Baden & Württemberg
Die Zukunftsaufgaben anpacken
Die Bäckerinnung Zollernalb setzt auf eine gute Ausbildung und starke Partner

Gemeinsam Ziele: OM Karl Stopper (3.v.r.) sowie GF Jürgen Gress (l.) und KHM Gühring (3.v.l.) von der Kreishandwerkerschaft Zollernalb und Gerolf Otto (2.v.l.) von der Bäko mit dem neuen Vorstand der Bäcker-Innung Zollernalb.
Ein herzliches Willkommen galt den Vorständen Wilfried Wiedmann und Gerolf Otto von der Bäko Südwürttemberg, dem geschäftsführenden Vorstand Joost Nicolai Bremer von der Bäko Ulm-Oberschwaben sowie Kreishandwerksmeister Herbert Gühring und Geschäftsführer Jürgen Greß von der Kreishandwerkerschaft Zollernalb.
Mut zu Qualität und Kompetenz
OM Karl Stopper verwies im Rückblick auf das Jahr 2004 darauf, dass so mancher Betrieb Probleme hatte, den Vorjahresumsatz zu halten. Nur wenige Betriebe hätten deshalb einen Umsatzzuwachs verbuchen können. Deshalb gelte es, sich von der breiten Masse der Discounter mit Qualität, hoher handwerklicher Fachkompetenz und Innovation abzuheben und damit nicht nur die Stammkundschaft zu halten, sondern auch so genannte „Shopping-Kunden“ neu zu gewinnen. Trotz der Vielfalt des Angebots sollte man sich auch nicht scheuen, neue Produkte anzubieten.
Einen hohen Stellenwert beim geschäftlichen Erfolg habe nicht nur das Ladengeschäft, sondern auch das dort beschäftigte Personal, denn der Kunde schätze nicht nur ein qualitativ ansprechendes Angebot, sondern lege auch großen Wert auf Höflichkeit, Beratung und eine angenehme Atmosphäre.
Voller Freude wies OM Stopper auf die gute Beteiligung und das gute Ergebnis der letzten Brotprüfung hin, bei der Brotprüfer Andreas Rott 80 Prozent aller Brote mit der Note gut und sehr gut bewertet habe. Fort- und Weiterbildung sei unverzichtbar. So habe man im vergangenen Jahr neben einer Info-Veranstaltung vom LIV an einem Kaffee-Seminar der Bäko Südwürttemberg in Reutlingen teilgenommen. Zum Ausklang des Jahres habe er dann zusammen mit Kreishandwerksmeister Gühring in der Balinger Sichelschule einen Bewerbungsnachmittag für die Schüler abgehalten.
Auch der gesellschaftliche Teil sei nicht zu kurz gekommen. Neben einem Bäcker-Stammtisch habe man ein Biker-Treffen veranstaltet und zusammen mit den Kollegen von der Innung Tuttlingen eine Stocher-Kahnfahrt auf dem Neckar in Tübingen durchgeführt. Ein echtes Glanzlicht sei das so genannte „Burgherren-Brot“ gewesen, das man außerordentlich öffentlichkeitswirksam eigens für die Einweihung des wiederentdeckten Geheimgangs auf der Burg Hohenzollern in Hechingen kreiert habe.
Klarere Prüfungsvorgaben
Starke Beachtung fanden die Ausführungen von Lehrlingswart Jochen Holweger, der darüber berichtete, dass die Zahl der weiblichen Lehrlinge stark zunehme. Gerade die letzte Prüfung habe gezeigt, dass ein Teil der Auszubildenden schlecht vorbereitet gewesen sei. In einem Fall habe er festgestellt, das der Azubi zum ersten Mal eine Torte habe einstreichen müssen. Wenn der Berufsnachwuchs dann schlecht abschneide, führe dies dann oftmals zu großer Unzufriedenheit.
Deshalb habe er den Entschluss gefasst, die Prüfung für den Sommer 2005 etwas zu modifizieren, um den Prüflingen damit klare Vorgaben zu geben. Dazu gehöre erstmals ein Produktionsplan, der in sauberer, schriftlicher Form vor Beginn der Prüfung abzugeben ist.
Auch der Tagesablauf sei neu gegliedert. Die Prüfung beginnt um 8.30 Uhr, und um 13 Uhr sei dann endgültig Schluss. Ziel sei es, den Berufsnachwuchs gut auszubilden, denn billige Arbeitskräfte wolle man keinesfalls haben, weil dies zu einem starken Imageverlust führen würde.
Die von Gerolf Otto vorgetragene Jahresrechnung für 2004 und der Haushaltsplan für 2005 fand die ungeteilte Zustimmung der Versammlung.
