Rheinland-Pfalz

Eine Woche in Finnland im Einsatz

Seminar von Bäcker- und Konditormeister Klaus Reichhart und Karl Heinz Cronenbach


Waldmohr (p). Für eine knappe Woche verwandelten Klaus Reichhart, Geschäftsführer der gleichnamigen Bäckerei aus Waldmohr und sein Mitarbeiter, Konditormeister Karl Heinz Cronenbach, das Erwachsenen-Bildungszentrum in der nordkarelischen Stadt Joensuu in eine typisch deutsche Backstube. Von 9 Uhr morgens bis nach 20 Uhr am Abend wurden ununterbrochen Brot und Brötchen gebacken, Kaffeegebäck in den Ofen geschoben und filigrane Marzipan-Kunstwerke für Torten kreiert. „Vom Land selbst haben wir dabei nicht allzu viel mitgekriegt“, räumt Klaus Reichhart ein, der zum ersten Mal nach Finnland gereist war. Hielten sich die zwei Handwerksmeister doch die überwiegende Zeit in der Backstube auf.

Dabei konnten die beiden Deutschen den rund 15 finnischen Seminar-Teilnehmern, unter ihnen Bäcker und Bäckermeister sowie Umschüler vom Arbeitsamt, allerhand Neues vorführen und frisch zubereitete Backwaren auch kosten lassen. „Ganz heiß“ waren die Finnen auf seinen Apfelstrudel, erzählt Cronenbach. Auf besonderes Interesse stieß auch Laugengebäck – im Land der Birken und Seen offenbar bisher unbekannt. So wollten die Teilnehmer wissen, ob die darin verwendete Natronlauge nicht vielleicht doch gesundheitsschädlich sei, erzählt Bäckermeister Reichhart, dessen Geschäft seit immerhin 40 Jahren besteht. Und Kollege Cronenbach beobachtete tatsächlich, dass sich die Teilnehmer beim Formen der Brezeln „fast die Arme gebrochen“ hätten.

Dass Sauerkirschen nicht unbedingt als Zutaten in finnischen Rezepten auftauchen, war indes den beiden Bäckern bisher nicht bewusst gewesen. „Sauerkirschen gibt`s dort einfach nicht“, so die Erfahrung von Konditormeister Cronenbach. Dafür hat Finnland aber jede Menge Beeren und Wildfrüchte zu bieten, die mit den heimischen Sauerkirschen durchaus konkurrieren können. Finnland-Urlaubern spätestens seit dem Genuss von „Lakka“ – dem Likör aus der arktischen Moltebeere – bekannt, ist die bernsteinfarbene Beere als Wahrzeichen Lapplands auf der finnischen Zwei-Euro-Münze verewigt. Beim Seminar füllte Cronenbach seine Blätterteig-Pastetchen dann einfach mit Moltebeeren.

Dauergebäck wie Nussecken und Amerikaner trafen den Geschmack der Finnen ebenso wie typisch deutsche Kaffeestückchen aus Hefe- oder Plunderteig. Mit Marzipan-Kunststücken von Rosenarrangements bis zum verzuckerten VW-Käfer stellte der Konditormeister sein Handwerk unter Beweis. „Blamiert haben wir uns nicht“, resümiert Cronenbach, der es zudem fertig brachte, eine ganze Flugschar von Schwänen – einem der sechs finnischen Nationaltiere – aus Brandteig mit Schlagsahne zu füllen.

In der komplett eingerichteten Backstube im Bildungszentrum mit dem Namen „Pohjois-Karjalan Aikuisopisto“ entstanden jedoch nicht nur süße Köstlichkeiten. Reichlich Lob spendeten die Schulungsteilnehmer auch traditionellen deutschen Produkten wie rustikalen Roggen- und Weizenmischbroten. Nicht zu vergessen: Das Sauerteigbrot mit den extra aus Waldmohr importierten Kulturen. Auch das Backen von Brötchen stand auf dem Programm. Denn die finnischen Brötchen sind – glaubt man Bäckermeister Reichhart – „eher nichts für unseren Gaumen“. Höchsten Genuss erlebte die Gruppe dagegen beim Zubereiten von frischen „Piroggen“, einem finnischen Klassiker aus Roggenmehl, gefüllt mit Reis und Ei. Auch der Besuch eines Cafés in der 60.000 Einwohner zählenden Stadt Joensuu hinterließ bei den Bäckermeistern Eindruck: Die dort angebotenen warmen Heidelbeertörtchen hatten es ihnen angetan.

Unterstützung erhielten die Reisenden in Sachen deutsche Backkunst von Hanne Leppänen, Lehrerin am Bildungszentrum in Joensuu sowie Konditormeister Yukka Kärki. Leppänen, die auf einige Studienjahre in Heidelberg zurückblicken kann, übernahm neben der Organisation das Dolmetschen.

Die Freundschaft zwischen der Bäckerinnung Kusel und dem Bildungszentrum Joensuu geht auf Finnland-Besuche des Rothselberger Bäckermeisters Eduard Walg zurück.


Artikel vom 10.11.2005
Drucken 

Weitere Nachrichten aus Regional vom 10.11.2005:

Der Schutzverband nimmt Tätigkeit auf
Auf Lieferscheine und Leitsätze setzen
Im Bundesvorstand
Auf Korn und Laib geprüft
Kenner der Branche geht in Ruhestand
Qualität als Stärke nutzen
Vielstimmiger Jubelgesang zum Jubiläum
Die Geschäftsführung künftig beim LIV
Backwaren auf der offerta
Mit internationalem Flair

Kommentare

Aktuelle Meldungen aus Regional


Abonnenten Bereich



Hilfe




Rezept der Woche

Tomaten-Brötchen
Rezept der Woche Gebäck mit Haferkleie und getrockneten Tomaten mehr ...




ABZ Newsletter

Nutzen Sie als Abonnent kostenlos unseren wöchentlichen Informationsdienst per E-Mail.

Jetzt anmelden!