Thüringen

Die Mitarbeiter am Erfolg beteiligen

LIV Thüringen bietet Gewerkschaft Tarifverhandlungen an / LIM Laudenbach: „Bäckerhandwerk hat sich stabilisiert“


Freyburg/Unstrut (ps). Mit einem Angebot zur Erhöhung der Löhne der Mitarbeiter will sich die Tarifkommission des Landesinnungsverbandes des Thüringer Bäckerhandwerks in diesen Wochen an die Gewerkschaft Nahrung, Gaststätten und Genuss (NGG) wenden. Das beschlossen bei drei Stimmenthaltungen die Delegierten aus den Mitgliedsinnungen Anfang April bei der Jahresmitgliederversammlung des Verbandes in Freyburg/Unstrut.

Bei der Unterbreitung seines Vorschlages nahm Landesinnungsmeister Wolfgang Laudenbach jene Diskussion wieder auf, die die Innungsvertreter bereits Mitte März bei der Obermeistertagung in Erfurt geführt hatten. „Unser Vorstand hält es für an der Zeit, unsere Mitarbeiter etwas mehr am unternehmerischen Erfolg der Handwerksbetriebe teilhaben zu lassen und sie somit zusätzlich für ihre weitere Tätigkeit zu motivieren“, betonte der Landesinnungsmeister.

„Es ist nun einmal Tatsache, dass die letzte Tariferhöhung im Freistaat im Jahre 1997 stattgefunden hat und das Lohnniveau im Thüringer Bäckerhandwerk inzwischen am Ende der deutschlandweiten Tabelle abgekommen ist. Auch wollen wir uns in der Öffentlichkeit nicht mehr als Prügelknabe der Nation verunglimpfen lassen, auch wenn etliche Handwerksbetriebe schon seit langem Löhne teilweise weit über Tarif auszahlen.“

Mit diesem Vorstoß, so ist der Landesvorstand überzeugt, wird das Bäckerhandwerk insgesamt weiter stabilisiert. Um mit der Gewerkschaft ins Gespräch zu kommen, werde der „normale Dienstweg“ beschritten: Einem entsprechenden Schreiben des LIV werden Verhandlungen mit der Gewerkschaft folgen, für die der stellvertretende Landesinnungsmeister, Bäckermeister Joachim Markert, mit dem mehrheitlichen Votum der Delegierten als Verhandlungsführer seitens des Verbandes einen entsprechenden Verhandlungsspielraum erhalten hat.

In seinem Geschäftsbericht für das Jahr 2005 hatte LIM Laudenbach zuvor nachdrücklich darauf verwiesen, dass sich das Thüringer Bäckerhandwerk auch dank des Einsatzes der Mitarbeiter weiter stabilisiert habe und viele Betriebe den Umsatz des Vorjahres erneut erreichen bzw. ihn noch steigern konnten. „Unter den harten Wettbewerbsbedingungen haben sich die Handwerksbetriebe wieder mehr auf ihre eigentlichen Stärken und Tugenden besonnen: Durch eine verstärkte Konzentration auf die Qualität ihrer Backwaren, durch die freundliche und gezielte Kundenansprache der Verkäuferinnen und durch einzelne Marketing-Aktionen konnten die Betriebe ihre Marktstellung festigen und weiter ausbauen.“ Folgerichtig hätten sich im Ergebnis sowohl die Kundenzahlen als auch die Kundenumsätze erhöht. Dennoch gebe es auch handwerkliche Betriebe, die es nicht geschafft haben, erfolgreich am Markt zu agieren. Das drückt sich letztlich auch in der Zahl der Mitgliederzahlen des Landesinnungsverbandes aus, die im Jahre 2005 von 310 auf jetzt nur noch 287 zurückgegangen ist.

Doch mit Blick auf die momentane optimistische Grundstimmung in der Wirtschaft könne auch das Thüringer Bäckerhandwerk durchaus optimistisch in die Zukunft schauen, betonte Wolfgang Laudenbach.

„Wir haben uns durch den harten Wettbewerb mit Billiganbietern und Discountern sowie durch den anhaltenden Strukturwandel einige Vorteile erworben. Dieser Wettbewerb sorgte in vielen Meisterbetrieben für eine kontinuierliche Steigerung der Produktqualität, für eine Konzentration auf regionale Spezialitäten und Produktvielfalt sowie für die stetige und serviceorientierte Weiterbildung des Verkaufspersonals.“ Vor allem die Rückbesinnung auf traditionelle Herstellungsverfahren wie den Einsatz von Vorteigen und Natursauerteigen habe die Qualität der Backwaren weiter verbessert.

„Als Handwerksmeister sollten wir ausschließlich Backwaren in Premium-Qualität herstellen, denn es gibt genügend Beispiele, die zeigen, dass selbst in Zeiten knapper Kassen Premium-Backwaren zu einem fairen Preis-Leistungs-Verhältnis ihre Käufer finden“, betonte der LIM abschließend.

Die Werbegemeinschaft des Zentralverbandes des deutschen Bäckerhandwerks unterstützt die Handwerksbäcker nachhaltig bei der Vermarktung ihrer Premium-Produkte, ergänzte LIM Klaus Borchers, der als Bundesbeauftragter für Öffentlichkeitsarbeit den Delegierten in seinem Referat über zurückliegende Aktionen berichtete sowie auf künftige Chancen orientierte. „So halten wir beispielsweise für jene Betriebe entsprechendes Werbematerial bereit, die die Fußball-WM in Deutschland werblich nutzen möchten. Wir hoffen alle gemeinsam sehr, dass das prognostizierte Konsumwachstum in Deutschland auch einige Impulse von diesem sportlichen Großereignis erhält.“ Neben diesen unmittelbaren wirtschaftlichen Effekten diene die Arbeit der Werbegemeinschaft vor allem dazu, das Ansehen des Berufsstandes weiter zu verbessern, den beruflichen Nachwuchs zu fördern.

Die Delegierten begrüßten in ihrer Mitte Sabine Thiele als neue Obermeisterin der Innung Zeulenroda. Sie akzeptierten die Jahresrechnung 2005 und den Bericht des Rechnungssausschusses, womit Vorstand und Geschäftsführung entlastet wurden.


Artikel vom 27.04.2006
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