Baden & Württemberg

Einige positive Wirtschaftstrends in Sicht

Versammlung der Innung Alb-Neckar-Fils: LIM Schultheiß wartet mit positiven Zahlen fürs Bäckerhandwerk auf / Referat zum Thema Gentechnik


Denkendorf (rgb). Über einige positive Wirtschaftstrends konnte Landesinnungs- und Obermeister Johannes Schultheiß anlässlich der Herbstmigliederversammlung der Bäckerinnung Alb-Neckar-Fils berichten, daraus jedoch bereits einen Umschwung herzuleiten, wagte er noch nicht.

Herausragend war die Kundenzufriedenheit, die bei 83 Prozent liegt, wie eine Meinungsumfrage eines Unternehmens der chemischen Industrie ermittelt hatte. Danach wünschten sich die Bundesbürger, bei den Behörden so bevorzugt behandelt zu werden, wie bei ihrem Bäcker, denn mit den Behörden waren die Befragten nur zu 25 Prozent zufrieden. Schultheiß bedauerte, dass es dem Bäckerhandwerk nicht gelinge, dieses hohe Ansehen auch in bare Münze umzusetzen. Nur leicht, von 11,76 auf 12,09 Mrd. Euro seien die Umsätze des Bäckerhandwerks im ersten Halbjahr 2005 gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen. Angesichts eines wirtschaftlichen Binnenwachstums von 0,2 Prozent eine respektable Steigerung.

Obwohl die Erzeugerkosten in den letzten Monaten wegen des Ölpreises außergewöhnlich gestiegen sind, gelingt es der Lebensmittelbranche nicht, diese Kosten an die Verbraucher weiter zu geben. Ganz im Gegenteil, die Discounter hätten bereits wieder zu einer neuen Preisrunde aufgerufen.

Das Bäckerhandwerk leistet letztendlich auch seinen Beitrag zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, indem es nämlich 2005 1.500 Mitarbeiter mehr als im Vorjahr beschäftigt. Dass der Gesellenlohn dabei durchschnittlich um 4 Prozent niedriger liegt, im Vergleich zu allen anderen Gewerken, schreckt die Schulabgänger weniger. Denn die Zahl der Lehrlinge im ersten Lehrjahr liegt auch um knapp 1.500 höher als die der Lehrlinge im zweiten Lehrjahr. Als erfreulich wertete es Johannes Schultheiß ebenfalls, dass die Kosten, mit Ausnahme von einigen spezifischen Produkten, nicht gestiegen seien. Trotz dieser guten Zahlen stehe das Bäckerhandwerk weiterhin hart an der Wand. Insgesamt bleibe man darauf angewiesen, seine Probleme selbst zu lösen, denn nach dem Ergebnis der Bundestagswahl zu urteilen, sei aus Berlin keine Lösungen zu erwarten.

Ein heikles Problem sind Verluste durch Mitarbeiterdiebstähle. Nach der Aussage eines leitenden Duisburger Kriminalbeamten stehlen 20 Prozent der Mitarbeiter und 30 Prozent stehlen nicht. Dagegen seien 50 Prozent gerade auf dem Sprung, etwas zu stehlen.

Stärker könnten die Bäcker jetzt in den Gastrobereich vordringen, nachdem man keine Gaststättenkonzession mehr benötige, wenn nicht mehr als 40 Plätze zur Verfügung stehen, kein Alkohol ausgeschenkt wird und die Nachbarschaft nicht belästigt wird. Aber Schultheiß warnte auch hier vor Schnellschüssen. Gut würde die werbliche Aktion zusammen mit dem SWR 1 angenommen, wo spielerisch ein Wettkampf zwischen Württemberger und Badener ausgetragen wird.

Real werde es zum Jahreswechsel 2006 aber noch keine Verschmelzung mit dem Landesverband Baden geben. Die letzte erfreuliche Zahl betraf die Innungsmitglieder, die mit 236 nahezu konstant geblieben ist.

Rolle der Gentechnik bei der

Lebensmittelproduktion

Über die Rolle der Gentechnik bei der Lebensmittelproduktion referierte anschließend Prof. Dr. Klaus-Dieter Jany, Karlsruhe. Obwohl sehr viel über Gentechnik berichtet werde, herrsche sehr viel Unwissenheit über das Thema, bedauerte der Vorsitzende des „Wissenschaftlerkreises Grüne Gentechnik“. Nach seiner Aussage glauben 40 Prozent der Deutschen, dass nur in gentechnisch veränderten Lebensmitteln Gene vorhanden seien, die anderen Lebensmittel jedoch genfrei sind. 43 Prozent der Bundesbürger lehnen gentechnisch veränderte Lebensmittel laut Umfrage ab, jedoch verhielten sie sich an der Verkaufstheke anders.

Als angeblich gentechnisch verändertes Brot zum Preis von 1 Euro verkauft wurde, konnte man gar nicht genügend Nachschub heranschaffen. Ebenso verhielt es sich mit Pommes Frites, die ebenso wenig gentechnisch verändert waren, weil es dies noch gar nicht gebe.

Die Schwierigkeiten für das Bäckerhandwerk liegen in der Deklarationspflicht, wenn gentechnisch veränderte Organismen (GVO) verwendet werden. Wenn überhaupt, so werden allenfalls derzeit genveränderte Zutaten wie Beta-Karotin, Ascorbinsäure, Vitamine oder Produkte aus Soja verwendet, nicht aber nicht Mehl aus gentechnisch verändertem Getreide. 2006 werden gentechnisch veränderte Backhefen und Starterkulturen zugelassen, die aber auch vom Lieferanten deklariert sein müssen. In der Deklarationspflicht sieht Prof. Jany das große Problem, wobei die Menge der gentechnisch veränderten Organismen 0,9 Prozent des Gesamtgewichtes überschreiten muss, um deklarierungspflichtig zu sein. So ist es laut Jany bereits heute möglich, dass 60 Prozent aller Lebensmittel etwas mit Gentechnik zu tun haben, ohne dass es vom Verbrauch wahrgenommen werden kann.

Jetzt habe aber nicht jeder Bäcker die Nachweispflicht, sondern die Deklarationspflicht liege beim Lieferanten, also im Bäckerhandwerk zum Großteil bei der Bäko.

Jany wehrte sich als Wissenschaftler gegen die Verteufelung der Gentechnik und forderte weitere Forschung ein, denn nur so könne man die Risiken letztendlich abschätzen.

Bisher seien keine Krankheitsfälle bekannt geworden, die eindeutig auf genveränderte Organismen zurückzuführen seien.


Artikel vom 21.10.2005
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