Baden & Württemberg

Ein Umsatzplus von 2,7 Prozent erwirtschaftet

2006 erreichte die Bäko Süd-West im Jahr 2006 ein Gesamtvolumen von 91, 9 Mio. Euro / Maschinen und Geräte legten um 17,8 Prozent zu


Edingen-Neckarhausen (mh). „Im 100. Jahr unseres Bestehens können wir Ihnen mitteilen, 2006 war ein erfolgreiches Jahr für die Genossenschaft“, freute sich Aufsichtsratsvorsitzender Bernhard Muschelknautz bei der Begrüßung. Alle redeten zwar vom Aufschwung, die backenden Betriebe warteten allerdings noch immer darauf. „Erfolg kann man nicht erzwingen, man muss ihn sich hart erarbeiten“, resümierte er.

2006 erreichte die Bäko Süd-West ein Gesamtvolumen von 91,9 Mio. Euro. Das Plus von 2,7 Prozent (2005: 0,6%) lässt eine positive Umsatzentwicklung erkennen, die über dem Bundesdurchschnitt aller Bäko-Genossenschaften liegt.

Sorgen macht sich Vorstand Hans Schneider um die 69,3 Prozent Kunden, deren Jahresumsatz unter 50.000 liegt. „Aus Kostengründen muss dringend eine Optimierung erreicht werden, um langfristig eine kostendeckende Betreuung dieser Mitglieder auch in Zukunft sicher zu stellen.“ Die Umsatzverteilung nach Vertriebswegen zeigt, dass die Bäko Süd-West 91 Prozent oder 83,7 Mio. Euro über ihre Läger ausliefert und der Streckenanteil kaum eine Rolle spielt. „An dieser eindeutigen Verteilung können Sie ersehen, dass wir die Dienstleistung der Warenverteilung in hohem Maß selbst erfüllen und unserer Funktion als Zustellgroßhandel gerecht werden.“

Erfolgreiche Warengruppen

In fast allen Warengruppen (außer Handelswaren mit -0,8 Prozent und Kundendienst -17,9 %) konnten die Umsätze erhöht oder zumindest stabil gehalten werden. Erstmals seit fünf Jahren verzeichnete die Genossenschaft eine deutliche Zunahme der Investitionstätigkeit der Backbetriebe. „Durch den großen Nachholbedarf konnte das Geschäft mit Backöfen und Teigaufbereitungsanlagen gegenüber dem Vorjahr nahezu verdoppelt werden“, freute sich Schneider. Die Warengruppe Maschinen und Geräte legte um 17,8 Prozent oder 826.200 Euro zu. Beim Silomehl konnte die abgesetzte Menge gegenüber dem Vorjahr um 10,1 Prozent erhöht werden. Sackmehl war, bedingt durch Betriebsschließungen, rückläufig.

Das Umsatzplus in der Warengruppe Mehl betrug 7,7 Prozent, was allerdings größtenteils auf Preiserhöhungen zurückzuführen ist. Das Umsatzplus im Frischezentrum von 3,2 Prozent resultiert aus erhöhten Absatzmengen in annähernd allen Rohstoffsortimenten. Der Umsatz der größten Warengruppe, dem Rohstoffsortiment, wurde mit leichtem Umsatzplus von 0,4 Prozent stabil gehalten.

Schlechte Getreideernte und erhöhte Nachfrage der Energieerzeuger nach Getreide oder Ölsaaten zur Herstellung von Bioethanol oder Biodiesel bewirken einen erheblichen Preisdruck. „Die alternative Verwendung von Getreide und Ölsaaten zur Energieerzeugung wird uns auch künftig höhere Rohstoffkosten für Brot- und Backwaren bescheren“, befürchtet Schneider.

