Sachsen

Die Besten aus elterlichen Betrieben

10 Bäckergesellen und 35 Fachverkäuferinnen der Innung Chemnitz frei gesprochen


Chemnitz (ps). 120 junge Frauen und Männer wurden am letzten August-Sonntag bei der 6. gemeinsamen Freisprechungsfeier der drei Nahrungsmittelgewerke von den Pflichten der Lehre frei gesprochen und in den Gesellenstand erhoben. Ihre Gesellenbriefe und Abschlusszeugnisse konnten dabei auch 10 junge Bäckergesellen sowie 35 Bäckerei-Fachverkäuferinnen entgegennehmen. Als jahrgangsbeste Nachwuchskräfte wurden zwei junge Männer ausgezeichnet, die ihren Beruf in elterlichen Backstuben erlernt haben, sowie eine Fachverkäuferin.

Kreishandwerksmeister Peter Fritzsche gratulierte den 83 anwesenden jungen Leuten herzlich zum Prüfungserfolg, mit dem sie das Ziel erreicht und den Grundstein für eine gute berufliche Entwicklung gelegt haben. Er dankte zugleich allen Beteiligten von den Ausbildern bis zu den Mitgliedern der Prüfungskommissionen, die im Verlauf der vergangenen drei Jahre zu diesem Ergebnis beigetragen haben. Etwas kritischer sah Festredner Wolfgang Meyer, Obermeister der Chemnitzer Bäckerinnung, die Prüfungsergebnisse, denn von insgesamt 151 jungen Leuten haben nur 121 die Anforderungen erfüllt. Bei den Bäckern hatten sich die Prüfungshürden für fünf angehende Verkäuferinnen und sechs angehende Bäcker zumindest im ersten Anlauf als zu hoch erwiesen. „Doch der Durchfallquote von insgesamt rund 20 Prozent können wir zumindest die durchaus positive Erkenntnis abgewinnen, dass man einen verantwortungsvollen und schönen Beruf im Lebensmittelhandwerk eben nicht so nebenbei erlernen kann. Diese hohe Qualität der Berufsausbildung bei Bäckern, Konditoren und Fleischern ist das wichtigste Unterpfand für eine weitere gute berufliche Entwicklung des Handwerkernachwuchses und dafür, dass unsere Handwerke auch in der Zukunft am Markt bestehen können.”

Der Obermeister hofft, dass die jungen Nachwuchsleute des backenden Gewerkes die Reihen des Berufsstandes und der Innungen stärken und die Traditionen der Altvorderen bewahren werden. Denn die Chemnitzer Bäckerinnung bereitet sich gegenwärtig auf ihr 600-jähriges Bestehen im Jahre 2009 vor, wozu Wolfgang Meyer bereits in alten Archiven gestöbert und dabei interessante Fakten für eine Festschrift entdeckt hat: So legte im Jahre 1492 eine Verordnung des Stadtrates fest, dass fortan alle Backöfen und Backstuben aus Stein zu errichten sind; zudem war es strengstens untersagt, Holz im Backofen zu trocknen. Wer diese Festlegungen nicht einhalten konnte oder wollte, musste seinen Betrieb vor die Stadtmauern verlegen. Im 16. Jahrhundert – und diese Episode sorgte unter den rund 300 Teilnehmern der Freisprechungsfeier für besonders viel Heiterkeit – musste ein Bäcker, der schlechte Brotwaren anbot, zunächst zehn Gulden Strafe zahlen. Im Wiederholungsfalle hatte er den ganzen Schuss Brot kostenlos an die Stadt abzugeben. Und beim dritten „Schliff” erhielt er gar ein zweimonatiges Backverbot. „Das kann unseren heutigen Jung-Gesellen dank der guten Ausbildung im Lehrbetrieb, bei der ÜLU und in der Berufsschule natürlich nicht passieren”, hob der Festredner hervor – und verleitete damit so manchen Jung-Gesellen zum Grinsen.

Insgesamt erhielten 83 anwesende Junggesellen und Fachverkäuferinnen der drei Nahrungsmittelhandwerke ihre Gesellenbriefe bzw. Facharbeiterzeugnisse, darunter zehn Bäckergesellen und 35 junge Bäckerei-Fachverkäuferinnen. Als beste junge Fachkräfte wurden neben Verkäuferin Jenny Seidel (Bäckerei Schäfer, Chemnitz) zwei Gesellen ausgezeichnet, die ihre Lehre in elterlichen Betrieben absolviert hatten und mit Blick auf ihre berufliche Perspektive besonders motiviert waren. Die besten Ausbildungsergebnisse erreichten Frank Zimmermann (Bäckerei Zimmermann, Chemnitz) und Benjamin Groschupf (Bäckerei Groschupf, Chemnitz).


Artikel vom 07.09.2006
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