Hessen

Gegen Langfinger in den eigenen Reihen

Aufschlussreicher Vortrag bei der Bäcker- und Fleischerinnung Bergstraße


Heppenheim (dtp). „Tatort Filiale“ lautete die Überschrift der Einladung zu einem Vortrag für die Mitglieder der Bäcker- und Fleischerinnungen Bergstraße. Zu Zeiten knappen Geldes, stagnierender Umsätze und steigender Kosten in den Betrieben sollte „Schwund“ nicht auf die leichte Schulter genommen werden. So sei es besonders für Betriebe mit Filialen ein wesentlicher Punkt, dem Griff in die Kasse durch das eigene Personal entgegen zu treten. OM Siegfried Gebhardt (Bäcker) sagte: „Leider kommt es immer wieder vor, dass das Verkaufspersonal nicht ehrlich ist und damit großer finanzieller Schaden entsteht.“

Berthold Breitenstein von einer Wirtschafts-Detektei war als Referent zu dieser Thematik gewonnen worden. Der gelernte Bäcker, seit zehn Jahren im Metier Sicherheitskonzepte tätig, ergänzte abschließend seine Ausführungen mit der Darstellung von Diebstahl aus Ladenkassen per Video-Filmen.

Er begann mit Durchschnittswerten. So haben in Nordrhein-Westfalen rund 80 Prozent der Bäckereien eine Diebstahlsquote von vier bis fünf Prozent vom Umsatz.

Das Durchschnittsalter der Täter liege häufig im Bereich von 26 bis 35 Jahren und dann wieder zwischen 46 bis 55 Jahren. Am häufigsten klauten Mitarbeiter die knapp ein Jahr oder dann zwischen sechs und zehn Jahren dem Betrieb angehören. „Diese Leute kennen die Löcher im Betrieb besser als der Chef,“ ergänzte Breitenstein und fügte an, nach überregionalen Erkenntnissen sei nur auf 30 Prozent der Mitarbeiter total Verlass.

Als Signale für Manipulationen an der Kasse nannte er:

–steigende Zahlen einzeln verkaufter Brötchen,

– häufigere Stornos,

– lange Öffnungszeiten der Kasse/n,

– Stundenumsätze im Zeitvergleich,

–Stundenumsätze im Personalvergleich.

Breitenstein empfahl den Betriebsinhabern zu versuchen, eine Antenne hinsichtlich Diebstahl zu entwickeln und Veränderungen zu beachten.

Nach der Darstellung einiger Möglichkeiten von Manipulationen an Kassen sagte der Referent, dagegen hilfreich sei zum Beispiel, jedem Artikel eine Nummer zu geben. Nicht angemeldet, könne eine Tagesinventur oder ein Kassensturz Aufschlüsse bringen.

Als wirksam habe sich auch schon gezeigt, dass jede Filiale wie ein Wieder-Verkäufer behandelt wird. Dabei sei die Handhabung von Lieferscheinen besonders wichtig sowie darauf zu achten, dass Annahme von Retouren und Zählungen immer von anderen Personen als den ursprünglich damit Befassten durchgeführt wird. Weiter sei es schon oft hilfreich gewesen, kurzfristig das Personal im Rahmen der vorhandenen Stellen ohne vorherige Ankündigung in anderen Filialen einzusetzen. Ebenso habe es manchmal fast Wunder gewirkt, wenn Touren plötzlich anders besetzt werden. Hin und wieder könne auch eine Schwundkontrolle einzelner Artikel zum Erfolg führen. Allein ein Hinweis auf verstärkte Kontrollen sowie Überwachungen löse häufig einen Rückgang an Fehlfunktionen aus.

Kontrollen per Video-Kamera seien nur dann gerechtfertigt, wenn vorher schon Unregelmäßigkeiten vorgekommen seien. Danach sei aber das Personal zu informieren. Wenn laufende Videokontrolle in einer Verkaufsstelle durchgeführt wird, sei auch die Kundschaft mittels eines Hinweises oder Schildes zu informieren. Breitenstein empfahl, Verkäuferinnen schon im Anstellungsvertrag auf Video-Überwachung hin zuweisen und mit Unterzeichnung des Vertrages generelle Einverständnis dafür zu erwirken.


Artikel vom 09.09.2005
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