski und warb für die Brot- und Brötchenprüfung. Die sei den Kollegen kostengünstig eine wichtige Hilfe zur Qualitätssicherung.

Als lukrativ beschrieb der Obermeister das Bistro-Geschäft sowie das Betreiben von Cafés. Hier würden ähnlich gute Ergebnisse wie im Vorjahr zu erwarten sein. Als positiv sah er weiter die -nderungen im Zusammenhang mit der Gaststätten-Verordnung. „Sie helfen den Betrieben ohne große Investitionen mehr Service und Komfort anzubieten.” Gronowski lobte in diesem Zusammenhang den BIV Hessen, der sich engagiert für die -nderungen eingesetzt habe.

Das Ausbildungsjahr für den Beruf der Fachverkäuferin im Bäcker-Handwerk habe ein sattes Plus gezeigt. Die Zahl der Lehrverträge sei von 73 in 2003 auf jetzt 84 in 2004 gestiegen.


Artikel vom 28.07.2005
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