Regional
Die Talsohle ist vorerst durchschritten
BIV Niedersachsen/Bremen legt den aktuellen Betriebsvergleich vor
Niedersachsen-Bremen
:Gifhorn (hms). Das Bäckerhandwerk in Niedersachsen und Bremen hat die wirtschaftliche Talsohle durchschritten. Das geht aus dem jährlichen Betriebsvergleich hervor, den der Bäckerinnungs-Verband (BIV) zu seiner Mitgliederversammlung in Gifhorn vorgelegt hat. Die Umfrage auf der Basis von rund 320 Innungsbäckereien, aufgeteilt in sechs Umsatzgruppen, zeigt für das Berichtsjahr 2007 eine insgesamt erfreuliche Gewinnsteigerung von bis zu zwei Prozent vom Umsatz. Bäckereien mit einem Jahresumsatz von mehr als 300.000 Euro konnten zudem ihr Eigenkapital um bis zu 2,5 Prozent aufstocken.
Dennoch können die Bäckereien im Verbandsgebiet nicht ohne Sorge auf ihre betriebswirtschaftliche Situation sehen. Denn die unerwartet hohen und dauerhaften Preiserhöhungen für Rohstoffe konnten im vergangenen Jahr nicht in vollem Umfang an die Verbraucher weiter gegeben werden. Der Verband empfiehlt daher seinen Mitgliedern, noch in diesem Frühjahr die Verkaufspreise deutlich anzuheben. Wo sich für einzelne Produkte keine höheren Preise durchsetzen lassen, wäre es auch eine Überlegung wert, dieses Produkt zumindest zeitweise aus dem Programm zu nehmen.
Um sich von den Preisdiktaten der Supermärkte unabhängig zu machen, sind „Preis-werte“ Entgelte für Backwaren der richtige Weg. Das schließe ein, dass vor allem die Preise der Produkte erhöht werden müssten, deren Rohstoffe sich besonders verteuert haben.
Preiserhöhungen erklären
„Quersubventionierung“ durch andere Produkte wäre der falsche Weg. Wichtig sei ferner, dass das Verkaufspersonal die Argumente für die Preisanhebungen verstehe und im Kundengespräch richtig einsetze. Wer höhere Preise verlange, müsse auch die Löhne seiner Mitarbeiter in Relation anpassen. Sonst gehe Glaubwürdigkeit verloren. Gerade die Lohnsituation bereitet dem BIV Sorgen. Nach der Kündigung des Lohntarifvertrages vor vier und des Manteltarifvertrags vor zweieinhalb Jahren hätten die Gespräche mit der Gewerkschaft NGG zu keinem Ergebnis geführt, mit der Folge, dass seither faktisch ein tariffreier Zustand bestehe. Der Vorsitzende des BIV-Ausschusses für Lohn- und Sozialpolitik, Hans-Henning Maas, stellte fest, dass sich viele Betriebe mit dieser Situation arrangiert hätten. Auf Seiten der Arbeitnehmer sei feststellbar, dass Lohnerhöhungen attraktiver seien als üppige Urlaubsansprüche.
Dennoch appellierte Maas, erneut mit der Gewerkschaft das Gespräch zu suchen. Denn der Druck nehme jetzt von politischer Seite zu, nicht nur mit der Mindestlohn-Diskussion. Maas und LIM Klaus Borchers berichteten von Aktivitäten in Berlin, aus dem Jahr 1952 stammende „Mindestarbeitsbedingungsgesetz“ zu reformieren. Zu befürchten sei, dass
das Arbeitsministerium in die Lohnstruktur eingreife, wenn sich die Tarifparteien nicht einigen.
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