Sachsen
Diskussion um Landesinnung geht weiter
LIV Saxonia vor der 125-Jahrfeier / Mit Blick auf Stollensaison Blausäure im Visier
Dresden (ad). Eine recht positive Einschätzung der aktuellen wirtschaftlichen Lage traf Landesobermeister Michael Wippler bei der Obermeistertagung des LIV Saxonia des Bäckerhandwerks Sachsen. Im Vergleich zu den vergangenen Jahren habe sich die Wahrnehmung der wirtschaftlichen Verhältnisse umgekehrt, machte Wippler deutlich. Die Stimmung sei derzeit besser als die Situation. Das führte Wippler auf den Einfluss der Fußball WM 2006, das spürbare Wachstum und die sinkende Arbeitslosigkeit zurück.
In seinem Rückblick auf die vergangenen Monate erinnerte Michael Wippler an die Angst vor der Mehrwertsteuererhöhung zum Jahresanfang. Auch wenn die Bäcker mit ihren Produkten von dieser Erhöhung kaum betroffen gewesen seien, so habe er – genau wie viele andere Kollegen – dennoch eine der allgemeinen Angst geschuldete Kaufzurückhaltung gespürt. Dennoch habe es, nicht zuletzt auch dank des milden Winters, mittlerweile recht gute Zuwächse gegeben.
Das unbestritten wichtigste Ereignis für die sächsischen Bäcker wird das Verbandsjubiläum am 21. und 22. April sein. Aus diesem Anlass wird der Landesinnungsverband gemeinsam mit den sächsischen Innungsbetrieben und vielen Vertretern aus Politik und Wirtschaft im Dresdner Kongress-Center feiern. Vorstandmitglied Dietmar Möbius berichtete den anwesenden Meisterkollegen in einer kurzen Zusammenfassung über den Stand der Vorbereitungen. Das zweitägige Festprogramm werde am 21. April mit einer Gesamtvorstandssitzung beginnen, gefolgt von einer Mitgliederversammlung. Am Abend erwartet die Bäcker und ihre Gäste eine aufwändige Festveranstaltung, für deren Höhepunkt, ein nächtliches Feuerwerk, sogar die Elbschifffahrt gestoppt werden wird. Am Festsonntag, dem 22. April, folgt nach dem großen Fahneneinmarsch ein Festakt, der die Entwicklung des Bäckerhandwerks in Sachsen würdigt.
Breiten Raum nahmen in der Diskussion die von Michael Wippler bei der Obermeistertagung im Herbst 2006 geäußerten Gedanken zur Schaffung einer einheitlichen Landesinnung ein. Diese Überlegungen, die der LOM unter dem Motto „Die Gedanken sind frei, denken muss erlaubt sein“ geäußert hatte, rechtfertigte Wippler nochmals mit den Worten „Wir können nicht so tun, als wäre alles so wie vor 100 Jahren, als unsere Strukturen entstanden sind“. Seine Anregungen hatten in den vergangenen Monaten viel Zustimmung geerntet, in einigen Kreishandwerkerschaften aber auch geharnischte Proteste ausgelöst. Wippler erinnerte an seine Prämisse, Veränderungen nur bei 100-prozentiger Einmütigkeit anzustreben. Lob erntete er für seine Gedanken von Hans-Jürgen Matzker, dem OM der Innung Dresden. „Zentral lösbare Aufgaben gehören in die Landesinnung, durch die Obermeister wird zugleich die Regionalität bewahrt“, machte er deutlich. „Wir müssen effektiver arbeiten, denn der Letzte bezahlt die Rechnung – das ist der einzelne Betrieb.
Starken Einfluss haben die Überlegungen zur Bildung einer Landesinnung auch auf die Arbeit der Satzungskommission des LIV Saxonia. Jörg Schürer informierte die Obermeister über den aktuellen Arbeitsstand. Dieses beinhaltet u.a. eine Verlängerung der Amtsperioden von drei auf fünf Jahre. Empfohlen wird dazu die Möglichkeit, dass junge Bäckermeister auch ohne eigenen Betrieb im LIV mitarbeiten können. „Die Schlüsselfrage ist allerdings, ob wir eine Landesinnung bilden wollen oder nicht“, machte Jörg Schürer deutlich.
Nachdem im vergangenen Jahr plötzlich mögliche Gesundheitsgefahren durch den Genuss von Zimtgebäck in den Fokus des Interesses gerückt wurden, gebe es in diesem Jahr Hinweise darauf, dass zu Beginn der Stollensaison das Thema Blausäuretoxizität hochgekocht werden soll. „Wir legen Wert auf die Herstellung mit natürlichen Rohstoffen, zu den Rezepturen gehört auch Bittermandel“, erklärte Michael Wippler. Um möglichen Inhaltsstoff-Attacken vorzubeugen, finden derzeit in der Sächsischen Bäckerfachschule Backversuche mit dem Ziel statt, den Einfluss von Rezepturen und Backprozess auf den Blausäuregehalt im fertigen Stollen zu untersuchen.
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