Kostenerhöhung aufgefangen

Im Geschäftsjahr 2006 hat die Bäko Süd-West insgesamt 933.000 Euro umsatzabhängige Vergütungen an Mitglieder und Kunden gezahlt – eine Steigerung von 67.000 Euro. Gestiegene Kosten wurden aufgefangen, um weiterhin leistungsfähig zu bleiben. „Wir hoffen, damit einen größeren Beitrag zur gesamten Wertschöpfungskette von Genossenschaft, backenden Betrieben und Endkunden geleistet zu haben“, sagte Hans Schneider. Die positive Geschäftsentwicklung habe sich auch in den ersten Monaten des Jahres 2007 fortgesetzt: Von Januar bis April konnte eine Steigerung von 2,1 Prozent erreicht werden.

Vorstand Reiner Jung, der den 80 Teilnehmern der Jahreshauptversammlung einige Zahlen zur Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der Genossenschaft vorstellte, gab zu bedenken: „Es geht noch nicht allen gut, aber den Guten geht es noch besser!“ Nach Ertrags- und sonstigen Steuern hat die Bäko Süd-West einen Jahresüberschuss von 429.000 Euro (Vorjahr: 308.000 Euro) erzielt. Unter Berücksichtigung des Gewinnvortags aus dem Vorjahr und der Einstellung in die Rücklagen in Höhe von 250. 000 Euro verbleibt ein Bilanzgewinn von 200.000 Euro.

Satzungsänderung notwendig

Das Genossenschaftsgesetz wurde novelliert, was die Anpassung der Satzung der Bäko Süd-West vom 23. Mai 2000 zur Folge hatte. „Es gibt keine Genossen mehr“, machte Rechtsanwalt Dietrich Herold vom Badischen Genossenschaftsverband eine der zahlreichen Veränderungen deutlich. „Es gibt nur noch Mitglieder.“ Ein weiteres Beispiel: Unter § 8 wurde „Insolvenz eines Mitgliedes“ eingefügt und festgelegt, wann und unter welchen Voraussetzungen diese Mitgliedschaft endet. Unter § 11, der die Rechte der Mitglieder aufzeigt, wurde eingefügt, dass die Niederschrift der Generalversammlung nicht nur eingesehen werden kann, sondern auch eine Abschrift erhältlich ist. Auch die unter § 44, der die Verwendung des Jahresüberschusses regelt, vorgenommene Ergänzung wird die Mitglieder interessieren: „Der Jahresüberschuss wird, soweit er nicht den Rücklagen zugeführt oder zu anderen Zwecken verwendet wird, an die Mitglieder nach dem Verhältnis ihrer Geschäftsguthaben am Schluss des vorangegangenen Geschäftsjahres verteilt. Die während des Geschäftsjahres geleisteten Einzahlungen bleiben unberücksichtigt.“

Alles Psychologie

Am Schluss der Generalversammlung stellte der „Wirtschaftsweise“ Prof. Dr. Peter Bofinger die Frage: „Kommt jetzt das zweite Wirtschaftswunder?“ Seiner Ansicht nach ist das Jahr 2006 überraschend gut gelaufen. Als Grund hierfür nannte er die grundlegenden Reformen seit dem Jahr 2000, die Dynamik der Weltkonjunktur bei hervorragender internationaler Wettbewerbsfähigkeit und Impulse, die das nachfrageorientierte Programm der regierenden Koalition hervorgerufen hat. Die Steuerbelastung für Personengesellschaften sei deutlich reduziert worden.

Beim privaten Verbrauch gebe es allerdings eine schwache Entwicklung, die unter 1 Prozent liegt. Der Aufschwung fehle in der Breite. Der Wachstumsmotor laufe nicht so richtig rund, denn: Die größte Kraft, der private Verbrauch, fehlt. Auch der Einzelhandel sei 2007 bei geringem Preisanstieg bisher sehr schwach.

Dennoch: Chancen gibt es auch. Deutsche Unternehmen sähen ihr Land wieder deutlich positiver und es gäbe eine grundlegende Wende am Arbeitsmarkt. „Denken wir an Ludwig Erhard“, ermunterte Bofinger seine Zuhörer: „Die Wirtschaft ist zu 50 Prozent Psychologie.“


Artikel vom 05.07.2007
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