Saarland
Fusion zur Landesinnung ist vorerst gescheitert
Delegiertenversammlung des Bäckerinnungsverbands Saarland: Weiterhin vier Bäckerinnungen im Saarland / Meinungsbildung geht weiter
Saarbrücken (gal). Die angestrebte Fusion der vier Bäckerinnungen im Saarland zu einer einzigen Landesinnung ist vorerst gescheitert. Die Delegierten der Herbstversammlung in der Handwerkskammer des Saarlandes stimmten zwar überwiegend für die Fusion, aber es kam nicht zur erforderlichen Dreiviertel-Mehrheit der Stimmen bei jeder einzelnen Innung. Während die drei Innungen Saarbrücken, Ottweiler-St. Wendel und Saar-Pfalz jeweils zu 100 Prozent für die Fusion stimmten, gab es in der Innung Saarlouis-Merzig mehrere Gegenstimmen und lediglich 71,2 Prozent Zustimmung.
Damit ist der Versuch eine Landesinnung zu bilden, fürs erste gescheitert. Die Kollegen der Innung Saarlouis-Merzig wollen intern den Meinungsbildungsprozess fortsetzen.
Namhafte Fürsprecher
Vor der spannenden Abstimmung mit Stimmzetteln hatten sich Landesinnungsmeister Roland Schaefer, Geschäftsführer Gerd Wohlschlegel und alle Obermeister der vier Innungen für die Fusion ausgesprochen. Obermeister Karl-Heinz Kolb deutete jedoch bereits an, dass es in der Innung Bäckerinnung Saarlouis-Merzig noch Diskussionsbedarf gebe. Alle Redner verwiesen auf die sinkende Tendenz der Mitgliederzahlen. In den vier Innungen sind zurzeit noch 260 Mitglieder organisiert. Landesinnungsmeister Schaefer führte nicht nur finanzielle Aspekte an, sondern betonte mehrfach, dass immer weniger Mitglieder zu Veranstaltungen der einzelnen Innungen erschienen. „Verändere dich, bevor du musst!“, gab er als Motto aus.
In der Aussprache plädierten ebenfalls die meisten für die Fusion. Da wurde auch klargestellt, dass die verschiedenen Sterbekassen weiterhin separat geführt werden sollen. Schließlich empfahl auch der Präsident der Handwerkskammer Hans-Alois Kirf den Delegierten: „Entscheiden Sie sich für die Landesinnung mit dem Landesinnungsverband im Rücken.“ Doch es kam anders.
Wie immer bei den Versammlungen des Bäckerinnungsverbandes und der Innungen gab es ein interessantes Referat. Andrea Juchem von der Juchem Gruppe sprach über „Gentechnik und Lebensmittel – Der Verbraucher als Versuchskaninchen“. Sie wies auf die Diskrepanz zwischen tatsächlichem, wissenschaftlich belegbarem Risiko und öffentlicher Meinung hin.
Thema „Genmanipulation“
Bereits der Ausdruck „Genmanipulation“ sei negativ belegt. Juchem sprach von „Genmodifikation“, die zur Gentechnik gehöre, welche wiederum ein Teil der Biotechnologie sei. Gentechnik untersuche, auf welchem Abschnitt der DNS von Pflanzen die Bausteine lägen, die für die Bildung von bestimmten Enzymen verantwortlich sind. Beim Mais wurde durch Gentechnik eine Resistenz gegen Insekten erreicht, indem sich die Pflanze nun mit demselben Stoff schützt, der sonst über Spritzen eingesetzt werden müsste. Soja wurde ein Gen eingepflanzt, welches eine Herbizidresistenz bewirkt, so dass weniger gespritzt werden muss.
Juchem verwies darauf, dass in Amerika längst gentechnisch veränderte Lebensmittel selbstverständlich sind. In Europa besteht jedoch Kennzeichnungspflicht für Lebensmittel, nicht für Enzyme, Vitamine und Aromen, die mittels Gentechnik produziert wurden. Nicht kennzeichnungspflichtig sind auch Produkte von Tieren, die mit gentechnisch veränderten Lebensmitteln gefüttert wurden. Juchem betonte, nach heutigem Stand der Wissenschaft sei es überhaupt nicht ersichtlich, dass gentechnisch modifizierte Lebensmittel einen Einfluss auf das Erbgut von Menschen haben könnten. Die Nahrung werde immer vom Körper verarbeitet. Vielversprechend seien die Bemühungen, mittels Genmanipulation Betroffenen mit Glutenunverträglichkeit und Allergien zu helfen.
„Vielen Dank, Sie haben uns die Angst vor der Gentechnik genommen“, sagte Geschäftsführer Wohlschlegel im Anschluss an den Vortrag.
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