Bayern

Fair handeln, Energie sparen, Mehrwert bieten

Kaffeeproduzent Darboven und Zukunftsforscher Hehenberger mit Vorträgen auf der Versammlung der Bäckerinnung München


Taufkirchen (ke). Die Zukunft des Bäckerhandwerks sieht gut aus – auch wenn die Zuhörer nicht allen Thesen folgten, die Christian Hehenberger vortrug. Der Linzer Zukunftsforscher und Autor war der zweite Referent auf der Herbstversammlung der Bäcker-Innung München. Zuvor hatte Arthur E. Darboven einen Überblick über aktuelle Kaffeetrends gegeben und dabei die neue nachhaltig produzierte Kaffeemarke von Burkhof vorgestellt. Während die Frühjahrsversammlung der Innung die Regularien zum Schwerpunkt hat, gibt der Verband bei der Herbstversammlung aktuellen Fachthemen den Vorzug. Wobei die Auswahl auf großes Interesse bei den Bäckern stößt, was sich wieder an der hohen Zahl der Teilnehmer ablesen ließ, die Obermeister Heinz Hoffmann in der Bäko-Geschäftsstelle in Taufkirchen begrüßen konnte.

Damit die Zukunft im Bäckerhandwerk sofort beginnen konnte, übergab er nach kurzer Einleitung das Wort sogleich an den Chef des Kaffeerösters Darboven. Der, in El Salvador aufgewachsen, verließ Ende der 70-er Jahre das mittelamerikanische Land. Für ihn wurden die aufgrund sozialer Ungerechtigkeiten begonnen Unruhen, der folgende Bürgerkrieg zu einem ganz persönlichen Thema, so dass er bzw. sein Unternehmen sich seit Jahren am Wiederaufbau des Landes beteiligen.

Fair handeln ist im Trend

Darboven informierte über den Trend zu fair gehandeltem Kaffee, den er als „Kaffee der guten Absicht“ bezeichnete. Es gehe ihm um die Verantwortung für die Gesellschaft und für die Zukunft der Kaffeeerzeuger. Eine Verbesserung ihrer Situation könne man nicht dadurch erreichen, dass „wir Truppen oder Geld“ schicken, sondern nur dadurch, dass ihre Lebensbedingungen geändert und ihre Bildungschancen erhöht würden – und das weltweit. Dreh- und Angelpunkt sei dafür die 1992 in Köln gegründete „Transfair“-Gemeinschaft, die von rund 40 Mitgliedsorganisationen aus den Bereichen Entwicklungshilfe, Kirche, Sozialarbeit, Verbraucherschutz, Genossenschaftswesen, Bildung und Umwelt getragen wird und zu der Darboven seit 1993 gehört. Dass zu der Zeit der Kaffee noch nicht die heute geschätzte Qualität besaß, gab der Referent unumwunden zu. Doch nach mehr als zehnjähriger Entwicklungszeit sei heute „jede Tasse Kaffee sowohl ein Beitrag für den sozialen Frieden, als auch ein Genuss“. Da das Thema zudem ständig in den Medien präsent ist, könnten auch die Bäcker nicht nur imagemäßig vom Verkauf des fair produzierten Kaffees profitieren.

Crash in den USA angekündigt

Europa hat in diesem Jahr erstmals die USA als Wirtschaftsmacht von Platz 1 auf den zweiten Platz verdrängt, und ab 2015 dürfte China in 2015 den ersten Platz vor der EU einnehmen: „Können Sie sich vorstellen, was das bedeutet? Das wird dazu führen, dass wir ab 2012 einen Riesencrash in der amerikanischen Wirtschaft bekommen. „Freuen Sie sich auf die nächsten fünf Jahre, denn bis 2012 boomt die Wirtschaft mit jährlich 3 bis 3,5 Prozent Wachstum!“, behauptete Zukunftsforscher Christian Hehenberger. Obwohl diese Zahlen den Durchschnitt der EU-Länder bezeichnen und der Osten mit einer Steigerung von 7 Prozent profitierte, betrug auch in Deutschland das Wachstum in 2007 rund 2,5 Prozent.

Große Preise, kleine Produkte

Für die Bäcker heißt das, „keine falsche Bescheidenheit, sondern rauf mit den Preisen“. Brezeln, Seelen und eine weltweit einmalige Brot- und Gebäckvielfalt gebe es nur in Deutschland und werde von den Touristen überaus geschätzt.

