Baden & Württemberg
Das Handwerk hat Marktchancen
Tagung mit Fleischern: Bäckerinnung Rems-Murr/Ludwigsburg ehrte Nachwuchs / Internationale Erfolgskonzepte

Obermeister Georg Strohmaier ehrte den erfolgreichen Bäckernachwuchs (von links): Iryna Lazko, Yvonne Münderle und Thomas Schmid. Foto: Götz
Ulrich Fritz, Obermeister der Fleischerinnung, begrüßte die Teilnehmer und unterstrich „Brot und Wurst gehören zusammen“. Was wäre ein Fest ohne Braten, ohne Torten. . . nur die Kombination der Leckereien aus dem Bäcker- und Fleischerhandwerk bringe das Fest kulinarisch zum Erfolg.
Obermeister Georg Strohmaier führte aus, Bäcker und Metzger stünden nicht im Wettbewerb, sondern sie ergänzen sich. Er rief die Mitglieder auf, die Idee der gemeinsamen Veranstaltung zu bewerten und anzugeben, ob der eingeschlagene Kurs für künftige Versammlungen beibehalten werden soll. Traditionsgemäß nützten die Bäcker ihre Herbstversammlung, um Ehrungen vorzunehmen. Besonders freute sich Lehrlingswart Rainer Stolzenberger über die Ehrung des besten Nachwuchses. Die Bäcker Iryna Lazko, Yvonne Münderle und Thomas Schmid erhielten eine Ehrenurkunde für ihre besonders guten Leistungen.
Konzepte und Strategien
Das Referat des Tages hielt Ruth Ralphs von der CMA. Rainer Stolzenberger stellte die Referentin vor und erklärte: „In einer von verschobenen Rahmenbedingungen gekennzeichneten Welt müssen wir alle Chancen nützen!“ Man müsse von den Besten lernen und der Vortrag der weit gereisten Fachfrau könne die Augen für neue Perspektiven öffnen. Ralphs meint, für Bäcker und Metzger habe sie keine Sorgen, vorausgesetzt sie nützen aktiv alle Chancen. Jeder müsse seine eigenen Stärken finden, diese herausarbeiten und seinen Platz im Markt bestimmen.
Weltweit gehe die Schere zwischen den extrem guten, hochpreisigen Betrieben und den Billig-Betrieben immer weiter auseinander. In den USA wird die Mehrzahl der Produkte vorverpackt angeboten. Bedienung ist den Produkten vorbehalten, die erklärungsbedürftig sind. Das Personal ist kaum mit dem reinen Verkaufsvorgang befasst, sondern zeigt sich in Bäcker-, Metzger- oder Kochkleidung und berät, bietet an, lädt zur Verkostung ein. Nicht selten werden Kochkurse in den Läden veranstaltet. Diese befassen sich mit dem Produkthandling, mit Warenkunde, bis hin zur Zubereitung von Gerichten. Der Einkauf wird für den Kunden zum Erlebnis gemacht. Ein Schokoladenbrunnen beispielsweise duftet, sieht toll aus und kann den ganzen Tag im Verkaufsraum laufen gelassen werden.
Der Convenience-Trend gehe mittlerweile hin zu gekühlten Speisen, die der Kunde nur noch erwärmen muss; Frischware wird zunehmend vorverpackt. In Amerika werden vielerorts täglich zu festgelegten Zeiten Gratis-Verkostungen angeboten. Unsere Nahrungsmittelhandwerker könnten diese Idee aufgreifen und zu bestimmten Zeiten den Kunden Produktproben anbieten. Im Gegensatz zu anderen Ländern nützen die Deutschen das Prädikat „handgemacht“ viel zu wenig zur Auslobung ihrer Ware. Damit könnte der Handwerker seine Produkte von maschinell-industriell hergestellten abgrenzen und höherpreisig verkaufen. Der Kunde gebe für eine Wellness-Behandlung 100 Euro aus, aber beschwere sich beim Bäcker, wenn ein handwerklich hergestelltes Produkt ein paar Cent mehr kostet.
Doch: „haben Sie den Mut zu teuer, es gibt solche Käufergruppen!“ rief Ruth Ralphs auf. Auch Einzelprodukt-Konzepte können zum Erfolg führen. Ob das ein Brezelladen ist, ein Windbeutel- oder Vanilletörtchen-Geschäft, an Hochfrequenzstandorten können Spezialläden funktionieren. Mit zustimmendem Kopfnicken quittierten zahlreiche Zuhörer die Aussage der Referentin, das Bäckerhandwerk habe den Keksmarkt kampflos der Industrie überlassen.
Sie spreche nicht von einfacher Dauerbackware, sondern von Frisch-Keksen, betonte Ruth Ralphs, die von Multis wie Bahlsen und Lambertz mit enormem Erfolg verkauft werden. „Das kann jeder Handwerks-Bäcker“ rüttelte sie auf und riet dazu, Frisch-Kekse, die mehrere Tage haltbar sind, zu backen, intensiv zu bewerben und sich mit diesen Produkten eine Marktnische zu erobern.
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