Die Grüße der Kreishandwerkerschaft überbrachte Kreishandwerksmeister Herbert Gühring, der mit Blick auf die schwierige Wirtschaftslage die Politik in Berlin kritisierte. Die Unruhe im Handwerk sei groß, denn allein im Zollern-Alb-Kreis würde fast jede Woche ein Betrieb einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens stellen.
Sorge bereite ihm darüber hinaus, dass 16 Prozent aller Schüler keinen Hauptschulabschluss mehr schaffen. Mit Blick auf die schlechte Auftragslage machte Herbert Gühring klar, dass man im Handwerk nicht auf den Kunden warten dürfe, sondern sich selber regen müsse.
Abschließend informierte KHM Gühring darüber, dass die Kreishandwerkerschaft für Kleinbetriebe auch die Buchhaltung übernehme. Dazu habe man eigens einen Bilanzbuchhalter eingestellt, weil es nicht sein kann, dass ein kleiner Handwerksbetrieb bis zu 8000 Euro im Jahr für die Buchhaltung berappen soll.
Schönste Aufgabe von KHM Gühring war die feierliche Übergabe der Ehrenurkunde von der Handwerkskammer Reutlingen an OM Stopper zu dessen 100-jährigen Betriebsjubiläum.
Zügig und reibungslos gingen auch die notwendigen Wahlen unter der Regie von Herbert Gühring über die Bühne. Aus dem Vorstand ausgeschieden sind die BM Ulrich Deufel, Reiner Mössner und Hubert Wolf. Einstimmig wurden Alfred Schweizer, Jochen Holweger, Pius Horn, Franz Koch und Thomas Koch als Beisitzer in den Vorstand gewählt.
Dem Strukturwandel begegnen
Mit Referaten von Joost Nicolai Bremer und Wilfried Wiedmann über die Notwendigkeit der Neustrukturierung im Bäckerhandwerk klang die Versammlung außerordentlich harmonisch aus. Joost Nicolai Bremer verwies darauf, dass sich Bäcker- und Konditorenhandwerk in einem Umbruch befinden würden. Die Betriebe werden immer weniger, die Verbleibenden größer. Demgegenüber gerate die Branche durch Konkurrenz von außen (Discounter, abbackende Supermärkte, überregionale Filialisten) immer mehr unter Druck.
In der heutigen Zeit, in der der Strukturwandel mit erheblicher Beschleunigung erfolgt, sind daher entsprechende zeitnahe Anpassungen erforderlich. Dies muss jedoch geschehen, so lange die Unternehmen noch handlungsfähig sind und die Anpassungsmaßnahmen aktiv in die Hand nehmen können. Kernaufgabe der Bäko hierbei sei die Förderung der Wirtschaftsstärke ihrer Mitglieder.
Mit den Bäkos Südwürttemberg und Ulm-Oberschwaben vereinen sich zwei leistungsstarke Unternehmen, die die Kraft haben, diesen Anpassungs- und Umwandlungsprozess aktiv in die Hand zu nehmen. Dies sei für das Handwerk in Südwürttemberg eine großartige Chance, um die Fährnisse der Zukunft zu meistern. Dabei gelte es, das in der Gesamtheit ruhende, aber noch zersplitterte wirtschaftliche Potenzial zu straffen und wirksamer einzusetzen.
Um dieses Ziel zu erreichen, habe man folgende Grundsätze vorne angestellt:
Erhalt der dezentralen Struktur (Präsenz vor Ort). Die Niederlassungen bleiben in weiten Teilen dezentral mit weitgehender Kompetenz erhalten.
Die Wahrnehmung der Mitglieder soll weiterhin auf die jeweilige Bäko-Niederlassung in Ulm, Ravensburg und Reutlingen bezogen sein.
Das bedeutet, dass „vor Ort“ eine starke Mannschaft für die Belange der Betriebe tätig ist. Um diese Ziele zu erreichen, werden Organisation, Forderungsverwaltung, EDV, Buchhaltung, Einkauf, Finanzierung, Personalverwaltung, Fortbildung und Controlling zentral organisiert.
Weitere Vorteile sind ein Abgleich von Einkaufskonditionen, die Erzielung von Einkaufsvorteilen durch größere Kontingente (Bündelung des Einkaufs), Lieferantenkonzentration, Entstehung eines breiteren Warensortiments, Neuordnung der Logistik durch Optimierung der Touren, Erzielung positiver Effekte durch Verbindung optimaler Strukturen sowie Bereitstellung zusätzlicher Leistungen (Maschinenabteilung, Monteure, betriebswirtschaftliche Beratung).
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