Regional

Faire Preise sichern Getreideversorgung vor Ort

Kulmbacher Bäckerinnung und Landwirte schließen Vereinbarung / Bislang zahlen sechs Bäckereien freiwillig mehr für Rohstoffe aus der Region


BayernKulmbach (die). Einen Pakt für gerechte Getreidepreise schloss Anfang März die Bäckerinnung Kulmbach mit dem Bauernverband des Landkreises Kulmbach. Freiwillig sechs Euro mehr für den Doppelzentner Getreide werden einige der Nahrungsmittel produzierenden Handwerksbetriebe nun bezahlen. Die Innung will damit die Landwirte der Region bei ihrem Ringen um faire Preise finanziell unterstützen.

Initiator und Ideengeber für die bisher einzigartigen Vereinbarung ist Ralf Groß, Obermeister der Bäckerinnung Kulmbach und Inhaber der Kulmbacher Bäckerei „Grünwehr-Beck“. Er begründete und bedauerte gleichzeitig: In der Vergangenheit hätten viele Landwirte den Getreideanbau aufgegeben, da dieser nicht mehr rentabel sei. Viele Felder seien etwa durch Aufstellen von Photovoltaikanlagen für immer still gelegt worden. Der Bäckermeister zeigte Verständnis: „Wenn nichts mehr verdient wird, wird eben nichts mehr angebaut.“

Befürchtet wurde von ihm, dass die Bäckereien in ganz Deutschland in einigen Jahren nur noch auf den Getreideimport aus dem Ausland angewiesen sein würden und dann jeden geforderten Preis für die Backwarenrohstoffe bezahlen müssten. Groß: „Ich kann das nicht mehr mit ansehen, unsere Infrastruktur wird vernichtet, da tut mir das Herz weh.“

Inzwischen hätten sich sechs Bäckereien im Landkreis Kulmbach dazu bereit erklärt, sich anzuschließen. Die Vereinbarung beinhalte jedoch auch, dass der Verbraucher für Produkte aus heimischen Getreide einen Cent pro Brötchen und fünf Cent für ein Kilo Brot mehr bezahlen müsste.

Da es sich bei der Aktion noch um ein Pilotprojekt handele, sei für das laufende Jahr eine Sondervereinbarung getroffen worden, sagte Groß weiter. Da in diesem Jahr alle Getreidebauern ihre Preise bei ihren Abnehmern bereits festgelegt hätten, würden die zusätzlichen Zahlungen zwar in den kommenden Monaten in die Kassen des Bauernverbandes fließen, jedoch unter dem Verwendungszweck „soziale Zwecke“. Ab dem Jahr 2011 werde das Geld direkt den Betrieben zugute kommen.

Konsumenten würden ab sofort mit einem speziellen Aufkleber an der Eingangstür der Bäckerei darauf aufmerksam gemacht, dass die jeweilige Bäckerei an der Aktion beteiligt ist. Das Schild erkläre: Vier Ähren bedeuten, alle Produkte werden aus dem geförderten Getreide verarbeitet, zwei Ähren heißt, dass die Lieferungen zum Teil daraus stammen.

Die Vereinbarung sei ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, so Wilfried Löbinger, Kreisobmann des Bauernverbandes im Landkreis Kulmbach. „Es ist das erste Mal, dass verarbeitende Betriebe freiwillig mehr Geld zahlen. Jetzt müssen wir die Verbraucher dafür gewinnen, uns zu unterstützen.“

Erfreut zeigte sich Löbinger über die Zusammenarbeit mit den Bäckern. Er hoffte, dass die Konsumenten mit ihrem Einkauf in den jeweiligen Bäckereibetrieben dazu beitragen, dass der Pakt bestehen bleiben kann. Inzwischen hätten sich auch die Getreidemühlenbetreiber aus der Region an diesem Projekt beteiligt.

„Ein hervorragendes Signal“, nannte Landrat Klaus Peter Söllner die Initiative. Als Vorsitzender des Vereins Genussregion Oberfranken weiß er: „Es gibt immer mehr Menschen, denen es auf ein paar Cent nicht ankommt, wenn ihre Lebensmittel hier hergestellt worden sind.“


Artikel vom 07.04.2010
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