Wer in der Boomzeit bei steigenden Energie- und Rohstoffpreisen versuche, Gewinne weiterhin nur durch Kosteneinsparung zu erzielen, mache etwas falsch: „Erhöhen Sie den Preis um etwas mehr, als Sie die teureren Rohstoffe kosten, und nehmen Sie den Gewinn mit – Sie werden ihn brauchen!“ Eine weitere Möglichkeit der Preiserhöhung sieht Hehenberger in der Verkleinerung der Produkte. „Machen Sie ihr Brot kleiner und teurer – und damit wertvoller für den Kunden.“ Er empfahl, den Wareneinsatz beispielsweise um 20 Prozent zu reduzieren und das fertige Produkt gleichzeitig um 25 Prozent zu erhöhten „und Sie machen den Kunden glücklich!“. Schließlich seien große Portionen heute „nicht mehr salonfähig“.

Als Beispiel nannte er den Trend zu funktionalen Lebensmitteln. Da werde im Supermarkt Joghurt in 250 g-Bechern zu 30 Cent verkauft und gleichzeitig kostet so genannter „probiotischer Joghurt“ in vier kleinen Fläschchen mehr als 3 Euro. Damit führten die Konzerne vor, dass klein gleich teuer ist. Und Konditoren erzielen nachweislich mit Petit fours mehr Geld, als mit normalen Tortenstücken. „Kommen sie mit einem neuen Produkt aber nur auf den Markt, wenn Sie damit vor Steuern wenigstens 10 Prozent Gewinn machen.“

Jetzt in die Zukunft investieren

Damit die schöne Zukunft auch längerfristig dem Bäckerhandwerk gehört, sollte trotz guter Stimmung niemand vergessen, bereits jetzt für die danach kommende Zeit zu investieren: „Genießen sie den Aufschwung, aber vergessen Sie nicht, sich auf die Phase nach 2012 einzustellen.“ Den zu erwarteten hohen Energiepreisen könnten nur diejenigen entkommen, die schon heute vorsorgen. Da Energie- und Rohstoffpreise weltweit anziehen – Energie dürfte bis 2015 um das 2,5-fache höher liegen, als heute – müssten wir das nicht negativ sehen, sondern könnten uns sogar darüber freuen. Schließlich seien wir Europäer diejenigen, die sich – anders als beispielsweise China – bereits heute darauf vorbereiten.

Energiesparend agieren

„Also überlegen Sie sich als Bäcker, wenn Sie nächstes Jahr ein Auto anschaffen müssen, ob Sie sich nicht ein Hybridauto kaufen. Und denken Sie daran, sich um alternative Energien zu kümmern, denn Heizöl oder Erdgas wird in den nächsten Jahren um 10 bis 15 Prozent teurer und damit zum Luxusgut.“ Angeheizt wird die Preisfront insbesondere durch die steigende Nachfrage nach Getreide, Milch und Fleisch in Asien aber auch durch die Produktion von Biokraftstoffen und Energie aus nachwachsenden Rohstoffen. Wenn Bauern mit dem Anbau von Pflanzen für die Energiegewinnung mehr verdienen, als mit Futter- oder Lebensmitteln, wenn die Milchwirtschaft im Export höhere Preise erzielt, als im Inland, steigen überall die Preise. Innovative Handwerksbetriebe könnten von der weltweiten Energie- und Rohstoffverknappung künftig deshalb ebenso profitieren, wie die Bauern. Denn auch hiesige Backwaren sind weltweit beliebt und werden zunehmend per Internet geordert.

Zukunft Heimlieferservice

Sich auf den eigenen Markt besinnen, heißt für Deutschland und Österreich sich auf wachsende Bevölkerungszahlen einzustellen. Auch wenn Statistik und Demoskopie von weniger Konsumenten ausgehen, sorgen die Zuwanderungsraten aus dem Osten allein in Bayern in den nächsten zehn Jahren für rund eine Million Neubürger. Deutschlandweit dürften bis zu zehn Millionen Menschen einwandern. Und für die alteingesessenen immer älter werdenden Menschen könnte Heimlieferservice ein attraktives Angebot werden, den sich gut 40 Prozent der Hochbetagten leisten können. Ihnen per bezuschusstem Taxi die Anfahrt zum Bäckerladen und zurück zur Seniorenresidenz anzubieten, wie es bereits Friseure tun, wird als Service sehr geschätzt.


Artikel vom 03.01.2008
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