Regional

Fusion zur Landesinnung vorerst aufgeschoben

Schleswig-Holsteins Obermeister tagten in Neumünster / LIM Rathjen: „Wir sind überorganisiert“ / Mehr verbandsübergreifendende Kooperation


Schleswig-HolsteinNeumünster (hhl). „Innungsfusion“ stand nicht ganz oben auf der Tagesordnung. Aber es war das zentrale Thema des Arbeitskreises der Obermeister in Neumünster. Das Ergebnis:

Die Bemühungen, die sieben Innungen in Schleswig-Holstein zu einer Innung zusammenzuschließen, wurden auf Eis gelegt. Martin Jeß (Innung Steinburg, 15 Mitglieder) und Horst Vorpahl (Innung Schleswig-Flensburg, 32 Mitglieder) erklärten, dass sich ihre Mitglieder und Vorstände deutlich gegen eine Zusammenlegung ausgesprochen hätten. Joachim Jonsson (Innung Plön/ Ostholstein, 36 Mitglieder) berichtete, dass in „seiner Innung“ kontrovers diskutiert worden sei, aber erst auf der nächsten Versammlung darüber abgestimmt werde. Er sehe keine Mehrheit für die Fusion.

Die Zusammenlegung der Innungen ist Landesinnungsmeister Holger Rathjen seit langem ein wichtiges Anliegen. „Wir sind überorganisiert“, sagte er. Die Gründe für eine Fusion sieht der Landesvorstand in einer schlagkräftigen und fachkompetenten Verwaltung und Geschäftsführung, die die BKV-Nord übernehmen solle. Mit der Fusion könnten Kosten eingespart werden, z. B. durch straffere Arbeitsabläufe und bei der Besetzungen von Ehrenämtern.

Fusions-Gegner befürchten, dass eine einzige Innung für das ganze Bundesland zu groß und anonym sei und der Kontakt zu den einzelnen Mitgliedern verloren gehe. Auch könnten die Interessen vor Ort nicht mehr persönlich vertreten werden. Fünf der sieben Innungen in Schleswig-Holstein werden von Kreishandwerkerschaften betreut.

Weitere Innungsfusionen

Die guten Erfahrungen, die fusionserfahrene Kollegen wie Martin Martensen und Heinrich Kolls beschrieben, konnten die Fusions-Gegnern nicht überzeugen. „Wir werden das Thema jetzt beenden“, sagte ein enttäuschter Holger Rathjen. Er kündigte an, dass auf Innungs-Ebene weitergearbeitet werde. „Die Innung Holstein wird sich der Innung Nord nähern“. Wenn „Nord“ und „Holstein“ zusammengehen, werden sie mit knapp 170 Mitgliedern die größte Innung im Land sein. Für einige Mitglieder der Innung Holstein wäre es ihre fünfte Fusion. Die kleinsten Innungen sind „die Inseln“. Die Innung Sylt hat neun Mitglieder. Die Innung Amrum/Föhr hat sechs Mitglieder. Landesweit gibt es 272 Innungsbäckereien.

Hans-Jürgen Tackmann schlug vor, zu überlegen, den Vorstand des Landesverbands um die Obermeister zu erweitern. Bisher trifft sich der Vorstand und berät die aktuellen Themen, um sie anschließend noch einmal mit den Obermeistern zu diskutieren. Der Landesinnungsverband will sich mit Verbänden in Schleswig-Holstein treffen, die ähnliche Interessen haben wie die Bäcker.

„Wir suchen Verbündete und Sympathisanten, um politisch mehr Gewicht und Einfluss zu erreichen“, sagte Heinz Essel, BKV-Nord-Geschäftsführer. Noch in diesem Monat stehen Gespräche mit dem Bauernverband an. „Wir wollen darüber sprechen, dass wir uns gegenseitig unterstützen und nicht mit öffentlichen Mehlpreis- und Backpreis-Diskussionen schaden“, sagte Holger Rathjen.


Artikel vom 09.12.2009
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