Regional

Dem Lernen mehr Raum gegeben

Versammlung der Innung Nordschwarzwald in „neuer“ Berufsschule / Kernthemen Ausbildung und Hygiene


Baden & WürttembergPforzheim (kol). Doppelte Premiere für die Bäckerinnung Nordschwarzwald: Zum ersten Mal tagten die Kollegen in der neuen beruflichen Alfons-Kern-Schule in Pforzheim, und gleichzeitig waren sie die erste Innung, die diese Möglichkeit nutzten. Obermeister Martin Reinhardt scherzte: „Wir sind eben Frühaufsteher, und deshalb immer einen Tick schneller als andere.“

Schule neu eingerichtet

Es war ein Nachmittag, vollgepackt mit aktuellen Berufsinformationen von der Hygiene in der Backstube bis zur Nachwuchsgewinnung. Da passte es dazu, in der neuen Schule auch die Räumlichkeiten des Bäckerhandwerks zu begutachten. Herzstück ist die völlig neu eingerichtete Backstube mit vorläufig acht Öfen, zu denen aber noch vier kommen sollen. „Kein Vergleich zu der in die Jahre gekommenen Vorgängerschule“, waren sich die Meister einig. Gleiches gilt für den Schulungsraum für die Fachverkäuferinnen, die dort auch Kochstellen vorfinden, um Bäckersnacks zuzubereiten.

Um freilich den Nachwuchs fürs Bäckerhandwerk erst mal zu interessieren, wollen sich die Innungsbetriebe von Nagold bis Vaihingen/Enz auf breiter Front der Werbekampagne ihres Dachverbands unter dem Motto „Back Dir Deine Zukunft“ anschließen. Dabei wollen die Bäcker schon in den Kindergärten mit einer „Frühstücksoffensive“ auf ihre alles andere als brotlose Kunst aufmerksam machen.

Entwachsen diese Kids dann ihren Kinderschuhen, wollen die Bäcker nicht zuwarten, bis Jugendliche eher zufällig zum Bäckerberuf finden, so Ute Sagebiel-Hannich vom Landesinnungsverband: Nachwuchswerbung auf unkonventionelle Art sei in den nächsten Monaten angesagt, etwa Kinospots oder Anzeigenkampagnen in Jugendmagazinen. Auch übers Internet (www.back-dir-deine-zukunft.de) sollen Interessierte Zugang zur Branche finden.

Mag die Nachwuchswerbung ein durchaus ernst zu nehmendes Thema sein, so galt dies bei der Innungsversammlung noch mehr beim zweiten Kapitel des Nachmittags, der Hygieneverordnung nach aktuellem EU-Recht. Dazu sprach als kompetenter Experte der Chefveterinär des Enzkreises, Ulrich Dura. Er verdeutlichte den Praktikern unmissverständlich, welche Konsequenzen es haben könne, mit der Zeit „betriebsblind“ und insbesondere in hygienischen Belangen nachlässig zu werden. Wie Veterinär Duda weiter darlegte, würden seine Mitarbeiter – im übrigen allesamt Meister des Nahrungsmittelhandwerks – penibel auf die Einhaltung der Lebensmittelhygiene achten und darüber auch Buch führen.

Wie ein plausibles Eigenkontrollsystem Transparenz in der Einhaltung der Vorschriften funktioniere, beschrieb Stefanie Dietze, Betriebsberaterin beim Landesinnungsverband. Ein solches System bestehe aus mehreren Komponenten, von Temperaturkontrollen in Kühlbereichen über Reinigungspläne bis hin zur Schädlingskontrolle. Dazu müssten lückenlos Checklisten geführt werden, die dem Betrieb im Zweifelsfall aber auch als Beweis für nicht zu beanstandende Arbeitsweise dienen könne.


Artikel vom 11.11.2009
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