Bayern

Der Konflikt als Chance nutzen

Bäcker-Kompetenztag des LIV Bayern erfolgreich


Nürnberg (p). „Andere Menschen können Sie nicht ändern. Von dieser Illusion müssen Sie sich verabschieden. Sie können immer nur sich selbst ändern.“ Beim diesjährigen Bäckerkompetenztag des Landes-Innungsverbandes für das bayerische Bäckerhandwerks am 02. März im Nürnberger Maritim-Hotel räumte Referent Klaus Eidenschink gleich zu Beginn mit einigen unrealistischen Erwartungen der 64 Teilnehmer auf: „Wenn Sie glauben, dass Sie heute nach der Veranstaltung mit einem Patentrezept zur Konfliktlösung nach Hause gehen, dann muss ich Sie leider enttäuschen.“Bei der dritten Auflage des Bäcker-Kompetenztages hatte der Landes-Innungsverband mit Klaus Eidenschink einen Top-Referenten engagiert. Der erfahrene Managementtrainer legt seinen Arbeitschwerpunkt vor allem auf das Coaching von Geschäftsleitungsteams und Vorständen in Bezug auf offene Kommunikation. Zu seinen Kunden zählen einige DAX-Unternehmen. Für das Thema Konfliktbewältigung ist der Autor zahlreicher Publikationen zu Fragen von Führung und Beratungstheorie ein ausgewiesener Spezialist. Im Verlauf der fünfstündigen Veranstaltung im Nürnberger Maritim-Hotel gab Eidenschink mehrmals Einblicke in die Erfahrungen, die er in fast 20 Jahren Beratungstätigkeit unter anderem bei höchst renommierten Firmen gemacht hat. Er sei dabei immer wieder betroffen darüber, wie Konflikte, die in ihrer Anfangsphase eigentlich leicht lösbar gewesen wären, leichtfertig eskaliert werden und sich zu zerstörerischen, hasserfüllten Feindschaften entwickeln. Dabei ist es eigentlich nicht erstaunlich, dass es in Firmen – großen wie kleinen – ein Vielzahl von zwischenmenschlichen Konflikten gibt: Wo verschiedene Menschen zusammen arbeiten, gibt es zwangsläufig unterschiedliche Standpunkte und entgegengesetzte Meinungen. Daraus können handfeste Konflikte erwachsen. Dieses Potential lässt sich leicht anheizen. Viel schwieriger dagegen ist es, Konflikte als Chance zu begreifen und zu nutzen.Eidenschink betonte, dass es aber möglich ist, das dazu nötige Wissen und die Fertigkeiten zu erlernen: Jeder Betriebsinhaber oder Geschäftsführer kann sich das Rüstzeug zur Konfliktbewältigung zulegen. Aber er warnte davor, sich auf vorgefertigte Strategien zu verlassen und er nannte auch den Grund dafür: „Jeder von uns ist anders. Was beim einen funktioniert ist beim anderen völlig verkehrt.“ Die Ursache von Konflikten liegt in der Persönlichkeit jedes einzelnen Menschen. Anhand von psychologischen Kriterien erklärte Eidenschink, dass der Mensch äußere Konflikte eingeht, um innere zu vermeiden. Wir suchen die Konfrontation mit dem anderen, um unangenehme Gefühle in uns nicht aufkommen zu lassen: Lieber beschuldige ich die Kollegin der ungenügenden Einweisung, anstatt mir selbst zuzugeben, dass mit der Handhabung der neuen elektronischen Kasse überfordert bin.Weil jeder menschliche Konflikt auf diesem Grundmuster basiert, liegt der Schlüssel für die Konfliktbewältigung im Verständnis für die Motive des jeweiligen Konfliktteilnehmers. „Das ist ein zentraler Punkt“, betonte Eidenschink, „das erste Bedürfnis eines jeden Menschen ist es, verstanden zu werden.“ Anhand des Beispiels einer Verkäuferin, die ständig zu spät kommt und deshalb natürlich einen Konflikt mit ihrem Chef hat, machte der Referent klar, dass es dabei nicht um ein allgemeines „ja, ja, ist ja schon gut-Verständnis“ sondern um die Analyse von Beweggründen geht: “Es kann sein, dass diese Verkäuferin als Kind gelernt hat, dass sie durch negatives Auffallen Zuwendung erhalten kann. Deshalb wiederholt sie dieses Verhaltensmuster immer wieder.“ Der Betriebsinhaber bestätigte dann auch, dass er regelmäßig versuche, die Verkäuferin zur Rede zu stellen, sie es aber immer schaffe, ihn mit ihrem „Dackelblick“ zu besänftigen. Hinterher ärgere er sich dann wieder über sich selbst.Eidenschink erläuterte, dass in diesem Fall eine positive Konfliktlösung möglich ist, wenn die Verkäuferin zuerst ihre eigenen Motive begreift und dann die Gefühle versteht, die sie bei ihrem Chef und ihren Kolleginnen durch ihr Zuspätkommen auslöst – nämlich Überdruss und Verärgerung. Hat sie das begriffen, dann wird sie ihr Verhalten aus eigenem innerem Antrieb umstellen. Und nur das bringt eine dauerhafte wirkliche Konfliktlösung. „Wenn man Druck ausübt“, betonte der Referent, „erzeugt das immer Gegendruck“. Am Ende steht dann irgendwann die Kündigung – das wäre die andere „Lösung des Konflikts“. Zugegebenermaßen verlangt die erste Herangehensweise ein hohes Maß an Unvoreingenommenheit, einen ruhigen und sachlichen Gesprächsstil sowie Einfühlungsvermögen. „Aber an diesen Fähigkeiten können Sie arbeiten“, gab der Vater zweier Töchter zu bedenken.In einem vorhergehenden theoretischen Teil seines Referats hatte Eidenschink zuerst die Systematik von Konflikten und die neun Stufen, in denen Konflikte nahezu immer ablaufen, erläutert. Dies brachte Ihm in der Mittagspause bei einigen Teilnehmern auch den Vorwurf ein, das Seminar sei zu abgehoben und zu wenig praxisnah. Der Nachmittag jedoch überzeugte nahezu alle Anwesenden. Eidenschink ging ausführlich auf die Fragen der Teilnehmer ein und scheute auch nicht davor zurück, manchem den Spiegel vorzuhalten: Einem Betriebsinhaber, der den Standpunkt vertrat, dass „der Mensch von Natur aus faul“ sei, entgegnete er: „Wenn Sie diese Meinung haben, dann werden Sie genau die Mitarbeiter bekommen, die dieser Vorgabe entsprechen. Die selbsterfüllende Prophezeiung ist einer der ältesten und besten Lehrsätze der Psychologie.“Nach fünf Stunden entließen Klaus Eidenschink und Verbandsgeschäftsführer Dr. Wolfgang Filter ein Auditorium, in dem Nachdenklichkeit aber auch Zufriedenheit herrschten. Wilhelm Gräf, der Bezirksobmann für Mittelfranken, brachte es kurz auf den Punkt: „Dieser Tag hat sich voll rentiert!“



Artikel vom 23.03.2006
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