Schleswig-Holstein
Die neue Prüfungsordnung im Gespräch
Innungsversammlung Ostholstein/Plön zu Gast im Bugenhagen-Berufsbildungswerk

Ausbilder Hans-Peter Kunze zeigt Teilnehmern der Versammlung der Innung Holstein/Plön die Backstube des Bugenhagen-Berufsbildungswerkes. Hier bilden er und seine Kollegen Backwerker und Backwerkerinnen aus. Foto: Hoeni
Kernthema war die neue Prüfungsordnung. „Das Anspruchsniveau ist gestiegen“, urteilte Hartmut Masurek von der Kreisberufsschule Neustadt über die neue Prüfungsordnung. Allerdings gebe es kein Gesellenstück mehr: „Schade“.
Nicht nur die Reproduktion von Gelerntem werde in der Prüfung nach neuem Muster abgefragt. Analysen und Lösungswege zu einer bestimmten Situation aus dem Bäckeralltag würden – jetzt neu – gefordert. „Nach 30-jähriger Unterrichtstätigkeit wage ich zu bezweifeln, dass die Auszubildenden die Ansprüche der neuen Prüfungsordnung erfüllen können.“
Ein weiterer Unterschied zur alten Prüfungsordnung liege darin, dass Mathematik kein eigenes Fach mehr sei, sondern in alle Fächer mit einfließe. Doch es gebe auch Erleichterungen: „Wer früher eine Fünf in Fachkunde hatte, fiel durch. Jetzt neu kann man in Fachkunde eine Fünf haben. Wenn man insgesamt eine Vier hat, besteht man“, so Hartmut Masurek.
Ehrenobermeister Otto Schütt hat in den verschiedensten Funktionen jahrzehntelange Erfahrung im Ausbildungsbereich. Sein Kommentar zu den Ausführungen von Hartmut Masurek: „Für mich ist dies die dritte neue Prüfungsordnung. Ich hoffe sehr, dass der Horizont der jungen Leute mitwächst. Doch ich befürchte, das gibt noch Ärger und Probleme.“
„Das sind Anforderungen für Realschüler“, meinte ein Innungsbäcker, „wir haben aber keine.“ Der stellvertretende Obermeister Helmut Börke konterte: „Wir können nicht auf unserem Niveau weiterfahren. Wir brauchen gute Auszubildende und können nicht jeden nehmen. Gut, dass die Anforderungen höher geschraubt wurden.“
Das Bugenhagen-Berufsbildungswerk in Timmendorfer Strand hatte Räume für die Veranstaltung zur Verfügung gestellt und zu einer Führung eingeladen. Ausbilder zeigten den Teilnehmern zum Beispiel die Backstube der Einrichtung. Hier werden junge Menschen mit Lernschwächen und Beeinträchtigungen zu „Bäckerwerkern“ ausgebildet, einer von 23 Ausbildungsgängen des Bugenhagen-Berufsbildungswerkes.
Über künftige öffentlichkeitswirksame Aktionen informierte Obermeister Joachim Jonsson: „Ihr solltet euch daran beteiligen“, sagte er zur Brötchentütenaktion, mit der für die Ausbildung im Bäckerhandwerk geworben wird. „Mitmachen“ hieße es auch bei der NORLA (Norddeutsche Landwirtschaftliche Ausstellung) im September in Rendsburg. In einem Brotkorb sollen dort bis zu 70 Brotsorten präsentiert werden. Zehn sollen von der Innung Ostholstein/Plön kommen: spezielle regionale Brotsorten. Auf dem Programm der Messe stehen Präsentation, Verkauf zum „Messepreis“ und Information über das Bäckerhandwerk durch Bäckermeister.
„Die Premium-Strategie der Landesinnung setzt sich durch“, berichtete Obermeister Joachim Jonsson weiter. Für gute Produkte seinen auch angemessene Preise zu erzielen, sei die Erfahrung der Kollegen innerhalb der Landesinnung gewesen. „Wir sollten mehr eigene Rezepte verwenden“, sagte der Obermeister. „So überzeugen wir die Kunden.“
„Gelegenheitsdiebe gibt es fast nicht“, behauptete Olaf Saggau von der Firma Viasko in seinem Vortrag „Diebstahl an der Ladenkasse“. Bei über 600 Überführungen habe es nur Fälle gegeben, in denen jeden Tag gestohlen wurde. Im Durchschnitt etwa 30 Euro am Tag. Mini-Überwachungskameras im Aussehen und in der Größe einer Steckdose oder in Form eines Miniaturautos stellte der Überwachungsexperte vor. „Sind versteckte Kameras überhaupt zulässig“, wollte ein Bäckermeister wissen. „Ein Graubereich, wenn berechtigter Verdacht besteht, ist der temporäre Einsatz von versteckten Kameras erlaubt“, so Saggau.
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