Sachsen

Explosionsschutz im Visier

Gefährdungsanalyse verunsichert Meißner Bäcker


Meißen (ad). Der Explosionsschutz in Bäckereien war eines der Schwerpunktthemen, mit denen sich die Mitglieder der Bäckerinnung Landkreis Meißen bei ihrer Beratung beschäftigten. Fachliche Unterstützung erhielten sie dabei von Wolf-Dietrich Herzberg, seines Zeichens Aufsichtsbeamter bei der BGN Dresden sowie von Eckhard Reimann vom BGN Kompetenzzentrum. Weitere Themen waren die Berufsausbildung, die Entwicklung der Rohstoffpreise und die Betriebsberatung von Seiten des Landesverbandes „Saxonia“.

Die Einladung an die Vertreter der BGN war nicht von ungefähr ergangen. „Herr Herzberg war kürzlich in meinem Betrieb, daraus entstand die Idee, die Fachleute der Berufsgenossenschaft in eine Innungsversammlung zu holen“, erinnerte sich Obermeister Peter Liebe.

Wolf-Dietrich Herzberg informierte die Meißener Bäckermeister in seinem Vortrag über die Notwendigkeit einer Gefährdungsanalyse. Insbesondere verwies er darauf, dass für Mehlsilos ein Explosionsschutzdokument vorliegen müsse. „Dazu müssen die technischen Verhältnisse im Bereich des Mehllagers oder -silos genau unter die Lupe genommen werden“, erläuterte Herzberg. „Hier kann unter Umständen durchaus Explosionsgefahr bestehen.“ Um diese auszuschließen, führe die BGN auch Kontrollen in Betrieben durch. Dabei habe sich gezeigt, dass gravierende Mängel vor allem in Bäckereien auftreten, denen „es wirtschaftlich nicht so gut“ gehe, sagte Herzberg.

Explosionsschutzdokument

Um den Innungsmitgliedern die Vorgehensweise zur Erarbeitung eines Explosionsschutzdokumentes zu verdeutlichen, ging Wolf-Dietrich Herzberg mit ihnen einen von der BGN herausgegebenen Leitfaden Punkt für Punkt durch. „Sie füllen eine auf die Belange von Bäckereien zugeschnittene Checkliste aus und kommen so zu ihrem Explosionsschutzdokument“, riet Herzberg. „Schieben Sie diese Arbeit nicht auf die lange Bank, Sie sind verpflichtet, eine entsprechende Analyse bis Ende 2005 vorzunehmen.“

Angesichts des Umfangs der auszufüllenden Checkliste befürchtete Obermeister Peter Liebe, dass in Sachen Explosionsschutz „mit Kanonen auf Spatzen geschossen“ werde.

Diesen Vorwurf ließ Wolf-Dietrich Herzberg nicht auf sich sitzen. Er verwies darauf, dass die geforderte Verfahrensweise bereits abgespeckt sei, soweit es gehe. „Außerdem sind wir als Technische Aufsichtsbeamte der BGN gern bereit, die Betriebsinhaber bei den Analysen zu unterstützen und im Fall von Problemen nach technischen Lösungen zu suchen“, versprach Wolf-Dietrich Herzberg. Seine fachliche Unterstützung sagte auch Eckhard Reimann vom BGN Kompetenzzentrum zu. Er verwies darauf, dass Betriebe mit weniger als zehn Mitarbeitern die Dienste dieser Einrichtung kostenlos nutzen können.

Positive Neuigkeiten wurden von Seiten des Beruflichen Schulzentrums Meißen in punkto Berufsausbildung vermeldet. Nach den schlechten Ergebnissen bei den Zwischenprüfungen, die offenbar als der sprichwörtliche „Schuss vor den Bug“ verstanden worden waren, gab es bei den schriftlichen Prüfungen im 3. Lehrjahr keine Durchfaller. Eine Auszubildende hatte ihre Lehre bereits vorzeitig mit „sehr gut“ in der Theorie und „gut“ in der Praxis beendet. Aus den Bereichen Riesa/Großenhain und Meißen hatten sich 28 Lehrlinge zur „regulären“ Prüfung angemeldet. Einer blieb der Prüfung fern, ein anderer wurde wegen seines mangelhaft geführten Ausbildungsnachweises nicht zugelassen.

Insgesamt war seit der Zwischenprüfung eine drastische Verbesserung des Leistungsniveaus zu verzeichnen, was von Seiten der Berufsschule mit dem Hinweis „Im dritten Lehrjahr setzt manchmal noch die Vernunft ein“ kommentiert wurde.

Obermeister Peter Liebe sah für die Leistungssteigerung noch einen weiteren Grund. „Offensichtlich lassen viele Lehrlinge die Ausbildung schleifen und engagieren sich erst kurz vor den Prüfungen“, kritisierte er. „Aus diesem Grund wäre es sinnvoll, die Ergebnisse der Zwischenprüfungen ins Abschlusszeugnis einfließen zu lassen.“

Im Hinblick auf die Entwicklung der Rohstoffpreise beim Einkauf in der Bäko Ost zeichnet sich eine aus Bäckersicht leicht erfreuliche Entwicklung ab. Im Vergleich zum Vorjahr hat es insgesamt einen leichten Preisrückgang gegeben. Diese Entwicklung wird maßgeblich von den Preisen für Mehl (-3,4 %), TK-Obst (-12%), Eiprodukten, Schaleneiern und Fetten getragen. Einen extremen Preisanstieg gab es hingegen im Mandelbereich, der nach Bäko-Aussagen jedoch abgefedert werden soll.

Sich um die Zahlen kümmern

Um Preise und Zahlen ging es auch bei den Ausführungen des neuen Saxonia-Betriebsberaters Sven Bretschneider. Der 39-jährige Betriebswirt nutzte die Gelegenheit, um sich den Innungsmitgliedern als Partner vorzustellen. Er bat die Meister, im Fall der Fälle nicht erst „fünf Minuten vor dem großen Problem“ anzurufen und warb um die möglichst breite Teilnahme am Betriebsvergleich innerhalb des Landesinnungsverbandes. „Diese Daten sind nur dann wirklich aussagekräftig, wenn sich hinreichend viele Unternehmen beteiligen“, betonte er. Zudem redete Bretschneider den Meistern ins Gewissen, sich mehr als bisher um die Kalkulation in ihrem Unternehmen zu kümmern.


Artikel vom 22.06.2005
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