Rheinland-Pfalz
Effektiv Flagge gezeigt
Versammlung der Bäckerinnung Rhein-Lahn

Die Referenten bei der Versammlung Rhein-Lahn (von rechts): Geschäftsführer Walter Dohr (LIV), Obermeister Heinz Kugel, Geschäftsführer Alexander Zeitler (Kreishandwerkerschaft), Stellvertretender Obermeister Heinz Zorn.
Zuvor aber ging Obermeister Kugel auf die wirtschaftliche Situation seines Berufsstandes ein. „Der Wettbewerb hat sich durch die Discountläden verschärft“, erklärte er. „Fast täglich schließt in Deutschland ein Bäckereibetrieb“, fuhr Kugel fort und nannte den Strukturwandel – Familienbetriebe werden seltener“ als einen Grund. Auch der Kostendruck steige in allen Betrieben, hervorgerufen durch verstärkte Neuverordnungen auch von seiten der EU. Verstärkt mache sich auch die Billigware bei den Supermärkten (die Teiglinge oft aus dem Osten verwenden). „Mit diesen Preisangeboten wollen und können wir nicht konkurrieren“! Darum sei es oberstes Gebot in den handwerklichen Betrieben mit besseren und frischen Produkten den Kunden zu überzeugen. Zunehmend machten auch die hohen Arbeitslöhne zu schaffen. Heinz Kugel forderte auch Sofortmaßnahmen bei der Reform der Berufsgenossenschaften bei der Unfallversicherung (Wegeunfall) gelte gleiches. „Flagge zeigen“ will die Bäckerinnung Rhein-Lahn mit einer besonderen Aktion in den nächsten Monaten. Dazu lässt sie keine Fahnen wehen, sondern nutzt Plakate und die vertrauten Brötchentüten, um die Leistungen des Handwerks bei der Ausbildung herauszustellen. Dazu stellte der Obermeister Einzelheiten der Imagewerbung vor, die dabei herausstellt: „Kaufen Sie Ihre Brötchen da, wo Ihre Kinder einen Ausbildungsplatz finden.“
Walter Dohr, Geschäftsführer des Landesinnungsverbandes, verbreitete in seinem breitgefächerten Referat auch gute Nachrichten: So sei der Umsatzrückgang des Bäckerhandwerks im Jahr 2004 gestoppt worden. Dohr forderte die Bäcker auf, das positive Image ihres Handwerks, das bei den Kunden immer noch hoch im Kurs stehte, weiter zu pflegen. Die Meisterbetriebe sollten daher nach den Worten des Geschäftsführers keine fertigen Mischungen und Tiefkühlprodukte verwenden.
„Das Mittelmaß hat keine Chance“, warnte Dohr. „Extrem billig oder extrem gut“ lauteten die Möglichkeiten im Konkurrenzkampf. Umfragen signalisierten, dass der Kunde dies akzeptiere und gute Chancen für das Bäckerhandwer auch in einem umkämpften Markt bestünden. Um dem gerecht zu werden, müsse man noch mehr tun als in der Vergangenheit. „Gutes tun und darüber reden“, sah er als Motto für künftige Verkaufsförderungsaktivitäten. Hinsichtlich der Tarifsituation kündigte Dohr die Einschränkung der Sozialleistungen an, wobei auch wieder die 40-Stunden-Woche anvisiert werde.
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